Lebensdaten
1830 bis 1916
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Stolpe bei Oranienburg
Beruf/Funktion
Pianist ; Dirigent
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116228660 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klindworth, Karl

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Zitierweise

Klindworth, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116228660.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl August Ludwig (1789–1862), Mechanikus, Teilh. e. mechan. Firma, S d. Joh. Andreas, Mechanikus u. Uhrmachermeister in Göttingen, u. d. Friederike Diederichs;
    M Dor. Wilhelmine (1800–53), T d. Hofbuchdruckers Joh. Thomas Lamminger (1757-1805, s. ADB 17) u. d. Sophia Bock;
    Ov Georg (1797–1880). Dr. iur., pol. Agent um 1850 (s. Allg. hannov. Biogr. II, 1914);
    - ⚭ Henriette Karop (* 1839);
    Adoptiv-T Winifred Williams ( 1980, ⚭ Siegfried Wagner, 1930, Komponist).

  • Leben

    K. war nach frühen Lehrjahren als Violin- und Klavierspieler bereits 1847 bei einer reisenden Theatertruppe als Kapellmeister tätig, dirigierte 1848 die Erstaufführung von Meyerbeers „Der Prophet“ in Hannover und übernahm 1850 die Leitung der dortigen „Neuen Liedertafel“. Entscheidend für seine künstlerische und geistige Entwicklung wurde in den folgenden Jahren seine Studienzeit bei F. Liszt in Weimar, wo er sich – mit H. von Bülow, J. Raff und P. Cornelius – bald zu dessen engstem Schülerkreis zählen durfte. 1854 ließ er sich in London nieder, wirkte hier 14 Jahre lang erfolgreich als konzertierender Pianist und Lehrer und trat 1861/62 auch als Veranstalter von Orchester- und Kammermusik-Konzerten hervor. Seine Bemühungen, Klassisches und Neues in Konzertprogrammen zu verbinden, scheiterten jedoch an der Indolenz des Publikums. Von größter Bedeutung für K. wurde seine Begegnung mit R. Wagner, der 1855 als Dirigent mehrerer philharmonischer Konzerte 4 Monate lang in London weilte. In K., der ihm von Liszt als „vortrefflicher Musiker und famoser Klavierspieler“ empfohlen worden war, gewann Wagner rasch einen ihm mit jüngerhafter Begeisterung ergebenen Freund. Auf Wagners Wunsch befaßte er sich in der Folgezeit (beginnend mit dem 1. Akt der „Walküre“) mit der Herstellung von partiturgetreu gestalteten Klavierauszügen der Wagnerschen Bühnenwerke, die in ihrer Gesamtheit schließlich sein wesentliches Lebenswerk geworden sind. 1868 folgte K. einer Berufung N. Rubinsteins an das Konservatorium in Moskau, wo er 16 Jahre lang eine Klavierprofessur innehatte. 1884 kehrte|er nach Deutschland zurück. Seine neue Wahlheimat Berlin bot ihm ausgezeichnete Möglichkeiten für sein künstlerisches Wirken als Pianist, Dirigent und Pädagoge. 1884-86 war er (neben J. Joachim und F. Wüllner) Leiter der Philharmonischen Konzerte und trat in dieser Zeit besonders für Liszt und Wagner, aber auch für Berlioz und Brahms ein; auch dirigierte er 1887 die Berliner Erstaufführung von Bruckners 7. Symphonie. Seiner pädagogischen Neigung folgte er mit der Gründung einer eigenen Klavier-Schule, die dann 1893 mit dem 1881 gegründeten Konservatorium X. Scharwenkas vereinigt wurde. Konzertreisen führten K. bis in die USA (1887/88); erst 1910, als 80jähriger, beendete er seine pianistische Konzerttätigkeit. Als Komponist ist er nur gelegentlich hervorgetreten; das Zentralgebiet seines unermüdlichen Schaffens blieb seine vielseitige Tätigkeit als Herausgeber und Bearbeiter.

  • Werke

    Kompp. f. Klavier: Concert-Polonaise;
    Polonaise-Fantaisie. -
    Elementar-Klavierschule in 2 T., 1903. -
    Klavierauszüge d. Bühnenwerke R. Wagners v. Rienzi bis Parsifal;
    Klavierauszug d. Oper „Gernot“ v. E. d'Albert, 1897. -
    Bearbb.: F. Schubert, Große C-dur-Symphonie f. 2 Klaviere;
    P. I. Tschaikowsky, Symphon. Fantasie „Francesca da Rimini“ f. Klavier zu 4 Händen. -
    Einst u. jetzt in England, 1898. -
    Hrsg.: Gesamtausg. d. Klavierwerke F. Chopins;
    J. S. Bach, Das Wohltemperierte Klavier;
    L. v. Beethoven, Klavier-Sonaten;
    F. Mendelssohn-Bartholdy, Lieder ohne Worte;
    versch. Werke anderer Komponisten.

  • Literatur

    O. Lessmann, in: Allg. Musikztg. 27, 1900 (P);
    ders., ebd. 43, 1916;
    J. Vianna da Motta, ebd. 37, 1910 (P);
    K. K., in: Signale f. d. musikal. Welt 74, 1916;
    K. K. u. Richard Wagner, in: Neue Zs. f. Musik 83, 1916;
    W. Nagel, in: Neue Musikztg., 1916;
    J. Huneker, Chopin, 1917 (mit Hinweisen auf K.s Chopin-Ausg.);
    Briefe H. v. Bülows an K. K., in: Neue Briefe, hrsg. v. R. du Moulin-Eckart, 1927;
    H. Leichtentritt, Das Konservatorium d. Musik K.-Schwarwenka 1881-1931 (= Festschr.), 1931;
    M. Milenkovich-Morold, Cosima Wagner, 1937;
    Unveröff. Briefe K. K.s an P. I. Tschaikowsky, in: Musik u. Ges. XV, 1965;
    Cosima Wagner, Die Tagebücher 1869–83, I/II, 1976/77;
    DBJ I (Tl., L);
    MGG VII (W, L);
    Riemann;
    Grove.

  • Autor/in

    Anton Würz
  • Empfohlene Zitierweise

    Würz, Anton, "Klindworth, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 75 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116228660.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA