Lebensdaten
1756 bis 1845
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Feldmarschall
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116114614 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bellegarde, Heinrich Joseph Johann Graf von
  • Bellegarde, Heinrich Graf von
  • Bellegarde, Heinrich Joseph Johann Graf von
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Zitierweise

Bellegarde, Heinrich Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116114614.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Franz Graf von Bellegarde (seit 1741), aus Savoyen stammend, kurfürstlicher sächsischer General und Kriegsminister;
    M Maria Antonia Reichsgräfin von Hartig;
    Wien 1791 Auguste (1765–1831),Wwe des Friedrich August Freiherr von Berlichingen ( 1789), T des Friedrich Alexander Freiherr von Berlichingen, österreichischer Feldmarschalleutnant, und der Anna Katharina Gräfin Fergach;
    2 S (österreichische Generäle).

  • Leben

    B. trat aus sächsischen Diensten in das kaiserlich-königliche Heer ein und nahm 1778-1814 an 18 Feldzügen teil. 1796/97 war er Adlatus (Generalstabschef) des Erzherzogs Karl und gemeinsam mit General Graf Max Merveldt Unterhändler bei dem Präliminarfrieden von Leoben. 1799 hatte er die Aufgabe, als selbständiger Truppenführer die Verbindung zwischen dem deutschen und|dem italienischen Kriegsschauplatz zu sichern und entzog sich in dem darauf folgenden Jahre- in Oberitalien mit großem Geschick der Umfassung durch die Franzosen. Für das Gefecht bei Caldiero wurde er 1805 mit dem Kommandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. 1806-08 war B. Gouverneur von Galizien und führte im Feldzug von 1809 eine Armeegruppe bei Aspern, Wagram und Znaim. Er wurde zum Feldmarschall befördert. Von 1800-13 stand er an der Spitze des Hofkriegsrates und leitete die Truppenaufstellungen gegen Rußland und später gegen Napoleon. Seit November 1813 Oberstkommandierender in Italien, übernahm B. 1814 die Verwaltung für die Verbündeten, es gelang ihm, Murats Abfall von Napoleon zu bewirken. Seit 1816 war er Obersthofmeister des Kronprinzen, 1820 wurde er Staats- und Konferenzminister und übernahm gleichzeitig bis 1825 nochmals die Leitung des Hofkriegsrates. Er war Ritter vom Goldenen Vließ. -B. zählte in den Jahren des Ringens mit Napoleon I. als Truppenführer und als militärischer Organisator wie auch in führenden Stellungen am Hof und in der Regierung zu den markantesten Würdenträgern des Kaisers Franz II.

  • Literatur

    ADB II;
    K. v. Smola, Leben d. Feldmarschalls H. Gf. v. B., Wien 1847;
    C. A. Schweigerd, Österr.s Helden u. Heerführer, ebenda 1854;
    J. Hirtenfeld, Der Militär-Maria Theresien-Orden u. seine Mitgl., ebenda 1857;
    G. v. Alten, Hdb. f. Heer u. Flotte, 1909, II, S. 134;
    O. Criste, Erzhzg. Carl v. Österr., Wien 1912, I-III (P in I, S. 211);
    Wurzbach I.

  • Portraits

    Holzschnitt in: LIZ 5, 1845, S. 200.

  • Autor/in

    Oskar Regele
  • Empfohlene Zitierweise

    Regele, Oskar, "Bellegarde, Heinrich Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 29 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116114614.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bellegarde: Heinrich Joseph Johannes Graf von B., österr. Feldmarschall, geb. in Dresden 29. August 1756 als Sohn des späteren sächs. Kriegsministers Grafen Johann Franz v. B., 22. Juli 1846. 1771 trat er aus sächsischen in österreichische Militärdienste, machte als Oberst eines Dragonerregimentes den Türkenkrieg von 1788—89 und als Generalmajor 1793—94 den Krieg in den Niederlanden mit, überall durch Bravour und militärisches Talent hervorleuchtend. Am 4. März 1796 zum Feldmarschall-Lieutenant befördert, begleitete er in den Feldzügen von 1796 und 97 den Erzherzog Karl als vertrauter Berather. 1799 befehligte er das Armeecorps, welches aus Tirol in die Ostschweiz eindrang und dessen Hauptmacht dann in Norditalien zu Suworow stieß. Hier nöthigte B. in vierwöchentlicher Belagerung die Citadelle von Alessandria zur Uebergabe und zeichnete sich in der siegreichen und blutigen Schlacht bei Novi (15. Aug) aus. Gleich darauf in den Hofkriegsrath nach Wien berufen, ward er bald als General der Cavallerie wieder nach Italien geschickt, um den bei Marengo geschlagenen Melas im Oberbefehl abzulösen, mußte sich aber vor Brune fechtend hinter Mincio und Etsch zurückziehen, worauf am 9. Febr. 1801 der Lüneviller Friede den Krieg beendigte. B. blieb darauf als commandirender General in dem jetzt österreichischen Venetien. — Im Feldzuge von 1805 hatte er unter Erzherzog Karl an der Schlacht bei Caldiera und am Rückzug nach Steiermark rühmlichen Antheil. Nach dem Frieden erhielt er das Generalcommando in Graz und darauf (3. December 1806) in Galizien unter der Ernennung zum wirklichen geheimen Rath. — Im Kriege von 1809 commandirte B. das 1. Armeecorps, welches in der Oberpfalz operirte und darauf an den Schlachten von Aspern und Wagram einen hervorragenden Antheil hatte. Gleich nach dem Ende des Krieges ward er zum Feldmarschall ernannt und als Hofcommissär und Höchstcommandirender nach Galizien geschickt, aber schon am 9. April 1810 als Präsident des Hofkriegsrathes nach Wien berufen, um die Reorganisation der österreichischen Armee zu leiten, in welcher Stellung er sich durch Thätigkeit und Umsicht aufs neue die höchste Anerkennung erwarb. — Nach dem Wiederausbruch des Krieges ward ihm der Befehl über die italienische Armee anvertraut. Hier aber hatte er nicht minder durch Murat's zweideutige Bundesgenossenschaft, welche ihn lähmte, als durch die geschickten Operationen des Vicekönigs Eugen, der sich am Mincio festsetzte, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen und ehe er in der Lage war, entscheidende Schläge zu wagen, fand der Krieg in Frankreich sein Ende. B. blieb nun als Generalgouverneur in Venetien, bis im Sommer 1816 Erzherzog Anton als Vicekönig eintraf. Mit Ehrenzeichen jeder Art für seine ausgezeichneten Dienste belohnt, wünschte B. jetzt seiner wankenden Gesundheit halber vom Staatsdienst entbunden zu werden. Der Kaiser ernannte ihn zum Obersthofmeister des Kronprinzen Ferdinand. Am 24. Juli 1820 ward er jedoch noch einmal als Präsident des Hofkriegsrathes und Conferenzminister berufen, die angesichts des italienischen Krieges nöthigen Rüstungen zu leiten. Schon 1825 nöthigte ihn aber eine zunehmende Augenschwäche dies Amt niederzulegen, worauf er noch bis 1832 im Hofstaat des Kronprinzen verblieb. Von da an verlebte er, meistens auf dem ihm 1809 vom Kaiser verliehenen Landgut, noch 13 Jahre rüstigen Alters im glücklichen Familienkreise. Zwei Söhne und eine Tochter, Frfr. von Vincent, überlebten ihn.

    • Literatur

      K. v. Smola, Das Leben des Feldmarschall Heinr. Grafen v. Bellegarde. Wien 1847.

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Bellegarde, Heinrich Graf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 305 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116114614.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA