Lebensdaten
1825 bis 1878
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
evangelischer Neutestamentler ; Historiker ; Kirchenhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11611567X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keim, Theodor
  • Keim, Karl Theodor
  • Keim, Theodor

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Keim, Karl Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11611567X.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Christian (1793–1851), Oberpräzeptor in St., S d. Sensenschmiedemeisters Joh. Jakob in Reutlingen u. d. Anna Barbara Gruner;
    M Charl. Frieder. Elisabeth (* 1796), T d. Präzeptors Philipp Jakob Nädelen u. d. Heinrike Mittler; -ledig.

  • Leben

    Während seiner Studienzeit in Tübingen (seit 1843) wurde K. besonders von F. Ch. Baur und H. Ewald geprägt. Als Hauslehrer in Ulm (seit 1848) begann er seine gründlichen Forschungen zur schwäbischen Reformationsgeschichte, wirkte dann seit 1851 als Repetent am Tübinger Stift, 1856 als Stadtvikar in Stuttgart und übernahm im gleichen Jahr das Pfarramt in Eßlingen. Als Professor der Theologie in Zürich (seit 1860) und in Gießen (seit 1873) widmete er sich vorwiegend der Erforschung der Geschichte des Urchristentums und der alten Kirche. In den theologischen Auseinandersetzungen verstand sich K. als „liberaler Theologe konservativer Farbe“.

    Der Schule Baurs verpflichtet, doch selbständig in der kritischen Untersuchung der Evangelienüberlieferung, entwarf K. in seinem Hauptwerk „Geschichte Jesu von Nazara“ (3 Bände: 1. Der Rüsttag, 2. Das galiläische Lehrjahr, 3. Das Jerusalemer Todesostern, 1867–72) eine lebendige und eindringliche Gesamtdarstellung der Geschichte Jesu auf dem Hintergrund der Zeitverhältnisse. Im Gegensatz zu einem – seiner Meinung nach – „ungeschichtlichen“ Verständnis Jesu sowohl im altkirchlichen Dogma wie bei D. Fr. Strauß suchte K., indem er durch gewissenhafte Erforschung der Überlieferung (Priorität des Matthäusevangeliums) eine einseitig-destruierende Kritik überwand, historisch-genetisch die „menschliche Auffassung Jesu ohne Verzicht auf seine Hoheit“ darzustellen. Sein Anspruch, „daß der Gang des Lebens Jesu im großen getreu und pünktlich und im einzelnen mit der heute erreichbaren Wahrscheinlichkeit gezeichnet worden ist“, wurde vielfach anerkannt. Innerhalb der protestantischen Leben-Jesu-Forschung seiner Zeit, deren Grenzen es teilt, nimmt sein Werk einen geachteten Platz ein; auch mit seinen Untersuchungen zur Reformationsgeschichte und Geschichte der alten Kirche hat er für lange Zeit gültige, durch Gründlichkeit und Umsicht ausgezeichnete Leistungen erbracht.

  • Werke

    Weitere W Die Ref. d. Reichsstadt Ulm, 1851;
    Schwäb. Ref.gesch. b. z. Augsburger Reichstage, 1855;
    Der geschichtl. Christus, 1865, 31866;
    Gesch. Jesu n. d. Ergebnissen heutigen Wiss. übersichtl. erz., 1873, Neubearb. 1875;
    Celsus' Wahres Wort, Älteste Streitschr. antiker Weltanschauung gegen d. Christentum v. J. 178 n. Chr., 1873;
    Aus d. Urchristentum, 1878;
    Rom u. d. Christentum, hrsg. v. H. Ziegler, 1881 (mit Biogr.).

  • Literatur

    ADB 15;
    C. Schwarz. Zur Gesch. d. neuesten Theol., 41869. S. 566 ff.;
    F. Nippold, Hdb. d. neuesten KG II, 1, 31890, S. 419 ff.;
    O. Pfleiderer. Die Entwicklung d. prot. Theol. in Dtld. seit Kant …, 1891, S. 305 ff.;
    G. Frank, Gesch. d.|prot. Theol. IV, 1905, S. 387 ff.;
    A. Schweitzer, Gesch. d. Leben-Jesu-Forschung, 61951;
    E. Barnikol. Das Leben Jesu d. Heilsgesch., 1958;
    P. Ghane, in: Hess. Biogrr. III, 1935, S. 183-86 (W, L).

  • Autor/in

    Eberhard H. Pältz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pältz, Eberhard H., "Keim, Karl Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 410 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11611567X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Keim: Theodor K., kirchengeschichtlicher Forscher, geb. am 17. Dec. 1825 zu Stuttgart und am 17. Novbr. 1878 zu Gießen. Zum Theologen herangebildet auf dem Seminar Maulbronn, im Tübinger Stift, wo er 1843—47 dauernde Anregung von F. Ch. Baur, nächst ihm von Ewald. E. Meier und Reiff empfing, wirkte er 1851—55 als Repetent an der theologischen Facultät zu Tübingen und übernahm 1856 ein Diakonat in Eßlingen. Schon zuvor waren seine Studien der schwäbischen Reformationsgeschichte zugewandt gewesen; ein reiches Quellenmaterial, sorgsam durchforscht und mit feiner Hand gestaltet, liegt zu Grunde seinen Werken „Die Reformation der Reichsstadt Ulm“ (1851), „Schwäbische Reformationsgeschichte bis zum Augsburger Reichstag“ (1855), „Reformationsblätter der Reichsstadt Eßlingen" (1860), „Amdrosius Blarer“ (1860). Als Abschluß dieses ersten Theiles seines Lebens erschien eine Sammlung von Predigten (1861—62), als deren Grundton er selbst „die lebendige Vermittelung des alten Schriftwortes mit der Gegenwart“ namhaft macht. Damals war er schon als außerordentlicher Professor der Theologie nach Zürich übergesiedelt, wo er an seinem 35. Geburtstag die berühmte, 1861 im Druck erschienene Rede über „Die menschliche Entwickelung Jesu" hielt, welcher, 1865 der Vortrag über „Die geschichtliche Würde Jesu" folgte. Eine zweite und dritte Auflage beider Schriften erschien unter dem Titel „Der geschichtliche Christus" (1865 und 66). Damit war das neue Gebiet, welchem sich die Forschungen Keim's von jetzt ab zuwandten, deutlich in Sicht genommen, und schon 1867—72 erschien als reifste Frucht derselben die „Geschichte Jesu von Nazara“ in drei Bänden, als Auszug davon 1873 in erster, 1875 in zweiter Auflage die „Geschichte Jesu nach den Ergebnissen der heutigen Wissenschaft, für weitere Kreise übersichtlich erzählt“. Kritischer Scharfsinn und geniale Intuition, vollständige Beherrschung des Materials und gehobene Darstellung vereinigen sich, um diesen Werken den ersten Platz in der reichen Litteratur des Lebens Jesu zu sichern. Weitere Abschnitte des Urchristenthums behandelten seine Schriften „Der Uebertritt Konstantins des Großen zum Christenthum" (1861), „Celsus' wahres Wort“ (1873) und „Aus dem Urchristenthum“ (1878). Schon kränkelnd folgte der überarbeitete Mann 1873 einem Rufe an die theologische Facultät in Gießen, wo ein quälendes Nervenleiden den Rest seiner Tage verdüsterte. Eine Schwester hatte den Einsamen treu gepflegt; ein geliebter Bruder und Studiengenosse, Gustav, war ihm schon am 24. April 1864 im Tode vorangegangen. Aus seinem Nachlasse hat ein treuer Schüler, H. Ziegler, herausgegeben „Rom und das Christenthum“ (Berlin 1881), mit einer Biographie Keim's.

  • Autor/in

    Holtzmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holtzmann, Heinrich, "Keim, Karl Theodor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 534-535 unter Keim, Theodor [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11611567X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA