Lebensdaten
1715 oder 1717 bis 1797
Geburtsort
Halle
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11622133X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Böhmer, Georg Ludwig

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Zitierweise

Böhmer, Georg Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11622133X.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Justus Henning s. (3);
    24.5.1752 Henriette Phil. Elisabeth, T des Johann Friedrich Mejer, Geheimer Rat bei der Deutschen Kanzlei in London, und der Louise Reinboldt;
    K u. a. Johann Franz Wilhelm (1754–88, 1784 Caroline [1763–1809, verheiratet in 2. Ehe 1796 mit August Wilhelm Schlegel, 1845, in 3. Ehe 1803 mit Friedrich Wilhelm Schelling, 1854], Schriftsteller, T des Göttinger Orientalisten Johann Dav. Michaelis, 1791), Stadtphysikus und Bergmedikus zu Clausthal, Johann Friedrich Eberhard, ordentlicher Professor der Rechte in Göttingen, Justus Ludwig Bechtold, Oberappellationsgerichtsrat in Celle, Georg Wilhelm (1761–1839), als Sekretär des Generals Custine Vorkämpfer der französischen Revolution in Mainz, bis 1813 Generalkommissär der höheren Polizei für das Harz- u. Leinedepartement, 1816-39 Privatdozent in Göttingen, Verfasser mehrerer aufklärerischer juristischer Werke (u. a. „Handbuch der Literatur des Kriminalrechts …“, 1816), Luise ( 1786 Georg Jac. Friedrich Meister, 1755–1832, ordentlicher Professor der Rechte in Göttingen, Vertreter einer humanen Strafrechtslehre), Amalie (⚭ Friedrich Johann Lorenz Meyer, 1760–1844, Präsident (1. Domkapitels in Hamburg, Reiseschriftsteller, Verfasser von kunstwissenschaftlichen Schriften.).

  • Leben

    B. besuchte in Halle Pädagogium und Universität, promovierte 1738 zum Dr. jur. und hielt Vorlesungen, bis er 1740 nach Göttingen berufen wurde (1742 ordentlicher Professor). - In seinen Publikationen und Vorlesungen suchte er pietätvoll das wissenschaftliche Erbe seines Vaters zu wahren. Er sah sich jedoch unter dem Einfluß vernunftrechtlicher Theorien gezwungen, sich von dessen Territorialsystem abzuwenden und seine staatskirchenrechtliche Lehre auf das Kollegialsystem zu gründen. Seine immer wieder aufgelegten „Principia juris ecclesiastici“ (1762) haben dem Staatskirchenrecht des preußischen Allgemeinen Landrechts als Grundlage gedient. Sie wurden bei kirchenrechtlichen Vorlesungen bis in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts als Leitfaden benutzt.

  • Literatur

    ADB III (W);
    J. St. Pütter, Gelehrte Gesch. d. Univ. Göttingen I, Göttingen 1765, S. 137 ff., II, 1765–88, S. 122 f., III, 1788–1820, S. 63 (W, P);
    Ch. Weidlich, Zuverläss. Nachrr., T. 1, 1757, S. 1 ff.;
    Stintzing-Landsberg III/1, Text S. 307 f., Noten S. 205 f. - Zu S Gg. Wilh.: ADB III (W);
    Stintzing-Landsberg III/1, Text S. 420-22, Noten S. 272 f.;zu Gg. Jac. Frdr. Meister u. Frdr. Joh. Lorenz Meyer: ADB XXI (W).

  • Portraits

    Stich v. H. Schwenterley, 1790 (Paris Bibl. Nat.);
    Gem. v. Lafontaine, 1792 (Univ.Aula Göttingen).

  • Autor/in

    Hans Liermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Liermann, Hans, "Böhmer, Georg Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 391 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11622133X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Böhmer: Georg Ludwig B., wurde als dritter Sohn Just Henning Böhme's am 18. Febr. 1715 zu Halle geboren. Seit 1726 auf dem königl. Pädagogium seiner Vaterstadt vorgebildet, studirte er daselbst seit 1730 namentlich unter Anleitung seines Vaters, ferner des Kanzlers v. Ludewig und von Joh. Gottlieb Heineccius. Am 29. Januar 1738 wurde er daselbst zum Doctor der Rechte promovirt, während sein Bruder Philipp Adolf am gleichen Tage die medicinische Doctorwürde erwarb. Er hielt darauf in Halle juristische und|historische Vorlesungen, bis er im August 1740 als außerordentlicher Professor der Rechte, Syndicus Academiae und außerordentlicher Beisitzer der Juristenfacultät nach Göttingen berufen wurde. 1742 wurde er daselbst zum ordentlichen Professor der Rechte und 1743 zum ordentlichen Beisitzer der Juristenfacultät ernannt, erhielt 1744 den Titel eines königl. und kurfürstlichen Raths, 1746 den eines Hofraths, 1770 den eines Geheimen Justizraths und wurde 1774 nach Ayrer's Tode Primarius und Ordinarius der Juristenfacultät. Er starb in Göttingen am 17. August 1797. Seine wissenschaftliche Thätigkeit erstreckte sich vorzüglich auf das Civilrecht, Lehnrecht, Kirchenrecht. Unter seinen Werken sind hervorzuheben: „Principia juris canonici speciatim juris ecclesiastici publici et privati, quod per Germaniam obtinet“, 1762, oft aufgelegt (ed. VII. cur. Schönemann 1802). Das Material beruht ganz auf Just Henning Böhmer's Arbeiten, die prinzipielle Begründung des Kirchenrechts aber versuchte Georg Ludwig B. vom rein naturrechtlichen Standpunkte und mit Zugrundelegung des Gesellschaftsbegriffs. Daher sind seine kirchenrechtlichen Theorien höchst einseitige, und stehen oft im Gegensatz zu Leben und Lehre der Kirche; allein die Principia haben dadurch nachhaltigen Einfluß auf die praktische Gestaltung geübt, daß sie vorzugsweise bei der Redaction des Kirchenrechts im Preußischen Allgemeinen Landrecht (Theil II, Titel 11) benutzt worden sind. „Principia juris feudalis, praesertim Longobardici, quod per Germaniam obtinet“, 1765 u. ö. (ed. VIII. cur. Ant. Bauer 1819), ein Compendium, welches in hohem Ansehen stand; „Observationes juris feudalis“, 1764, ed. II. 1784; „Observationes juris canonici“, 1766, ed. II. 1791. Eine große Anzahl von Abhandlungen, welche nicht schon in Nr. 3 und 4 Aufnahme gefunden hatten, hat er überarbeitet in zwei Sammlungen vereinigt von neuem erscheinen lassen, nämlich in den „Electa juris civilis“, T. I—III, 1767—78, und den „Electa juris feudalis“, T. I. II, 1795. Nach seinem Tode erschienen noch: „Auserlesene Rechtsfälle aus allen Theilen der Rechtsgelehrsamkeit“, gesammelt und herausgeg. von E. W. Hoppenstedt 1799—1801. 3 Bde., und „Systematis juris civilis fragmenta“, herausgegeben von (seinem Schwiegersohn) G. J. F. Meister, 1799. — Aus seiner Ehe mit einer Tochter Joh. Friedr. Meyer's, eines hannoverischen Beamten, stammten: 1) Joh. Friedr. Eberhard B., geb. 1753, der 1784 ordentlicher Professor der Rechte zu Göttingen wurde; 2) Just Ludwig Bechtold B., geb. 1755, gest. 1821 als Oberappellationsrath zu Celle, der 1780 „De filio vasalli successore in feudum“ geschrieben hat; 3) Georg Wilhelm B., geb. 1761 (s. d.).

    • Literatur

      Christ. Weidlichs, Zuverlässige Nachrichten von denen itzt lebenden Rechtsgelehrten, Th. I. (Halle 1757) S. 1—25; Dess. Biographische Nachrichten von den jetzt lebenden Rechtsgelehrten in Teutschl. Thl. I. (Halle 1781) S. 74—87, Nachträge (1783) S. 25, Fortgesetzte Nachträge (in Thl. IV, 1785) S. 44 ff.; Pütter, Gelehrtengesch. der Univ. Göttingen, Thl. I. § 69. S. 137 bis 140, Thl. II. § 100. S. 122 ff.; Chr. G. Haubold, Institt. jur. Rom. litterariae, Thl. I. § 64. Nr. 221; Spangenberg in Ersch und Gruber's Allgem. Encyklop. Thl. XI. S. 241 u. d. Art. Böhmer.

  • Autor/in

    R. W. Dove.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dove, Richard Wilhelm, "Böhmer, Georg Ludwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 73-74 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11622133X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA