Lebensdaten
1797 bis 1844
Geburtsort
Espachweiler (Pfarrgde. Neuler bei Ellwangen)
Sterbeort
Schörzingen bei Rottweil (Württemberg)
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116167564 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pflanz, Benedikt Alois
  • Pflanz, Benedict Alois
  • Pflanz, Xaver Alois (Taufname)
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Zitierweise

Pflanz, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116167564.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1773–1837), Zimmermann aus Ölhäusle b. Espachweiler, S d. Jakob u. d. Marianna Schramm;
    M Barbara (* 1773), T d. Michael Oppenberger u. d. Barbara Geiger.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums und Lyzeums in Ellwangen studierte P. seit 1815 an der dortigen „Friedrichs-Universität“ und nach deren Verlegung 1817 in Tübingen kath. Theologie; Kurskollege war Johann Adam Möhler (1796–1838). 1818/19 folgte ein Studienjahr zur Vorbereitung auf das höhere Lehramt. 1820 empfing P. in Rottenburg die Priesterweihe. Nach kurzer Tätigkeit in der Seelsorge wurde er 1823 Gymnasiallehrer in Ehingen/Donau, 1826 in Rottweil. 1831 und 1833 wurde P. als Abgeordneter für Rottweil in den württ. Landtag gewählt. 1837 übernahm er die Seelsorge in Moosheim (Dekanat Saulgau), 1843 in Schörzingen (Dekanat Rottweil). 1844 abermals Landtagskandidat, erlag er noch vor Ausgang der Wahl einem Nervenfieber.

    Seit 1830 gab P. die „Freymüthige[n] Blätter über Theologie und Kirchenthum“ (Rottweil 1830–32, Stuttgart 1833–44) heraus, welche sich vorwiegend pastoralen und kirchenpolitischen Fragen widmeten und von P. in aufgeklärt-liberalem Sinne redigiert wurden. Zu den Mitarbeitern gehörten Reformer wie Ignaz Heinrich v. Wessenberg (1774–1860), Fridolin Huber (1763–1841), Joseph Sprießler (1789–1879) sowie Bernhard Bolzano (1781–1840) und sein Kreis. Zunehmend agierte P. gegen die Tübinger kath.-theol. Fakultät und deren Theologische Quartalschrift, welche sich unter dem Einfluß Möhlers von der Aufklärung abwandte. Unter kirchenpolitischen Vorzeichen standen die Bemühungen um einen theol. Lehrstuhl. In Freiburg (Br.) (1831/32) war P. Kandidat der Fakultät, kam jedoch nicht zum Zug. In Tübingen (1837/40) sollte er nach dem Willen des Staates ein Gegengewicht zur Übermacht der Ultramontanen bilden, scheiterte aber am Widerstand von Fakultät und Bischof. Im Landtag gehörte P. zur liberalen Opposition und saß somit zwischen allen Stühlen (ultramontane Opposition – Regierung). Mit seinem Journal wirkte P. als „Bannerträger“ des liberalen Katholizismus weit über den südwestdeutschen Raum hinaus; man sprach von den „Pflanzianern“ oder der „Pflanzschen Schule“. Die oft beißende Kritik („Katholik“, „Sion“, „Hist.-pol. Bll.“, zahlr. anonyme Schrr.) entzündete sich vor allem an der Tatsache, daß sich P. zum herrschenden Staatskirchentum bekannte.

  • Werke

    Antwort einiger Katholiken in Württ. auf d. v. e. Ungenannten an sie gerichtete Sendschreiben, Ein Btr. z. Schilderung d. Verhältnisse d. kath. Kirche in Württ., 1831;
    Die Ausübung d. Schutz- u. Ober-Aufsichtsrechts prot. Fürsten üb. ihre kath. Landeskirchen durch eigene, aus Katholiken bestehende Kollegien, 1833;
    Ueber d. religiöse u. kirchl. Leben in Frankreich, 1836;
    Der röm. Stuhl u. d. Kölner Angelegenheit, 1838;
    Doctor Fridolin Hubers Leben u. lit. Wirken, 1839;
    Ansichten üb. d. Verhältnisse d. Katholiken in Württ., 1843.

  • Literatur

    ADB 25;
    A. Hagen, Die kirchl. Aufklärung in d. Diözese Rottenburg, 1953, S. 279-335;
    ders., Gesch. d. Diözese Rottenburg, I, 1956;
    R. Reinhardt (Hg.), Tübinger Theologen u. ihre Theol., 1977;
    ders. (Hg.), Franz Xaver Linsenmann, Sein Leben, I: Lebenserinnerungen, 1987;
    A. P. Kustermann, „Kath. Tübinger Schule“, Beobachtungen z. Frühzeit e. theologiegeschichtl. Begriffs, in: Catholica 36, 1982, S. 65-82;
    F. Ryschawy, Die Beziehungen Bernhard Bolzanos z. südwestdt.-kath Aufklärung u. sein Kampf gegen d. röm.-kath. Restauration, 1983;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    BBKL (W-Verz.).

  • Portraits

    Stadtarchiv Rottweil.

  • Autor/in

    Dominik Burkard
  • Empfohlene Zitierweise

    Burkard, Dominik, "Pflanz, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 346 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116167564.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pflanz: Benedict Alois P., katholischer Geistlicher, geb. am 25. November 1797 zu Espachweiler im Oberamt Ellwangen, am 24. November 1844 zu Schörzingen im Oberamt Spaichingen. Er machte seine vorbereitenden Studien 1808—15 an dem Gymnasium und Lyceum zu Ellwangen, begann dann seine theologischen Studien an der dortigen katholisch-theologischen Facultät und fiedelte mit dieser 1817 nach Tübingen über, wo er zugleich Philologie studirte. Im J. 1819 trat er in das Seminar zu Rottenburg und wurde dort am 20. September 1820 zum Priester geweiht. Nachdem er einige Jahre als Hülfsgeistlicher und Hülfslehrer am Gymnasium beschäftigt gewesen, wurde er 1826 Präceptor und 1828 Professor am Gymnasium zu Rottweil. 1881 und 1833 wurde er dort zum Abgeordneten für die würtembergische Kammer gewählt. Er betheiligte sich lebhaft an den Verhandlungen über kirchliche Fragen, namentlich über den Antrag auf Aushebung des katholischen Kirchenrathes, veröffentlichte auch 1833 eine Schrift „Ueber die Ausübung des Schutz- und Oberaufsichtsrechtes protestantischer Fürsten über ihre katholischen Landeskirchen durch eigene, aus Katholiken bestehende Collegien, mit besonderer Rücksicht auf Würtemberg“. Ende 1836 wurde er Pfarrer zu Moosheim, im Frühjahr 1843 zu Schörzingen. P. ist einer der letzten litterarischen Vertreter der Wessenbergischen Richtung unter den süddeutschen Geistlichen, namentlich als Herausgeber der „Freimüthigen Blätter über Theologie und Kirchenthum“, die 1830 von einer Gesellschaft begründet wurden, welche sich noch in demselben Jahre wieder auflöste, und die P. bis zu seinem Tode leitete (der 1844 erschienene letzte, 27. oder der Neuen Folge 24. Band, enthält S. 343 seinen Nekrolog). Außerdem veröffentlichte er: „Ueber das religiöse und kirchliche Leben in Frankreich“, 1836 (nach einer Reise nach Paris und der Normandie im J. 1835 geschrieben); „Der römische Stuhl und die Kölner Angelegenheit“, 2. Aufl. 1838; „Dr. Fridolin Hubers (s. A. D. B. XIII, 231) Leben und litterarisches Wirken“, 1839.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Pflanz, Alois" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 677 unter Pflanz, Benedict Alois [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116167564.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA