Lebensdaten
1890 bis 1966
Sterbeort
Bad Nauheim
Beruf/Funktion
Physiologe ; Kardiologe
Konfession
jüdische Familie
Normdaten
GND: 11619328X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kisch, Bruno

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Zitierweise

Kisch, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11619328X.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander (1848–1917), Dr. phil., Rabbiner d. Meisel-Synagoge in P., k. k. Feldrabbiner, Prof. am Stefansgymnasium in P. (s. L), S d. Schuldir. Josef Enoch (1804–74) in P. u. d. Marie Mislap;
    M Charlotte (1863–1924), T d. Leopold Pollatschek in Kolin u. d. Marie Seidlitz;
    Ov Enoch Heinrich (1841–1918), Badearzt in Marienbad, Prof. d. Balneol. in P. (s. W; ÖBL);
    B Guido (* 1889). Prof. d. Rechte; Vt 2. Grades Egon Erwin (s. 2);
    - Halle/Saale 1928 Ruth (1898–1975). Prof. d Musik (s. R. Steimel, Kölner Köpfe, 1958), T d. Arnold Arndt u. d. Kriene Cohn;
    1 S, 2 T, u. a. Arnold (* 1933), Prof. f. Soz.med. an d. Univ. of California.

  • Leben

    K. wuchs in Prag auf und studierte seit 1908 an der Deutschen Universität Medizin (Doctormedizinae 1913). Während des Studiums arbeitete er im Botanischen Institut bei H. Molisch, im Pharmakologischen sowie im Physiologischen Institut bei F. B. Hofmann und vertiefte seine Kenntnisse durch physiologische und biochemische Untersuchungen an Pflanzen und Tieren. Aufgrund eines Stipendiums konnte er sich auch an den Zoologischen Forschungsstationen Triest und Neapel fortbilden. Noch vor seiner Promotion nahm er bei dem Kölner Pathophysiologen H. E. Hering eine Assistentenstelle im neugeschaffenen Institut für Experimentelle Pathologie an. Nach Teilnahme am 1. Weltkrieg als kaiserlicher und königlicher Infanterietruppenarzt kehrte K. nach Köln zurück und wurde 1918 bei Hering in Allgemeiner und Pathologischer Physiologie habilitiert (außerordentlicher Professor 1922). 1923-24 arbeitete er während eines Studienaufenthalts im Physiologisch-chemischen Institut der Universität Frankfurt. Danach übernahm er als ordentlicher Professor und Leiter der chemischen Abteilung in Herings Institut die Vorlesungen und Kurse in Vegetativer und Chemischer Physiologie sowie in Allgemeiner Biologie, die sich aus der 1925 von Hering mitübernommenen Physiologie ergeben hatten. Daneben hielt K. vertretungsweise auch Vorlesungen in Pharmakologie und betrieb weiterhin seine Studien in der Station Neapel. K., der sich zunächst der Untersuchung von biochemischenzymatischen Reaktionsabläufen bei Bakterien, Hefen und Gewebepräparaten zuwandte und auch über klinisch-diagnostisch verwertbare Nachweisverfahren arbeitete, widmete sich dann vor allem der Gewebsatmung und wurde hiervon zu intensiver Beschäftigung mit der Physiologie und Pathologie des Herzens angeregt. Er begründete 1927 die Deutsche Gesellschaft für Kreislaufforschung und gab zusammen mit E. Stadler die Zeitschrift für Kreislaufforschung heraus. 1934 hielt er sich als Gastprofessor an der Universität Santander auf. Ende 1935 wurde K. seines Amtes in Köln enthoben und ließ sich als praktischer Kardiologe in Köln nieder. Mit der Gründung (1937) der zu internationaler Bedeutung gelangenden Zeitschrift Cardiologia (Basel) erreichte er einen wissenschaftlichen Höhepunkt, noch ehe er im Dezember 1938 mit seiner Familie in die USA emigrierte. Dort erwarb er 1939 erneut das Arztdiplom und war 1938-62 an der Yeshiva University, New York, als Medical Director tätig, seit 1940 als Professor of Philosophy and History of Science, später auch als Professor of Biology, daneben an Krankenhäusern, Instituten und Akademien. Den Schwerpunkt bildete die Kardiologie, die K. durch seine Arbeiten über die klinische Elektrokardiographie und die ultramikroskopische Struktur des gesunden und kranken Herzmuskels ebenso befruchtete wie durch die Einführung des Elektronenmikroskops in die einschlägige Forschung und Diagnostik in Verbindung mit der Leitung (1952 Direktor) des vom American College of Cardiology am City Hospital, Elmhurst, N. Y., mit Unterstützung der National Health Institutes gegründeten Electron Microscopic Research Institute sowie die von ihm betriebene Gründung des American College of Cardiology (1949; Präsident 1951–53, zugleich Herausgeber der „Transactions of the College“). Seit 1943 gab K. das von ihm mitbegründete „Journal of Experimental Medicine and Surgery“ heraus. Ein weiteres, von ihm besonders geschätztes und schon in Köln begonnenes Arbeitsgebiet war die Beschäftigung mit historischen Themen und Sammelobjekten (Münzen und Medaillen, Waagen und Gewichte, Judaica, Biographien jüdischer Gelehrter). 1957 wurde K. von der Yale University zum Kurator der „Edward Clark Streeter Collection of Weights and Measures“ bestellt und war als Berater der Smithsonian Institution tätig. Er nahm regen Anteil an der jüdischen Kulturarbeit und redigierte seit 1942 die Zeitschrift „The Jewish Way“. Seine mit dem Band „Herbe Blüten“ (1916) eingeleiteten Schriften gewähren einen Einblick auch in seine philosophisch-religiöse Gedankenwelt. 1952 war K. erstmals wieder in Deutschland und hielt die Festansprache beim Kongreß und zugleich 25. Jahrestag der von ihm begründeten Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung (Bad Nauheim)|

  • Auszeichnungen

    Ehrenmitgl. d. Kölner Ver. f. Natur- u. Heimatkde. (1925), Americ. Society of European Chemists and Pharmacists in New York (1940), Dt. Ges. f. Kreislaufforschg. (1945); Ehrenpräs. d. Carl Neuberg Society for Internat. Scientific Relations; Mitbegründer (1934) d. „Kölner Vorschule“ u. Kurator d. Kölner jüd. Gemeinde.

  • Werke

    u. a. Oberflächenspannung d. lebenden Plasmahaut bei Hefe u. Schimmelpilzen, in: Biochem. Zs. 40, 1912;
    Narkose, in: Zs. f. Biol. 60, 1913;
    Fachausdrücke d. Physikal. Chemie, 1919, 21923;
    Physiol. d. äußeren u. mittleren Ohres, in: Hdb. d. Neurol. d. Ohres (Hrsg. G. Alexander, O. Marburg), I, 1924;
    Schatten, 1924;
    Pharmakol. d. Herzens, Schlagvolumen u. Zeitvolumen einer Herzabt., Stromgeschwindigkeit u. Kreislaufzeit d. Blutes, in: Hdb. d. normalen u. patholog. Physiologie (Hrsg. A. Bethe, G. v. Bergmann, G. Embden), VII, 1926;
    Der Herzalternans, 1932;
    Naturwiss. u. Weltanschauung, 1932;
    Gesetz d. Irradation autonomer Reflexe, in: Med. Klinik 28, 1932;
    Spezif. Chemie d. Herzmuskels, in: Zs. f. Kreislaufforschung 25, 1933;
    Filterblättchenmethode d. Herzunters., in: Hdb. d. biolog. Arbeitsmethoden (Hrsg. E. Abderhalden), V, 1935;
    Wege zum Glauben, 1935;
    Gottesglaube u. Naturerkenntnis, 1936;
    Strophantin, 1945;
    Der okkulte Herzinfarkt, in: Cardiologia, Basel, 14, 1949;
    Der Naturforscher Goethe (Festschr. d. Gedenkfeier z. 200. Geburtstag Goethes u. Ausstellung d. R. Virchow-Society, New York), 1950;
    Electron Histology of the Heart, 1951;
    Forgotten leaders in modern medicine, in: Transactions Americ. Philosophical Society 2, 1954;
    Gesch. d. Organisation d. Kreislautforschung in Dtld., 1955;
    Der ultramikroskop. Bau v. Herz u. Kapillaren, 1957;
    Iconographies of medical portraits, in: Journal of the Hist. of Medicine 12, 1957;
    Contributions of physiologists and pharmacologists to modern cardiology, in: Cardiology, an Enc. of the cardiovascular system 5, 1959;
    Gewichte- und Waagenmacher im Alten Köln (16.-19. Jh.), 1960;
    Electron Microscopy of the Cardiovascular System, 1960;
    Hist. of Weights and Measures, 1965;
    Scales and Weights, 1965. -
    Autobiogr.: Wanderungen u. Wandlungen, Die Gesch. e. Arztes im 20. Jh., 1966 (P). - Zu B Enoch Heinr.: Erlebtes u. Erstrebtes, 1914 (W, P).

  • Literatur

    Univ. Köln 1919–29, S. 154 f.;
    Cardiologia, Basel, 5, 1941, S. 1-32;
    ebd. 16, 1950, S. 259-374 (P);
    Experimental Medicine and Surgery 8, 1950, S. 57-448 (W-Verz., P);
    S. R. Kagan, in: Jewish Medicine, 1952, S. 178 f.;
    Inside Yeshiva Univ. New York, Sept. 1960 (P);
    News Yeshiva Univ. New York, 1966;
    Ph. Reichert, in: American Journal of Cardiol. 18, 1966, S. 967 (P);
    L. G. Stevenson, in: Journal of the Hist. of Medicine and Allied Sciences 22, 1967, S. 46-51 (W, P);
    |ebd. 15, 1960, S. 335 f.;
    Enc. Jud. X, 1971;
    B. K., Worte d. Gedenkens, zus.gestellt v. Guido Kisch (B), 1967 (Verz. d. jüd. Schrr.);
    Kürschner Gel.-Kal.;
    BLÄ;
    Pogg. VI, VII a. - Zu V Alexander: Guido Kisch, A. K., 1934 (Privatdr.).

  • Autor/in

    Heinz Walter
  • Empfohlene Zitierweise

    Walter, Heinz, "Kisch, Bruno" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 680-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11619328X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA