Lebensdaten
1806 bis 1873
Geburtsort
Plan (Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Statistiker
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 116099666 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Becher, Siegfried

Orte

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Zitierweise

Becher, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116099666.html [12.12.2018].

CC0

  • Leben

    B. studierte in Prag und Wien, trat 1831 in den Staatsdienst und wurde 1835 Professor für Geschichte und Geographie am Wiener Polytechnischen Institut, wobei er im Nebenamt noch bei der Tabak- und Stempeldirektion sowie bei der obersten Postverwaltung tätig war. Als nach der Wiener Märzrevolution Anton Freiherr von Doblhoff im Mai 1848 Handelsminister wurde, übertrug dieser B. einen Großteil der Organisierungsarbeiten und erhob ihn im Juni zum Generalsekretär. Im September 1848 zum Ministerialrat ernannt, blieb er auch in den stürmischen Tagen der Oktoberrevolution, wo von Wien aus eine allgemeine Beamtenflucht einsetzte, auf seinem Posten und führte nach Doblhoffs Rücktritt am 12. Oktober die laufenden Geschäfte, bis er sie im Dezember an den neuernannten Handelsminister K. L. von Brück übergab. Noch von diesem kraftvollen Reorganisator der österreichischen Handelsverhältnisse verwendet und ganz in seinem Sinne tätig, verlor B., nachdem Bruck Ende Mai 1851 wegen der sich immer stärker anbahnenden politischen Reaktion seine Entlassung genommen hatte, seine stärkste Stütze und wurde im Mai 1852 aus politischen Gründen, wegen seiner Karriere in der Revolutionszeit, in den Ruhestand versetzt. Er betätigte sich seither in der Privatwirtschaft bei mehreren größeren industriellen und merkantilischen Unternehmungen. B. ist der bedeutendste österreichische Statistiker des Vormärzes, und sein Hauptwerk über das österreichische Münzwesen hat bleibenden Wert.

  • Werke

    Das österr. Münzwesen v. 1524-1838 in hist., Statist, u. legislativer Hinsicht mit Rücksicht d. Münzverhältnisse in d. übrigen Ländern v. Europa, 2 Bde., Wien 1838;
    Statist. Übersicht d. Handels d. österr. Monarchie mit d. Auslande während d. J. 1829–38, 1841;
    Btrr. z. österr. Handels- u. Zollstatistik auf Grundlage d. offiziellen Ausweise v. 1831–42, 1844;

    Die Bevölkerungsverhältnisse d. österr. Monarchie v. 1819–43, Wien 1846;

    Die dt. Zoll- u. Handelsverhältnisse z. Anbahnung d. österr.-dt. Zoll- u. Handelseinigung 1850;

    Organisation d. Gewerbswesens, Wien 1851;
    Die Volkswirtschaft, ebenda 1853.

  • Literatur

    ADB II;
    Wurzbach;
    Hdwb. d. Staatswiss. I, 41923.

  • Autor/in

    Jakob Baxa
  • Empfohlene Zitierweise

    Baxa, Jakob, "Becher, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 691 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116099666.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Becher: Siegfried B., geb. zu Plan in Böhmen im J. 1806. Aus jüdischer Familie entsprossen, widmete er sich dem juristischen Studium an den Universitäten in Prag und Wien, an welch' letzterer er auch die Doctorwürde erlangte. Um seines Fortkommens willen übertrat er zur katholischen Religion, trat im J. 1831 in den Staatsdienst und suchte sich durch eine bald darauf erschienene Schrift „Ueber die Erziehung des höheren Adels“ für eine Anstellung in der Theresianischen Ritter-Akademie zu empfehlen. Später erlangte er eine Professur der Geschichte und Handelsgeographie am Wiener polytechnischen Institute, veröffentlichte neben vielen Lehrbüchern für Realschulen im J. 1838 ein zweibändiges Werk „Das österreichische Münzwesen 1524—1838“, die Frucht fleißiger archivalischer Studien, späterhin eine Reihe von statistischen Arbeiten, insbesondere auf dem Gebiete der Populations- und Handelsstatistik. Nach dem Ausbruche der Bewegung im J. 1848 trat er auf Empfehlung Andrian's, dem er bei dessen Schrift „Oesterreich und dessen Zukunft“ wesentliche Dienste geleistet hatte, unter Doblhoff in das neu errichtete Handelsministerium. In dieser Eigenschaft erhielt er im J. 1849 eine Sendung nach Deutschland und Belgien, die jedoch leinen Erfolg hatte. Nach dem Hereinbruche der reactionären Strömung wurde er im J. 1852 mit zahlreichen Anderen auf Grund von Denuntiationen wegen seiner Sympathie mit der Revolution im J. 1848 aus dem Staatsdienste entlassen. Von da ab beschäftigte er sich theils mit litterarischen Arbeiten, (deren letzte die Schrift „Ueber Volkswirthschaft“, 1853), theils mit finanziellen Projecten. Letztere schlugen jedoch für ihn selbst sehr ungünstig aus, so daß er nach langjährigen vergeblichen Versuchen im J. 1873 in größter Bedürftigkeit und von Sorgen aller Art bedrängt aus dem Leben schied.

    • Literatur

      Wurzbach, Biogr. Lex. I. S. 208.

  • Autor/in

    v. Sommaruga.
  • Empfohlene Zitierweise

    Sommaruga, Franz Freiherr von, "Becher, Siegfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 204 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116099666.html#adbcontent

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