Lebensdaten
1690 bis 1745
Geburtsort
Jankowa (Niederschlesien)
Sterbeort
Halle
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Dichter ; Erbauungsschriftsteller ; Liederdichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116229411 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bogatzky, Karl Heinrich von
  • B., C. H. v.
  • Bogacki, K. G.
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Zitierweise

Bogatzky, Karl Heinrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229411.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Adam, aus über Ungarn eingewandertem polnischen Adelsgeschlecht, österreichischer Oberstleutnant;
    M Eva Eleon. von Kalckreuth;
    Leonore Barb. von Felß.

  • Leben

    B., einer der fruchtbarsten Erbauungsschriftsteller aus der Schule von A. H. Francke, kam mit 14 Jahren als Page an den herzoglichen Hof in Weißenfels, studierte mit 23 Jahren Jura in Jena, wurde unter Franckes persönlichem Einfluß 1715 erweckt und hörte danach in Halle zugleich theologische Vorlesungen. Nach dem Tode der Mutter und dem Bruch mit dem Vater, der ihn durchaus zum Offizier machen wollte, studierte er noch 2 Jahre nur Theologie. Seine angegriffene Gesundheit verbot ihm die Übernahme eines Predigtamtes. So suchte er andere Wege, um mit seinen Gaben der Ausbreitung des Reiches Gottes zu dienen: in Schlesien, am Saalfelder Hof und seit 1746 als Gast im Waisenhaus in Halle, wurde er zum Seelsorger, zum Gewissensrat in ungezählten Gesprächen, in Erbauungsstunden für Studenten, auf Reisen und nicht zuletzt an seinem Schreibtisch. Sein „Güldnes Schatzkästlein der Kinder Gottes, deren Schatz am Himmel ist“ (Breslau 1718), das er schon als Student schrieb, hat 1924 die 63. Auflage erlebt. - „Wenn ich ein besonderes geistliches oder leibliches Anliegen hatte oder eine besondere Erweckung zum Lobe Gottes, so setzte ich mir davon ein Lied auf.“ „Die zerstreute Menge von Liedern, in welchen sich die Lauterkeit und Einfalt des Mannes durch den schlesischen Bilderschwulst wie der Mond durch die Wolken bricht“, sammelte er 1750 unter dem Titel „Übung der Gottseligkeit in allerlei geistlichen Liedern“. Das bekannteste, „Wach auf, du Geist der ersten Zeugen“, ist nicht „das erste Missionslied der evangelischen Kirche“, wie es überall heißt. Das hatte der schon 1704 gestorbene Kandidat und Hauslehrer Michael Müller gedichtet: „Die Macht der Wahrheit bricht herfür“ (im Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern).

  • Literatur

    ADB III;
    A. Ritschl, Gesch. d. Pietismus, Bd. 2, 1884;
    Koch, Kirchenlied, 31866-70, IV, S. 468 ff.;
    PRE;
    RGG;
    Goedeke III, 1887, S. 208 f. (W, L).

  • Portraits

    in: Walter Schulz, Reichssänger - Schlüssel z. dt. Reichsliederbuch, 1930, Nr. 23.

  • Autor/in

    Paul Gabriel
  • Empfohlene Zitierweise

    Gabriel, Paul, "Bogatzky, Karl Heinrich von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 414 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229411.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bogatzky: Karl Heinrich v. B., geb. 7. Sept. 1690 zu Jankowa, dem Rittergute seiner Eltern, in der niederschlesischen Herrschaft Mielitsch, 15. Juni|1754. Der Vater (Joh. Adam v. Bogatzky, aus ungarischem Adelsgeschlechte) stand als Officier in österreichischen Diensten und war immer abwesend, so daß die Erziehung ganz der frommen Mutter (Eva Eleonore geb. v. Kalkreut) anheimfiel. Sie lebte nach dem Verkauf des Rittergutes mit dem Söhnlein längere Zeit in Zduny, einer Stadt in Polen mit evangelischer Kirche und Schule. Die Gelegenheit zur Ausbildung war jedoch hier auf die Länge nicht ausreichend; auch verbreitete sich ein falsches Gerücht, der Vater sei katholisch geworden und wolle den Knaben an sich ziehen. Die gute Frau suchte daher den Sohn in Sachsen unterzubringen: er wurde, 14 Jahre alt, Page am herzoglichen Hof zu Weißenfels. Bogatzky's ernster Sinn bewährte sich schon damals den geselligen Versuchungen gegenüber und festigte sich durch eine schwere Krankheit, welche über ihn kam. Aus dieser Zeit datirt bereits die lebenslängliche Gewohnheit, welcher wir so viele Lieder verdanken: Gebetsstimmungen in Reime zu bringen. Der Vater äußerte den Wunsch, sein Sohn möge in Oesterreich Militärdienst nehmen, ließ sich aber für jetzt noch gütlich abweisen, gestattete vielmehr dem lernbegierigen Jüngling, sich in Breslau auf die Universität vorzubereiten. Die Geldmittel zum Studium reichte der edle Graf Heinrich XXIV. von Reuß-Köstritz, und 1713 bezog B., für die Rechtswissenschaft bestimmt, Jena, 1715 Halle. Letzteren Orts übten bald Francke und seine Mitarbeiter starke Anziehungskraft auf ihn aus. Doch brachten ihn erst der Tod seiner Mutter und der Bruch mit seinem Vater, der ihm eine neue Ablehnung militärischer Aussichten gründlich verübelte, zu dem Entschluß, vom Jus zur Theologie überzugehen (1716). Der Liebe und Begeisterung, womit er sich nun in diese einarbeitete, entsprach aber die körperliche Kraft nicht: er mußte 1718 Halle verlassen, sich nach Schlesien zurückziehen und dem Gedanken an eine dienstliche Laufbahn im Blick auf seine Kränklichkeit bleibend entsagen. Sein Drang, fürs Reich Gottes zu arbeiten, wußte nichtsdestoweniger Mittel und Wege zu finden. Er machte besonders bei den adeligen Familien Schlesiens Missionsbesuche und wirkte sonst auf seinen Wanderungen bei jeder Gelegenheit eifrigst. Im Dorfe Glaucha half er ein Waisenhaus errichten, und während dieses Aufenthaltes ehelichte er ein Geschwisterkind, Fräulein v. Felß, mit welcher er sich schon früher geistlich verbunden wußte, um nun 1726—1734 in einem durch Lieb und Leid reichlich gesegneten Bund mit ihr zu stehen. Sie hinterließ ihm zwei Söhne, welche durch theilnehmende Freunde in Anstalten forterzogen wurden. B. hatte nämlich sein, ohnehin geringes Vermögen so viel als ganz in einer keine Schranken kennenden Mildthätigkeit aufgezehrt. Er selber fand beim Hofe in Köstritz und von 1740 an bei Herzog Christian Ernst in Saalfeld als dessen Gewissensrath Aufnahme. Nach des Herzogs Tode 1746 öffnete ihm der jüngere Francke ein Stübchen im Waisenhaus zu Halle, wo er bis an sein Ende in schriftstellerischer und seelsorgerischer Wirksamkeit verharrte. — Der Name Bogatzky's wirkt zum Segen am meisten fort in seinem „Güldenen Schatzkästlein der Kinder Gottes“ etc., das seit seinem Erscheinen (Breslau 1718) unzählige Auflagen erlebt hat und ohne Zweifel in ungleich mehr Exemplaren, als irgend ein deutscher Classiker, verbreitet ist. Auch seine zweite Schrift von 1741 fand und findet immer noch zahlreichen Absatz: „Kurze, einfältige, jedoch gründliche und erbauliche Gedanken von der wahren Bekehrung eines Menschen zu Gott“ etc. Die zerstreute Menge von Liedern, in welchen sich die Lauterkeit und Einfalt des Mannes durch den schlesischen Bilderschwulst, wie der Mond durch die Wolken Bahn bricht, sammelte er Halle 1750: „Uebung der Gottseligkeit in allerlei geistlichen Liedern“ etc. — Alle die vielen, welche sich in deutschen Gesangbüchern einbürgerten, sowie die große Zahl weiterer Erbauungsschriften Bogatzky's hat Koch's Kirchenlied IV. S. 468 etc. verzeichnet. — Bogatzky's Lebenslauf, von|ihm selbst beschrieben, herausgegeben von Knapp, Halle 1801. — Steffens, Biographie in der Sonntagsbibliothek, Bielefeld J. 1854.

  • Autor/in

    P. Pressel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pressel, Paul, "Bogatzky, Karl Heinrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 37-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229411.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA