Lebensdaten
1869 bis 1927
Geburtsort
Zwickau (Sachsen)
Sterbeort
Bad Nauheim
Beruf/Funktion
Kirchenhistoriker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116221380 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Böhmer, Heinrich

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Zitierweise

Böhmer, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116221380.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm Arthur (1839–1905), Zuchthausdirektor, S des Friedrich Wilhelm Ferdinand, Kantor und Lehrer, und der Joh. Soph. Sattler;
    M Katharina Marie (1847–1929), T des Gastwirts Heinrich Romundt in Freiburg/Elbe und der Gesina Dorothea Buschmann; ledig.

  • Leben

    B. studierte 1889-93 in Leipzig und Berlin Theologie und Geschichte und wurde 1895 Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae Historica. Er habilitierte sich 1898 für Kirchengeschichte in Leipzig, wurde 1903 außerordentlicher Professor in Bonn, 1906 ordentlicher Professor, 1912 in Marburg; 1915 wurde er als Nachfolger Th. Briegers wieder nach Leipzig berufen. Von der mittelalterlichen Kirchengeschichte hatte ihn sein Weg zur Reformationsgeschichte, vor allem zu den beiden Schwerpunkten seiner Arbeit, Luther und Ignatius von Loyola, geführt. B.s bedeutender Beitrag zur neueren Lutherforschung besteht in der Verbindung exakt historischer Darstellung mit sicherem theologischem Urteil. Dadurch gelang es ihm, Luthers Verhältnis zum Mittelalter, insbesondere zur deutschen Mystik und zur mittelalterlichen Kirchenidee und Gesellschaftsordnung klarer und zutreffender zu bestimmen, als es sonst in der Reformationsforschung, namentlich in der nichttheologischen, geschah. Obwohl er persönlich überzeugter Lutheraner war, hat er die Geschichte des Jesuiten-Ordens und seines Gründers mit hoher, von katholischer Seite anerkannter Sachlichkeit behandelt. B. war, wenn auch eingefleischter Junggeselle und Gelehrter, keine weltverschlossene Natur. Er öffnete auf seinen zahlreichen wissenschaftlichen Reisen die Augen für das moderne Leben und setzte sich gern mit scharfer Feder mit neuen kirchlichen oder literarischen Erscheinungen auseinander. Hinreißendes Temperament, drastischer Witz und Fülle des Wissens machten ihn zum glänzenden Lehrer, der weit über die Kreise der Theologie hinaus gehört wurde.

  • Werke

    Kirche u. Staat in England u. d. Normandie im 11. u. 12. Jh., 1899;
    Die Fälschungen d. EB Lanfrank v. Canterbury, 1902;
    Die Bekenntnisse d. Ignatius v. Loyola übers., 1902;
    Analekten zur Gesch. d. Franziskus v. Assisi, 1904;
    Die Jesuiten, 1904, 41921;
    Luther im Lichte d. neueren F, 1906, 51918;
    Urkk. zur Gesch. d. Bauernkrieges u. d. Wiedertäufer, 1910, 21921;
    Luthers Romfahrt, 1914;
    Stud. zur Gesch. d. Ges. Jesu I, 1914, neu hrsg. v. H. Leube unter d. Titel: Ignatius v. Loyola, 1941;
    Albert Hauck, in: Btrr. z. sächs. Kirchengesch., H. 33, 1930;
    Loyola u. die dt. Mystik, 1921;
    Luthers erste Vorlesung, 1924;
    Der junge Luther, 1925, neu hrsg. v. H. Bornkamm, 31939, 41951;
    Ges. Aufsätze, 1927;
    Thomas Müntzers Briefwechsel, hrsg. mit P. Kirn, 1931;
    Hrsg.: A. Hauck, Kirchengesch., Bd. 5, 1920 (den Plan, d. Werk v. d. 1. Hälfte d. 15. Jh. bis 1555 fortzuführen, konnte B. nicht mehr durchführen); Mithrsg.:
    Theol. Lit. bl. (wo B. viele gehaltreiche Rezensionen schrieb), Btrr. z. sächs. Kirchengesch.

  • Literatur

    U. Stutz, in: ZSRG 17, 1928, S. 706/08;
    RGG.

  • Autor/in

    Heinrich Bornkamm
  • Empfohlene Zitierweise

    Bornkammer, Heinrich, "Böhmer, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116221380.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA