Lebensdaten
1845 bis 1927
Geburtsort
Groß-Friedrichsberg bei Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
Geologe ; Paläontologe ; Professor der Paläontologie und Geologie in Marburg
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 116089849 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kayser, Emanuel

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Zitierweise

Kayser, Emanuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116089849.html [22.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1817–1910), Gutsbes. in G.-F. (1845 verk.), seit 1848 Bes. d. Weinguts in Eden b. Bingen, S d. August Immanuel, Justizrat u. Notar in K., u. d. Amalie v. Schaffstaedt;
    M Amalie (1812–80), T d. Friedrich v. Metz ( 1819), russ. Major a. D., Oberforstmeister d. Gouvernements Smolensk, u. d. Elisabeth v. Wachten (1784–1862), Vorsteherin d. kaiserl. Erziehungshauses in Moskau;
    B Heinrich (s. 2);
    Schw Elisabeth (1847–84), Malerin;
    - 1878 Marie T d. Gutsbes. Hand in Wotrum/Meckl.;
    2 S, 2 T, u. a. Cäcilie ( Woldemar Engelmann, 1942, Jurist, s. NDB IV).

  • Leben

    K. verlebte eine wechselvolle Kindheit. 1854 wurde er auf Grund einer von der russischen Kaiserin bis in die Studienjahre hinein gewährten Unterstützung in das von seiner Großmutter geleitete kaiserliche Erziehungshaus in Moskau aufgenommen, mußte es jedoch wegen seiner stets anfälligen Gesundheit 1857 wieder verlassen. Aus seiner in dieser Zeit erworbenen Aufgeschlossenheit für Rußland erwuchs ihm später eine wichtige Mittlerrolle zwischen der westeuropäischen und der russischen Wissenschaft. Nach dem Besuch der Lateinschule in Wiesbaden und des Pädagogiums in Halle/Saale begann K. 1864 in Halle das Studium der Naturwissenschaften. Dabei widmete er sich vor allem der Mineralogie, ebenso in Heidelberg (1866–67), wo er sich außerdem bei Bunsen im chemischen Arbeiten übte. Seine Berufsausrichtung erhielt K. durch den Geologen und Paläontologen E. Beyrich in Berlin, bei dem er seit 1867 studierte, arbeitete und 1870 zum Dr. phil. promoviert wurde. K. gehörte, wie auch F. von Richthofen, A. von Koenen und andere, fortan zu jener Gruppe deutscher Geologen – die auf Beyrichs moderner paläontologisch-stratigraphischer Lehre aufbauend – ihre eigenen Fachgebiete entwickelten. K. hatte sich bei G. Rose auch mit Petrographie befaßt und bearbeitete zunächst einige Fragen der Gesteinsmetamorphose bei unterschiedlich abstammendem Gestein des Harzes und der Eitel. Schon in diesen ersten Arbeiten stellte er der Fachwelt seine Arbeitsmethoden zur systematischen Ermittlung von paläontologischen Befunden mit Erfolg vor. Nach Ernennung zum Privatdozenten für Geologie an der Universität Berlin (1871) und an der Berliner Bergakademie (1872) wurde K. 1873 zum Landesgeologen (1881 Professor) an der Preußischen Geologischen Landesanstalt Berlin berufen. Neben Schottland, Böhmen, Belgien, Rußland (Ural, Kaukasus, Krim) und Nordamerika, die er meist in Verbindung mit einem Kongreß zur Untersuchung geologischpaläontologischer Fragen bereiste, besuchte K. mehrfach die Alpen und Italien. Seine Hauptforschungsgebiete waren jedoch der Harz und das 1877 erstmals besuchte, in der Folge gründlich erforschte Rheinische Schiefergebirge, dessen Nähe entscheidend für seine spätere – mehr als 30jährige – Tätigkeit in Marburg (1885–1917) wurde. Die von Berlin aus begonnene geologische Kartierung setzte er bis 1915 fort und fertigte dabei 12 Blätter der Geologischen Spezialkarte von Preußen und den Thüringischen Staaten (1 : 25 000) an; die meisten davon betrafen den Harz, das Rheinische Schiefergebirge und den Dillkreis, der besonders ausführlich dargestellt wurde. Als K. die von Beyrich und Lossen aufgeworfene „Hercynische Frage“, nämlich die der erdgeschichtlichen Einordnung der Harzsteine, später auch der des Rheinischen Schiefergebirges, wieder aufgriff, stellte er sie unter Heranziehung stratigraphischer sowie paläozoischer Kriterien als neue, von der gültigen Einteilung erheblich abweichende Devonschichtgliederung dar. Die sich daraus ergebende Auseinandersetzung mit J. Barrande (Prag) und dessen andersartigen, dem Silur zugeordneten Stufen F, G und H, endete zu K.s Gunsten und bestätigte seine neue Arbeitsmethodik. 1882 gründete er mit W. Dames neben der bisher einzigen Fachzeitschrift „Palaeontographica“ die „Paläontologischen Abhandlungen“, deren Herausgabe er nach 7 Bänden an E. Koken übertrug; 1884-85 war er zudem in der Redaktion der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft tätig. 1885 wurde er als Nachfolger W. Dunkers an die Universität Marburg als ordentlicher Professor der Geologie und Paläontologie und als Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts berufen (1893 und 1909 Dekan, 1897 Rektor, Emeritierung 1917). Trotz mangelhafter Zustände des Instituts in der alten Sternwarte „am Renthof“ übernahm er auch den neu einzurichtenden Lehr- und Forschungsbetrieb. Durch Einzug in das neue Geologisch-Paläontologische Institut im Deutschordenshaus, endgültig aber erst 1912, wurden alle Probleme gelöst. Eine 1890 erfolgte Berufung an die Universität Königsberg als Nachfolger von W. Branco lehnte er ab. Zusammen mit langjährigen Mitarbeitern, vor allem P. G. Krause und K. Andrée, schuf K. nach dem Vorbild der Züricher Sammlung seines Freundes A. Heim zunächst einen Grundstock für paläozoisch ausgerichtete Lehr- und Schausammlungen, nahm dann auch allgemein-geologische Objekte hinzu und entwickelte insgesamt als Schausammlung für allgemeine (oder „dynamische“) Geologie die bis heute erhaltenen „Marburger Sammlungen“. Er machte sich neben seinen Leistungen als Forscher und Lehrer auch als Herausgeber des zu internationaler Geltung gelangten „Lehrbuchs der Geologie“ und des „Abrisses der allgemeinen und stratigraphischen Geologie“ verdient. Seit 1917 lebte er in München|

  • Auszeichnungen

    Geh. Reg.rat 1909, 1. Vorsitzender der von ihm am 8.1.1910 in Frankfurt/Main mitbegründeten „Geologischen Vereinigung“ 1910; Mitgl. u. Ehrenmitgl. zahlr. wiss. Ges. u. a. Leopoldina (1883), Geological Society London (1891), Kaiserl. Ak. St. Petersburg (1893), Bayer. Ak. d. Wiss. (korr. 1916, o. 1917).

  • Werke

    u. a. Über d. Contactmetamorphose d. körn. Diabase im Harz (Diss.), in: Zs. d. Dt. Geolog. Ges. 22, 1870, S. 103-72;
    Stud. a. d. Gebiete d. rhein. Devons, IV. Über d. Fauna d. Nierenkalks vom Enkeberge u. d. Schiefer v. Rehden b. Brilon u. üb. d. Gliederung d. Oberdevons im Rhein. Schiefergebirge, ebd. 25, 1873, S. 602-74, 755-56;
    Die Fauna d. ältesten Devon-Ablagerungen d. Harzes, in: Abhh. d. Geolog. Spezialkarte v. Preußen … 2, 1878 (u. Atlas mit 36 Tafeln);
    Über Gletschererscheinungen im Harz, in: Verhh. d. Ges. f. Erdkde. zu Berlin 8, 1881, S. 345-49;
    Die Fauna d. Hauptquarzits u. d. Zorger Schiefer d. Unterharzes, in: Abhh. d. Kgl. Preuß. Geolog. Landesanstalt NF 1, 1889 (mit 24 Tafeln);
    Über d. stratigraph. Beziehungen d. böhm. Stufen F, G, H Barrandes zum rhein. Devon (mit E. Holzapfel), in: Jb. d. K. K. Geolog. Reichsanstalt Wien 44, H. 3, 1894, S. 479-514 u. in: Jb. d. Preuß. Geolog. Landesanstalt f. 1893, 14, 1894, S. 236-84;
    Abriß d. geolog. Verhältnisse Kurhessens, in: C. Hessler, Hess. Landes- u. Volkskde., 1904, S. 1-26 (1 Karte);
    Zu welchen schweren Schäden führt e. übertriebene Betonung d. Geol. in d. Geogr.? (mit W. Branco), in: Zs. d. Dt. Geolog. Ges. 71. B, 1919, S. 30-44;
    Lehrb. d. Geol. I/II, 1890 (engl. v. Ph. Lake 1893), 21895, I-IV, davon I/II, 7 u. 81923, II/IV, 6 u. 71923/24;
    Abriß d. allg. u. stratigraph. Geol., 1915, 4 u. 51925, 71954 (neubearb. v. R. Brinkmann).

  • Literatur

    E. Koken, Die Dt. Geolog. Ges. in d. J. 1848–98, 1901;
    K. Andrée, Allg. Geol, u. allg.-geolog. Slg. Marburg, Bilder aus d. Marburger Slg., in: Naturwiss. Wschr., 1915 (P);
    K. Andrée, Aus d. Gesch. d. Dt. Geolog. Ges., in: Zs.d. Dt. Geolog. Ges. 100, 1948, S. 1-24 (P);
    ders., in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck V, 1955, S. 188-208 (P);
    F. Broili, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1927, S. 35-37;
    P. G. Krause, in: Jb. d. Preuß. Geolog. Landesanstalt 49, 2, 1928, S. 95-119 (W, P);
    R. Richter, in: Geolog. Rdsch. 19, 1928, S. 155-60;
    Hdwb. d. Naturwiss. V, 1935, S. 796 (W, L);
    Pogg. III, IV, VI.

  • Autor/in

    Heinz Walter
  • Empfohlene Zitierweise

    Walter, Heinz, "Kayser, Emanuel" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 379-381 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116089849.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA