Lebensdaten
1815 – 1891
Geburtsort
Königswalde bei Frankfurt/Oder
Sterbeort
Blasewitz bei Dresden
Beruf/Funktion
Gartenkünstler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116138351 | OGND | VIAF: 25345869
Namensvarianten
  • Petzold, Karl Eduard Adolph
  • Petzold, Eduard
  • Petzold, Karl Eduard Adolph
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Zitierweise

Petzold, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116138351.html [23.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Friedrich Christian (1783–1866), Sup. u. Oberpfarrer in Muskau/Neiße, S d. Kantors Johann Christian Paetzold (1761–1803) u. d. Hanna Elisabeth Fürchtegott Zeuschner (1752–1819) in K.;
    M Christiane Friederike Auguste (1789–1815), T d. Amtsverw. Johann Gottfried Roeser u. d. Marie Sophie Quenstaedt;
    Stief-M (seit 1817) Juliane Sophie Bach (1792–1859);
    Schönbeck b. Magdeburg 1851 Mathilde Friederike Amalie (1825–81), T d. Baumeisters u. Ziegeleibes. Ludwig Eiserhardt u. d. Christiane Schlüter;
    3 S, u. a. Max (1852–96), Garten-Ing., seit 1880 bei Elvaston Nurseries b. Derby (England) u. später unter A. Strauch (1822–83) auf d. Zentralfriedhof in Cincinnati (USA) tätig, 2 T.

  • Biographie

    P. absolvierte 1831-34 unter Jacob H. Rehder eine Lehrzeit in der Gärtnerei des Fürsten Hermann v. Pückler-Muskau (1785–1871). Nach einer Gehilfenzeit wurde er 1838 bei Georg Frhr. Riedesel zu Eisenbach (1785–1854) angestellt (Park Neuenhof in Thüringen) und erhielt seit 1840 jährlich sechs Monate Urlaub für Bildungsreisen in ganz Europa. Dabei studierte P. Parkanlagen und Gärtnereien und fand Kontakt zu Fachleuten wie Peter J. Lenné (1789–1866), Hermann Sello, Sebastian Rinz, Philipp F. v. Siebold oder Eduard A. v. Regel. Auch der Landschaftsmaler Friedrich Preller d. Ä. (1804–78) und der Oberforstrat Gottlob König (1779–1849) übten Einfluß auf ihn aus. Seit 1844 war P. für Ghzg. Carl Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach (1783–1853) und seine Frau Maria Paulowna (1786–1859) über acht Jahre als Hofgärtner in Ettersburg und Weimar tätig. 1852 übernahm er die Stelle des Garteninspektors der Muskauer Parkanlagen, die er bis 1881 vollendete. Bei seinem neuen Dienstherrn, Prinz Friedrich der Niederlande (1797–1881), war er auch für dessen niederländ. Anlagen verantwortlich. Gleichzeitig betrieb er seit 1863 eine eigene Baumschule in Schlesien. Insgesamt hat P. rund 170 öffentliche und private Gärten und Parks in Deutschland, Schlesien, den Niederlanden, Böhmen, Österreich und Polen entworfen, umgestaltet, regeneriert und betreut. 1872 erhielt P. den Titel Park- und Gartendirektor der Niederlande. 1878 reichte er seinen Rücktritt bei Prinz Friedrich ein, behielt aber bis 1881 die oberste Leitung über den Muskauer Park. Danach war er bis zuletzt freiberuflich und schriftstellerisch tätig. Ein Auftrag für den Fürsten Alexander I. von Bulgarien führte ihn 1884 in dessen Land und nach Konstantinopel.

    P. gehört neben Gustav Meyer (1816–77) zu den bedeutendsten, weit über die Grenzen|Deutschlands bekannten und tätigen Gartenkünstlern des späteren 19. Jh. Größten Einfluß übte er – ähnlich wie zuvor Daniel Marot (1655–1752) – auf die Gartenkunst der Niederlande aus. In seinen durchweg dem „landschaftlichen Stil“ verpflichteten Anlagen ging es ihm immer um ein ausgewogenes, dabei gestalterisch und funktional differenziertes Raumkonzept. Auf der Grundlage seiner enormen Pflanzenkenntnis setzte er die Palette der Vegetation weitaus reichhaltiger und nuancierter ein als z. B. Fürst Pückler. Den „Pleasureground“ legte P. – anders als Meyer – großzügig rund um das Haus. Sichtachsen sollten vom Gebäude aus, vor allem aber von den Rundwegen – auch in Verbindung mit der Landschaft – „Bildergalerien“ ergeben. Das für P. typische Erschließungssystem ist weitmaschig und – anders als etwa bei Lenné oder Heinrich Siesmayer (1817–1900), mit denen er zuweilen in Konkurrenz stand – durch eine reduzierte Anzahl der Wege gekennzeichnet. Wie Pückler strebte P. möglichst nach Anlagen im Sinne einer „ornamented farm“ und setzte sich für Maßnahmen der Landesverschönerung ein.

    P.s Schöpfungen, wie De Paauw (1854–58), Heinrichau (1863–71), Zypendaal (1863), Salaberg (1864), Finckenstein (1866–68), Rhederoord (1868), Greiz (1872–73), Altdöbern (1880–82), Josephstal (1883), Sandrowo (1884–86) oder Twickel (1884–91) fanden internationale Beachtung, ebenso seine Arbeiten zur Parkerhaltung in Weimar und Muskau oder die Anlage des Arboretum Muscaviense (mit Georg Kirchner, 1858–64). Von seinen rund 30 Schriften wurden besonders die beiden Auflagen seiner „Landschaftsgärtnerei“ (1862, 1888) weit verbreitet. P. erschloß die Grundlagen der Farben- und Perspektivlehre für die Landschaftschaftsgärtnerei und formulierte als erster deutscher Gartenkünstler denkmalpflegerische Ansätze, z. B. im Hinblick auf die Bewahrung alter Alleen und Gärten im symmetrischen Stil. Ein großes Verdienst ist P.s Übersetzung der wichtigsten Fachmeinungen aus den Schriften Humphry Reptons (zunächst mit Wilhelm Döll), dessen Grundprinzipien er weitgehend übernahm, aber in sehr eigenständiger Weise umsetzte. Mehrfach war P. als Vorsitzender und Jurymitglied bei internationalen Ausstellungen tätig, so 1873 auf der Weltausstellung in Wien sowie auf den Gartenausstellungen 1877 in Amsterdam und 1885 in Berlin.

  • Werke

    Weitere W u. a. (Parkanlagen, ansonsten spezielle Bezeichnung): Eisenbach (Hessen), seit 1847 u. 1859;
    Altenstein, seit 1847;
    Sondershausen, 1850;
    Zwickau (Schwanenteichpark u. Stadtpromenade), 1850/66;
    Dobrau (Schlesien), seit 1856;
    Buchwald (Schlesien), 1856;
    Langenstein (Sachsen-Anhalt), seit 1856 u. 1866;
    Liegnitz (Stadtanlagen), seit 1863;
    Quedlinburg (Stadtpark Brühl), 1867;
    Bodelschwingh, 1869;
    Planitz (Sachsen), 1870;
    Gutachten Volkspark Bosch (Niederl.), 1871;
    Gutachten f. d. Landesverschönerung b. Hummelshain (Thür.), 1874;
    Entwurf f. d. Stadtpark Scheibenholz in Leipzig, 1878;
    Ruurlo (Niederl.), seit 1879;
    Klitschdorf (Schlesien), 1880;
    Elswout (Niederl.), seit 1883;
    Clingendaal (Niederl.), seit 1888. – Schrr.: Btrr. z. Landschaftsgärtnerei, 1849;
    Zur Farbenlehre d. Landschaft, 1853;
    Der Park zu Muskau, 1856;
    Arboretum Muscaviense, 1864 (mit G. Kirchner);
    Ludw. Hermann Fürst v. Pückler-Muskau, 1871, S. 1 ff.;
    Fürst Hermann v. Pückler-Muskau in seinem Wirken in Muskau u. Branitz …, 1874;
    Die Anpflanzung u. Behandlung v. Alleebäumen, 1878;
    Erinnerungen aus meinem Leben, 1890. – Mitarbeiter u. a. bei: Allg. Gartenztg., 1843/44/47, Berliner Gartenztg., 1857, Hamburger Garten- u. Blumenztg., 1857/58 (mit W. Döll), 1860/67/79, Wschr. f. Gärtnerei u. Pflanzenkde., 1858 (mit W. Döll), Gartenflora, 1872/73/75, Wiener Obst- u. Gartenztg., 1876. – Mithg. d. Zs. Gartenflora.

  • Literatur

    Ill. Gartenbaulex., 1882, 1890, 1927;
    I. Stappenbeck, Der Park zu Greiz, 1939;
    W. Gresky, E. P., der Geisteserbe d. Fürsten Pückler, als Hofgärtner in Ettersburg u. Weimar, 1940;
    W. Irrgang, Bemerkenswerte Parkanlagen in Schlesien, 1978, S. 219-27 (P);
    H. v. d. Wyck, De Nederlandse Buitenplaats, 1983;
    C. Oldenburger-Ebbers, De Tuinengids van Nederland, 1989;
    M. Rohde, E. P., Weg u. Werk e. dt. Gartenkünstlers im 19. Jh., Diss. Hannover 1998;
    ders., Von Muskau bis Konstantinopel, E. P., Ein europ. Gartenkünstler, 1998 (Verz. d. Entwürfe, Anlagen u. Schrr., L. P);
    ders., Die Bedeutung E. P.s f. d. niederl. Gartenkunst …, in: Tuinkunst 4, 1998.

  • Porträts

    Federzeichnung v. F. Preller d. Ä., 1846 (Archiv H. v. d. Wyck, Doorn), Photogrr., um 1860–90, alle abgeb. in: M. Rohde, Von Muskau bis Konstantinopel, 1998.

  • Autor/in

    Michael Rohde
  • Zitierweise

    Rohde, Michael, "Petzold, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 276-277 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116138351.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA