Lebensdaten
1712 bis 1784
Geburtsort
Grünstadt bei Worms
Sterbeort
Deufstetten bei Crailsheim
Beruf/Funktion
Politiker ; Diplomat ; geistlicher Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116164174 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeil, Christoph Carl Ludwig Freiherr von
  • Pfeil, Christoph Karl Ludwig Freiherr von
  • Pfeil, Christoph Karl Freiherr von
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Zitierweise

Pfeil, Christoph Carl Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116164174.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Quirin Heinrich v. P. ( 1722), württ. Oberhofger.rat u. Amtmann in Tübingen, studierte b. August Hermann Francke in Halle;
    M Anna Beate Breitschwerdt ( 1714);
    1734 Anna Maria Fürst v. Kupferberg;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    Die Nähe seiner Familie zum Pietismus und der ausgezeichnete Ruf der preuß. Univ. Halle veranlaßten P., dort 1728 ein Studium der Rechte aufzunehmen, das er 1729 in Tübingen fortsetzte und 1731 mit der Promotion abschloß. Seine fachliche Qualifikation und seine den württ. Anspruch auf Erhebung des hzgl. Hauses in kurfürstl. Rang unterstützende publizistische Tätigkeit eröffneten P. 1732 den Weg in den hzgl. württ. Dienst. Als Legationssekretär auf dem Immerwährenden Reichstag in Regensburg war er zunächst in der Reichspolitik tätig, seit 1738 als Regierungsrat in der württ. Territorialpolitik. Diese konnte er maßgeblich beeinflussen, als sich die Auseinandersetzungen zwischen den Landständen und Hzg. Carl Eugen im Vorfeld des Siebenjährigen Kriegeszum württ. Ständekonflikt ausweiteten. Bereits zu Beginn der 1750er Jahre hatte sich P. in dem reichsweit beachteten „württ. Angriff auf die Reichsritterschaft“ (Press) und – im Gegensatz zur Mehrheit seiner pietistischen Glaubensbrüder – als Anhänger einer „Konzeption des rationalisierenden, arrondierenden landesherrlichen Absolutismus“ (Press) exponiert. Diesem Konzept zeigte er sich auch verpflichtet, als er gemeinsam mit dem sich ebenfalls offen zum Pietismus bekennenden Philipp Friedrich Rieger (1722/23-82), dem einzigen Vertreter einer führenden Familie der württ. Ehrbarkeit, die sich ostentativ auf hzgl. Seite engagierte, seit 1759 eine dezidiert anti-ständische Politik im Herzogtum verfolgte. 1759 entgalt ihm Hzg. Carl Eugen sein Engagement mit der Ernennung zum Geh. Rat; 1761 kaufte P. das Rittergut Deufstetten. Mit Riegers Inhaftierung im Nov. 1762 wurde P.s Position in württ. Diensten ebenfalls unhaltbar. Am 13.4.1763 suchte er um seine Entlassung nach.

    Die auch nach dem Siebenjährigen Krieg anhaltenden Spannungen zwischen Österreich und Preußen sowie Kontakte Riegers führten P. in preuß. Dienste. Im Sept. 1763 wurde er zum preuß. bevollmächtigen Minister am Fränk. und Schwäb. Kreis ernannt. Diese Tätigkeit als preuß. „Espion dans notre cercle“ (Gf. Montmartin), die P. bis zu seinem Tod ausübte, belegt u. a. das von der Forschung oftmals übersehene Interesse Kg. Friedrichs d. Gr. am politischen System des Reichs. P.s umfangreiches Schaffen als Dichter geistlicher Lieder in der Nachfolge des württ. Pietisten Albrecht Bengel (1667–1752) hatte nur eine geringe Nachwirkung.

  • Werke

    u. a. jur.-pol. Schn.: De meritis serenissimae Wurtembergiae Domus in Imperium …, 1732, 21765;
    Kurzer Begriff d. Ungrundes d. (…) reichsritterschaftl. Druck-Schr. sub titulo: Vertheidigte Freyheit (…) wider d. Würtembergisch … Verlegung, 1751;
    Kurzer Begriff d. Ungrundes d. sub dato 15. April 1751 ad dictaturam Imperii gekommenen Reichs-Ritterschaftl. Druck-Schr., 1751;
    Kurzer Begriff d. Ungrundes d. (…) reichs-ritterschaftl. Druck-Schr. sub titulo: Vertheidigte Freyheit u. Unmittelbarkeit d. Reichs-Ritterschaft in Franken, Schwaben u. am Rheinstrom, 1752;
    Kurzer Begriff d. Ungrundes v. dem zweyten Absaze d. I. Theils d. reichs-ritterschaftl. Druck-Schr., 1752;
    Geistl. Dichtungen:
    Apokalypt. Lieder v. d. offenbarten Herrlichkeit u. Zukunft des Herrn, 1741, 31753 hg. v. J. F. v. Stoll zu Wespach, 41790;
    Majestäts-Sprüche, der Weißheit Salomonis an die Tyrannen, 1746;
    Ev. Lieder-Psalter, 1747;
    Ev. Gesangbuch, 1782;
    Ev. Glaubens- u. Herzens-Gesänge (…), 1783;
    Majestäts-Lieder die Herrlichkeit des herrl. Gottes in seinen Majestät. Wundern d. Schöpfung (…) sieben Gesänge, 1783.

  • Literatur

    ADB 25;
    H.-J. König, in: Lb. Schwaben u. Franken VIII, 1962, S. 137-48 (W, L, P);
    H. Lehmann, Pietismus u. weltl. Ordnung in Württ. v. 17. bis z. 20. Jh., 1969, S. 104-08;
    M. Fulbrook, Piety and Politics, Rel. and the Rise of Absolutism in England, Württ. and Prussia, 1983, v. a. S. 146-52;
    V. Press, Der württ. Angriff auf d. Reichsritterschaft 1749-1754 (1770), in: F. Quarthal (Hg.), Zw. Schwarzwald u. Schwäb. Alb, 1984, S. 329-48;
    M. Jenny, Kirchenlied I, in: TRE 18, 1989, S. 602-29;
    G. Haug-Moritz, Württ. Ständekonflikt u. dt. Dualismus, 1992;
    R. Heß, Lb. hervorragender Forstmänner, 1882/85, S. 268;
    W. Pfeilsticker, Neues Württ. Dienerbuch I, 1957, § 1226;
    Dipl. Vertr. II;
    BBKL. |

  • Quellen

    Qu HStA Stuttgart; BA; Schloßarchiv Unterdeufstetten (Lebensbericht).

  • Autor/in

    Gabriele Haug-Moritz
  • Empfohlene Zitierweise

    Haug-Moritz, Gabriele, "Pfeil, Christoph Carl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 325-326 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116164174.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pfeil: Christoph Karl Ludwig Reichsfreiherr v. P., bekannter Diplomat und ungemein fruchtbarer Sänger geistlicher Lieder, wurde am 20. Januar 1712 zu Grünstadt, einer gräflich Lemingen'schen Besitzung unweit Worms, geboren. Sein Vater, Quirin Heinrich v. Pfeil, der zuletzt würtembergischer Oberhofgerichtsrath zu Tübingen und Oberamtmann zu Lustnau war und im J. 1722 starb, war ein Schüler August Hermann Francke's; und im Francke'schen Pietismus ward auch unser P. erzogen. Nachdem er seine Eltern früh verloren, nahm sich der jüngste Bruder seines Vaters, der Pfarrer Justus Gottlieb v. P. ( 1748 als Oberpfarrer in Magdeburg) seiner an. Er besuchte dann, um Jurisprudenz zu Studierten, vom Jahre 1728 an die Universität Halle; hernach ging er nach Tübingen. Eine akademische Preisarbeit „über die Verdienste des Hauses Württemberg für das deutsche Reich“, die er hier in lateinischer Sprache verfaßte, machte ihn in den Stuttgarter Hofkreisen bekannt. Er wurde veranlaßt, sie ins Deutsche zu übersetzen; und sie fand solche Bewunderung, daß er noch als Student (1731) beauftragt ward, das Testament des Herzogs Eberhard Ludwig zu verfassen. Im folgenden Jahre ward er, 20 Jahre alt, zum Legationssecretär des würtembergischen Gesandten in Regensburg ernannt, und damit begann seine diplomatische Wirksamkeit. Nicht lange darauf Verlobte er sich mit einem einfachen Mädchen, das er vor der Hochzeit (am 12. Oktober 1734) noch im Kloster Niedermünster zu Regensburg ausbilden ließ; später ergab sich, daß seine Frau, die als Waise von Bürgersleuten in Regensburg aufgenommen war, aus adeliger Familie (eine Tochter des Fürsten von Kupferberg und Keulendorf in Schlesien, die auf einer Reise beide Eltern an der Pest verloren hatte,) sei, was dann seine Freunde mit dieser Verbindung aussöhnte. Um diese Zeit stand P. auch in Verkehr mit dem Grafen Zinzendorf; er war sogar eine Zeitlang mit dem Gedanken umgegangen, selbst seinen Wohnsitz nach Herrnhut zu verlegen. Doch löste sich dieses Verhültniß und zwar nicht zum mindesten von Pfeil's Seite mit deshalb, weil der Graf Zinzendorf sich über Pfeil's Verheirathung mit einer „Bürgerlichen“ überaus geringschätzig geäußert hatte. P. wandte sich darauf mehr dem würtembergischen Pietismus zu und schloß sich besonders an Johann Albert Bengel (s. A. D. B. II, 331) an, dessen apokalyptische Studien ihn ganz besonders anzogen. Als Herzog Karl Rudolph von Würtemberg-Neustadt (s. A. D. B. XV, 372 ff., bes 375) Administrator des Herzogthums wurde, ernannte er P. gegen Ende des Jahres 1737 zum Justiz- und Regierungsrath, so daß P. im J. 1738 nach Stuttgart übersiedelte. Während der Zeit der Regentschaft, welche im J. 1738 Herzog Karl Friedrich von Würtemberg-Oels übernahm (a. a. O. S. 376), hatte P. als Regierungsrath fast mit allen Zweigen der Verwaltung zu thun; besonders wird schon in dieser Zeit seine Thätigkeit für das Forstwesen gerühmt; im J. 1748 gab er dann eine Uebersicht über die sämmtlichen gültigen Forstgesetze und -verordnungen heraus ("Realindex der würtemb. Forstordnung"). Als Herzog Karl Eugen (s. A. D. B. XV, 176 ff.) im J. 1744 nach seiner Volljährigkeitserklärung die Regierung übernommen hatte, ward P. 1745 auch Tutelarrathspräsident; vom Jahre 1749 an ward er in Staatsgeschäften an verschiedene Höfe gesandt; im J. 1755 ernannte ihn Karl Eugen zum Kreisdirectorialgesandten am schwäbischen Kreistage. Ueber seine tüchtige Arbeitskraft und seine Gewissenhaftigkeit in allen ihm übertragenen Aemtern ist nur eine Stimme; aber die furchtbare Mißwirthschaft, die nun einbrach, konnte auch er nicht abwehren; ja, er mußte es sich gefallen lassen, vom Grafen von Montmartin (s. A. D. B. XXII, 204) erst (1758) zum Geheimen Legationsrath und sodann (1759) zum Geheimen Rath ernannt zu werden. Ihm ward sein Dienst immer beschwerlicher, zumal er bei vielen in den Ruf kam, Maßregeln zu billigen, die er nur nicht hatte hindern können; und so suchte er denn wiederholt seine Entlassung aus dem Staatsdienste nach, die er endlich unter dem 13. April 1763 erhielt. Eine ihm vom Herzog angebotene Pension lehnte er ab. Er zog sich nun auf das Rittergut Deufftetten, im Ansbachischen zwischen Krailsheim und Dinkelsbühl gelegen, das er schon im J. 1761 gekauft hatte, zurück. Noch in demselben Jahre trat er jedoch in die Dienste Friedrich des Großen, der ihn in den ersten Tagen des September (die Beglaubigungsschreiben sind vom 5. September 1763) zu seinem Minister bei dem fränkischen und schwäbischen Kreise ernannte. Obschon das preußische Gesandtschaftsquartier in Nürnberg errichtet ward, blieb doch Deufstetten Pfeil's gewöhnlicher Wohnsitz. Er hat in dieser Stellung mehr für Würtemberg thun können, als in seinen würtembergischen Aemtern, indem er außer Preußen auch die beiden andern Garanten der land ständischen und Religionsverfassung Würtembergs, Dänemark und England, zur Hülfe heranzog. So gelang ihm denn auch, Montmartin zu stürzen und Moser's Befreiung zu erwirken (s. A. D. B. XXII, 380). In späteren Jahren hat er viel von Krankheiten zu leiden gehabt; er starb am 14. Februar 1784. — Von seiner frühsten Jugend an bis in sein spätes Alter hat P. fortwährend Gesänge und Lieder verfaßt. Alle seine Erlebnisse und Erfahrungen sprach er in Versen aus; aber außerdem hat er auch eine außerordentlich große Anzahl eigentlicher geistlicher Lieder gedichtet. Der poetische Werth derselben ist nicht sehr groß; die bei weitem meisten, namentlich die erzählenden, sind nicht viel mehr als gereimte Prosa; aber es spricht sich in allen ein edler, frommer Sinn und ein gläubiges Herz aus; ihm selbst gewährte es in schweren Stunden Trost und Erquickung, was seine Seele bewegte, in diesen Versen auszusprechen. Von seinen Liedern sind nach Koch's Angabe (vgl. unten) 940 gedruckt. Diese erschienen in vier Sammlungen, von welchen die beiden ersten von P. selbst herausgegeben wurden, die beiden anderen aber von andern besorgt sind. Zuerst gab er im J. 1741 „Lieder von der offenbarten Zukunft und Herrlichkeit des Herrn" heraus, zu welchen die Bengel'sche Erklärung der Offenbarung Johannis ihn begeistert hatte; diese Lieder erschienen vermehrt unter dem Titel: „Apokalyptische Lieder“ im J. 1749 und dann in 3. Aufl. 1753. Eine zweite Sammlung ließ er im J. 1747 unter dem Titel: „Evangelischer Liederpsalter“ erscheinen; zu dieser schrieb I. A. Bengel eine Vorrede. Die von anderen herausgegebenen Sammlungen Pfeil'scher Lieder sind das sog. „Memminger Gesangbuch“, im J. 1782 von J. G. Schelhorn auf Pfeil's Wunsch veranstaltet, und „Des Reichsfreiherrn von Pfeil evangelische Glaubens- und Herzensgesänge, herausgegeben von einer Gesellschaft christlicher Freunde“, Dinkelsbühl 1783, das sog. „Dinkelsbühler Gesangbuch“. Aus diesen Sammlungen sind eine größere Anzahl geistlicher Lieder in Gemeindegesangbücher übergegangen; einzelne befinden sich, theilweise in späterer Ueberarbeitung von andern, hier und dort noch in ihnen.

    Heinrich Merz, Das Leben des christlichen Dichters und Ministers Christoph Karl Ludwig von Pfeil. Stuttgart 1863. — Koch, Geschichte des Kirchenlieds u. s. s., 3. Aufl., Band 5, S. 176 ff. — Fischer, Kirchenliederlexikon, 2. Hälfte, S. 463 a. — Meusel X, S. 392.

  • Autor/in

    l. u.
  • Empfohlene Zitierweise

    l. u., "Pfeil, Christoph Carl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 646-647 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116164174.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA