Lebensdaten
1899 bis 1957
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Diplomat ; Politiker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116167971 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfleiderer, Karl Georg

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Zitierweise

Pfleiderer, Karl Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116167971.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Georg (1861–1931), Privatier in St., erwarb 1908 d. Landgut Burg b. Beutelsbach (heute Weinstadt), S d. Johann Georg (1833–1917), Gastwirt in Esslingen/Neckar, u. d. Johanna Karoline Gauß (1829–94);
    M Julie Mathilde (1868–1933), T d. Johann Michael Hinderer (1836–95), Metzgermstr. in St., u. d. Karoline Rosine Plag (1844–1903);
    Schw Elisabeth Maria (1894–1969, Wilhelm Erich Grünenwald, 1886–1984, Kaufm. u. Landwirt auf Landgut Burg); ledig.

  • Leben

    P. besuchte das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart. 17jährig meldete er sich freiwillig zum Militärdienst und wurde als Kavallerist in den Südvogesen eingesetzt; vom Feld aus absolvierte er im Mai 1918 das Abitur. Nach Kriegsende studierte er in Tübingen, Leipzig und München Jura und Staats Wissenschaften; in den Semesterferien arbeitete er beim Deutschen Generalkonsulat in Mailand. Nach der Referendariatsprüfung erhielt er 1923 eine Stelle beim Auswärtigen Amt (AA) in Berlin. Im April 1925 wurde er in Tübingen zum Dr. iur. promoviert; an der Univ. Berlin erlernte er östliche Sprachen, insbesondere die chinesische, und im Februar 1926 bestand er die diplomatisch-konsularische Abschlußprüfung. Anschließend war P. Legationssekretär an der Deutschen Gesandtschaft in Peking und Moskau, danach Vizekonsul in Leningrad und Kattowitz, schließlich Gesandtschaftsrat in Paris. Während des 2. Weltkriegs kritisierte P. in seiner Stellung als Vertreter des AA beim Oberkommando der 17. Armee im Kaukasus die Rußlandpolitik des AA, das sich nach einiger Zeit weitere Ratschläge verbat. Das Kriegsende erlebte er als Generalkonsul in Stockholm. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland wurde P. von den brit. Besatzungstruppen in Schleswig-Holstein 16 Monate lang inhaftiert.

    Im März 1947 kehrte P. auf das Landgut Burg zurück, das er nun als Weingärtner bewirtschaftete. Am 20.1.1948 wählte ihn der Waiblinger Kreistag zum Landrat. Bei der Bundestagswahl 1949 kandidierte er im Wahlkreis Waiblingen als parteiloser Kandidat auf der Liste der FDP/DVP, nachdem ihm die Partei zugesichert hatte, daß er „im Falle einer Wahl durchaus überparteilich bleiben könne und keinem Fraktionszwang unterworfen sei“. P. gewann das Direktmandat, das er 1953 verteidigen konnte, obwohl die FDP/DVP, der er im Januar 1952 beigetreten war, im Wahlkreis bei den Zweitstimmen hinter der CDU und SPD lag. Am 6.6.1952, wenige Tage nach der Unterzeichnung des Generalvertrags und des EVG-Vertrags und drei Monate nach Stalins Note zur deutschen Wiedervereinigung, stellte P. in einer Waiblinger Rede sein Wiedervereinigungskonzept vor, das als „Pfleiderer-Plan“ viel Beachtung fand. Im Gegensatz zur Bundesregierung war P. der Auffassung, daß man die Sicherheitsinteressen der Sowjetunion berücksichtigen müsse; diese werde eine uneingeschränkte Westbindung eines wiedervereinigten Deutschlands keinesfalls akzeptieren. Sein Plan sah einen Rückzug der Alliierten auf jeweils einen Brückenkopf im Westen und Osten vor, dazwischen solle der größte Teil Deutschlands bewaffnet, aber militärisch neutral sein. Während der baden-württ. Ministerpräsident Reinhold Maier (FDP/DVP) den Pfleiderer-Plan begrüßte, stieß dieser im Bundesvorstand der FDP auf Ablehnung. Als einziger FDP-Abgeordneter stimmte P. in der entscheidenden Dritten Lesung am 19.3.1953 gegen Generalvertrag und EVG-Vertrag. In der Haushaltsdebatte am 7.4.1954 forderte P. die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Sowjetunion, zu China und anderen Ostblockstaaten; der Bundesvorstand der FDP begrüßte diese Forderung, da so der Wiedervereinigung gedient und die Frage der Kriegsgefangenen abgeschlossen werden könne.

    Im September 1955 wurde P. Botschafter in Jugoslawien, Als Jugoslawien im September 1957 die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur DDR vorbereitete, drohte die Bundesregierung aufgrund der von Staatssekretär Walter Hallstein (1901–82) entwickelten Doktrin, wonach kein Staat gleichzeitig diplomatische Beziehungen zur Bundesrepublik und zur DDR unterhalten könne, mit einem Abbruch der Beziehungen. P. versuchte dies abzuwenden. Am Vormittag des 8.10.1957 hatte er ein Gespräch mit Hallstein. Wenige Stunden später erlitt er einen Herzinfarkt, an dem er verstarb. Die Beziehungen zu Jugoslawien wurden am 19.10.1957 abgebrochen und erst 1968 wieder aufgenommen.

  • Werke

    Pfleiderer-Wappen, o. J. (ca. 1925);
    Die intemat. Abmachungen z. Schutz d. gewerbl. Arbeiterinnen, Diss. Tübingen 1925;
    Ostasienfahrt 1926, in: Fam.bl. d. Pfleiderer 6 f., 1927 f.;
    Otto Pfleiderer, ebd. 14, 1931;
    Landrat Dr. P. antwortet, in: Neue Waiblinger Kreisztg. v. 10.8.1949;
    Gefahren f. d. BT, in: Dt. Ztg. u. Wirtsch.ztg. v. 14.12.1949;
    Des Vogels Tritt im Schnee, in: Allegretto – eine weltfreudige Komposition f. d. Dame, 1953;
    Pol. f. Dtld., Reden u. Aufss. 1948-1956, 1961 (P).

  • Literatur

    Der Spiegel 23, 1954 (P);
    Per Fischer, in: Dt. Rdsch., 1961, S. 560-64;
    F. Eisenkrug, in: Liberal 1/2, 1965, S. 45-49 (P);
    Reinhold Maier, Erinnerungen, 1966;
    M. Rehm, P., 1967 (P);
    Karl-Heinz Schlarp, Alternativen z. dt. Außenpol. 1952-1955, P. u. d. „Dt. Frage“, in: Aspekte dt. Außenpol. im 20. Jh., hg v. W. Benz u. H. Graml, 1976;
    H.-D. Genscher, Adenauer u. d. Ost- u. Dtld.pol. d. Freien Demokraten, in: K. Adenauer u. seine Zeit, I, hg v D. Blumenwitz u. a., 1976;
    K. Scholder. P., 1979;
    P. März, Die Bundesrep. zw. Westintegration u. Stalin-Noten, 1982;
    K.-J. Matz, Reinhold Maier, 1989;
    M. Anic de Osona, Die erste Anerkennung d. DDR, 1990, S. 21-58;
    FDP-Bundesvorstand Sitzungsprotokolle 1949-1967, 1990 f., Bde. 1 u. 2;
    H.-E. Volkmann. Die innenpol. Dimension Adenauerscher Sicherheitspol. in d. EVG-Phase, in: Anfänge westdt. Sicherheitspol., hg. v. Mil.geschichtl. Forsch.amt, II, 1990;
    M. Bockheim, Die wirtschaftl. u. pol. Beziehungen zw. d. Bundesrep. Dtld. u. Jugoslawien 1949-1957. in: Südosteuropa, 1992, S. 569-612;
    Chr. Brauers, Liberale Dtld.pol. 1949-1969, 1993, S. 53-60;
    H. H. Jansen, P.s Gegenentwürfe z. Dtld.pol. Adenauers, in: Hist.-Pol. Mitt., 1997, S. 35-73. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: BA Koblenz.

  • Autor/in

    Martin Jung
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Martin, "Pfleiderer, Karl Georg" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 351-352 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116167971.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA