Lebensdaten
1500 bis 1560
Geburtsort
Wetter (Oberhessen)
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Anatom ; Astronom ; Arzt ; Mathematiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116229292 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aichmann, Johannes
  • Eichmann, Johannes
  • Eichmann, Johann
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Zitierweise

Dryander, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229292.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Susanne Breul, Schw des Valentin Breul ( 1547), Vizekanzler zu Marburg;
    5 K, u. a. Kaspar (1538–1618, Felicitas, T des Gerh. Geldenhauer, 1542, Prof. der Theol. in Marburg, s. ADB VIII), kurtrierischer Gesamtzollschreiber, Johannes ( 1585), Dr. med., Amtsphysikus in Treysa.

  • Leben

    Ausgebildet auf der Lateinschule in seinem Geburtsort, bezog D. 1518 die Universität Erfurt, wo er Famulus von Euricius Cordus wurde und mit der Magisterwürde abging (?). Dann studierte er in Bourges und (vermutlich) 1528-33 in Paris. Dort hat er möglicherweise Vorlesungen über Mathematik und Astronomie gehalten und mehreren Sektionen beigewohnt. 1533 in Mainz promoviert, wurde er Leibarzt des EB Johannes von Metzenhausen in Koblenz und Trier. Schon 1535 erhielt er einen Ruf als Professor der Medizin und Mathematik nach Marburg. Er war 1548 Rektor der Universität und lehrte bis zu seinem Tode. Daneben war D. Arzt der Hospitäler Haina und Merxhausen.

    D.s Hauptinteresse galt in den ersten Jahren seiner Marburger Tätigkeit der Anatomie. Er hielt vier Lehrsektionen ab (1535, 1536, 1539, 1558), die zu den frühesten in Deutschland gehören. D. war einer der ersten Anatomen, die (schon vor Vesal) ihren anatomischen Lehrbüchern eigene Abbildungen beigaben. Die Holzschnitte in der „Anatomia capitis humani“ (Marburg 1536) und der „Anatomia, hoc est corporis humani dissectionis pars prior“ (ebenda 1537) – verfertigt von Georg Thomas von Basel (G. V. B.) – sind bei weitem die besten, die bis dahin überhaupt zum Druck gekommen waren. Die Übernahme einiger Abbildungen Vesals aus dessen „Tabulae VI“ (1538) in seine „Anatomia Mundini“ (ebenda 1541), brachte ihm den Tadel Vesals und besondere Beachtung durch die moderne Medizinhistorik ein. – In seiner astronomischen Tätigkeit trat D. als Verfasser mehrerer viel benutzter und oft zitierter Lehrschriften hervor, in denen Geräte und deren Gebrauch dargestellt sind. Die Erfindung einer Ringsonnenuhr mit 3 Ringen schreibt er sich selbst zu.

  • Werke

    Weitere W medizinische Ein new Artzney u. Practicyr Büchlein …, Köln 1527, 1537, Frankfurt/M. 1563, 1589; De Balneis Emsensibus, Marburg 1535, auch dt., ebd. u. Mainz 1535, Straßburg 1541;
    Der gantzen Artzeney gemeiner Inhalt …, Frankfurt/M. 1542 (auch u. d. T. Artzenei Spiegel, ebd. 1547);
    Von rechtem christl. Brauch d. Artztes u. d. heylsamen Artzeney, ebd. 1543;
    Libellus de peste, Marburg 1553 (auch dt. ebd. 1554). – Hrsg.: Petri de Abano de Venenis …, Marburg u. Venedig 1537;
    Joannes Vochs Opusculum … de omni pestilentia …, Köln 1537;
    (Euricius Cordus), Ein nützlich Büchlein … vor die grawsamme pflage deß stein weethumms begriffen, o. O. 1538;
    Antiochus Tibertus, De Cheiromantia libri III, Mainz 1541;
    astronomische Novi annuli astronomici nuper anno 29 excogitati …, Marburg 1536 (dt. ebd. 1546);
    Zubereitung unnd warer verstanndt eines Quadranten, Frankfurt/M. 1536 (lat. Marburg 1542, 1550);
    Sonnawern allerhandt künstlich zu machen, Frankfurt/M. 1536, 2 Marburg 1543;
    Annulorum trium diversi generis instrumentorum astronomicorum, componendi ratio atque usus, ebd. 1537; weitere W b. Zinner (s. L).

  • Literatur

    ADB V; Strieder III, S. 237-42 (W);
    E. Fuhrmeister, J. D. Wetteranus, med. Diss. Halle 1920 (ungedr.);
    H. Cushing, Andras Vesalius, New York 1943, S. 28 ff.;
    E. Zinner, Dt. u. niederländ. astronom. Instrumente d. 11.-18. Jh., 1956 (W); BLÄ (unter Eichmann).

  • Portraits

    Kupf. v. T. de Bry, Abb. in: J. J. Boissard, Icones virorum illustrium, Frankfurt/M. 1597 ff.; Kupf. (Hauptbibl. d. Franckeschen Stiftungen, Halle/S.).

  • Autor/in

    Robert Herrlinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Herrlinger, Robert, "Dryander, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 142-143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229292.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dryander: Johann D. (deutsch Eichmann), Arzt, gegen Ende des 15. Jahrhunderts in der Wetterau geboren, hatte sich, nach Beendigung mathematischer Studien, nach Paris gewandt, wo er sich mit dem Studium der Medicin beschäftigte; nach seiner Heimkehr erlangte er in Mainz die medicinische Doctorwürde, ging nach Marburg, wo er 1536 zum Professor der Mathematik und Medicin ernannt wurde, und verblieb hier bis zu seinem am 20. December 1560 erfolgten Tode. — D. hat das Verdienst, einer der ersten gewesen zu sein, welche die praktische Anatomie auf deutschen Universitäten eingeführt haben; allerdings verkleinerte D. dieses Verdienst dadurch, daß er, trotzdem ihm selbst nur äußerst selten (in den Jahren 1535 und 36 nur zweimal) Gelegenheit zur Section menschlicher Leichen geboten war, in eitler Ueberhebung und von Eifersucht gestachelt, es nicht verschmäht hat, in seinen anatomischen Schriften (vgl. das Verzeichniß derselben in Haller, Bibl. anat. I, 174) die Bemühungen und Verdienste Vesal's um die Anatomie herbzusetzen, wofür Vesal, der mit ihm übrigens befreundet gewesen war, D. in gebührender Weise (in Epistola de china, Opp. 1725. fol. p. 675) abgefertigt hat. Ein Verzeichniß der übrigen, unbedeutenden Schriften Dryander's findet man in Haller, Bibl. med.-pract. II, 33.

  • Autor/in

    Aug. Hirsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hirsch, August, "Dryander, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 440 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116229292.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA