Lebensdaten
1841 bis 1910
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Unterstaatssekretär
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116124970 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Berchem, Maximilian Sigismund Rudolf Graf von
  • Berchem, Max Graf von
  • Berchem, Maximilian Sigismund Rudolf Graf von

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Zitierweise

Berchem, Max Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116124970.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Kaspar (1007–81), Großgrundbesitzer, S des Maximilian und der Josepha Gräfin Fugger-Zinnenberg; Ur-Gvv Maximilian s. (3);
    M Sophie, T des bayerischen Hofbankiers und griechischen Staatsrats Simon Freiherr von Eichthal (1788–1854) und der Julie Mayer (Nichte);
    Salzburg 1879 Ernestine Markgräfin von Pallavicini;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    B. studierte in München und Heidelberg, kämpfte 1866 als Unterleutnant auf bayerischer Seite und trat 1867 in den bayerischen diplomatischen Dienst. 1870 zur politischen und militärischen Berichterstattung in das Große Hauptquartier entsandt, vermittelte er bis zum Eintreffen der bayerischen Bevollmächtigten zwischen Bismarck und der bayerischen Regierung. 1871 trat er in den Reichsdienst über. Schon 1875 wurde er erster Botschaftssekretär in Petersburg, 1878 in Wien. Bismarck veranlaßte seine Ernennung zum Generalkonsul in Budapest, um Beziehungen zu ungarischen Politikern zu pflegen. 1885 wurde B. Direktor der handelspolitischen Abteilung im Berliner Auswärtigen Amt, 1886 daselbst Unterstaatssekretär. In den Verhandlungen über eine russische Konvertierungsanleihe (1889) stand er auf der Seite Wilhelms II. gegen Bismarck, der russische Verstimmung zu vermeiden suchte. Anfang März 1890 suchte er in der Kanzlerkrisis zwischen dem Kaiser und Bismarck zu vermitteln. Nach Bismarcks Sturz nahm er teil an der Konferenz, in der Caprivi mit den Räten des Auswärtigen Amtes über die Frage der Erneuerung des Rückversicherungsvertrages verhandelte (23.3.). Nach der Sitzung wurden in einer Denkschrift B.s alle die Argumente zusammengefaßt, mit denen beim Kaiser auf die Nichterneuerung hingewirkt werden sollte. Wo Bismarcks Wirklichkeitssinn bestehenden Gegensätzen Rechnung trug, sah die Denkschrift willkürliche Gegensätze der Politik Bismarcks. Sie spiegelt wohl mehr die Bestrebungen des Vortragenden Rates Fritz von Holstein als B.s, der allerdings aus handelspolitischen Gründen gegen Rußland stand, aber auch jetzt noch zu Bismarck hielt. Am 27.3. hatte er seine letzte Unterredung mit dem gestürzten Kanzler, „beide in Tränen“. Die Denkschrift wurde von Caprivi und dem Botschafter Hans Lothar von Schweinitz dem Kaiser vorgelegt, ist aber für deren Stellungnahme nicht allein entscheidend gewesen. Weil B. mit dem Staatssekretär und Kanzler, hinter denen Holstein stand, in Streit über seine Kompetenzen geriet, nahm er am 29.5.1890 seinen Abschied, was von vielen als großer Verlust empfunden wurde. Dies kam auch durch die Ernennung zum Wirklichen Geheimen Rat zum Ausdruck.

  • Literatur

    Zur Konvertierungsanleihe: G. Eppstein, Fürst Bismarcks Entlassung, 1919;
    zur Denkschr.: O. Becker, Das franz.-russ. Bündnis, 1925, S. 45-57;
    üb. d. Abschied: O. v. Mohl, 50 J, Reichsdienst, 1921, S. 249 f.;
    Ph. Eulenburg, Aus 50 J., 1925, S. 252 (L), u. J. M. v. Radowitz, Aufzeichnungen u. Erinnerungen, 1925;
    Die Große Politik d. Europ. Kabinette, Bd. 2-6, 1927;
    B. v. Bülow, Denkwürdigkeiten, 1931;
    A. Gf. v. Monts, Erinnerungen u. Gedanken, 1931;
    L. Raschdau, Unter Bismarck u. Caprivi, 1939, S. 165. - B.s Nachlaß ist vernichtet.

  • Autor/in

    Otto Becker
  • Empfohlene Zitierweise

    Becker, Otto, "Berchem, Max Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 63 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116124970.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA