Lebensdaten
1864 bis 1899
Geburtsort
Baja (Südungarn)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftstellerin
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 116081392 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dery, Juliane
  • Deutsch, Juliane (eigentlich)
  • Déry, Juliane
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Zitierweise

Déry, Juliane, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116081392.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dt.-jüdischer Kaufmannsfamilie;
    V Moritz Deutsch, Kaufm. u. Großpächter in Baja (Selbstmord bald nach 1873); ledig.

  • Leben

    D. besuchte die jüdische Schule in Baja bis zur Übersiedlung der vordem wohlhabenden Familie 1873 nach Wien. Erst hier gab sie die ungarische Muttersprache auf und trat mit der Familie zum Katholizismus über; der madjarisierte Name wurde angenommen. In Wien (bis 1890), nach dem Tod des Vaters in großer Armut aufwachsend, ging sie in die Mädchenbürgerschule und die Klosterschule Sankt Anna (Lehrerindiplom). Ab 1888 veröffentlichte sie Erzählungen (zuerst in Zeitschrift „Deutsche Dichtung“, herausgegeben von K. E. Franzos) und Bühnenstücke (Erstaufführung Coburg 1893, dann Münchener und Berliner Bühnen). Sie verarbeitete, ohne eigenen Stil zu finden, die österreichische Tradition der Anzengruber, Rosegger, Ebner-Eschenbach und Anregungen der modernen Frauenliteratur, auch die Ibsens; später wandte sie sich dem europäischen Naturalismus (besonders Zola) zu; ihre letzten, auch lyrischen Versuche waren von Nietzsche, Liliencron, Dehmel beeinflußt. In Paris 1890-93 verkehrte sie in ersten Gesellschafts- und Schriftstellerkreisen (wie später in München|und Berlin), wurde aber, auf bisher nicht näher geklärte Weise, auch in die Dreyfus-Affäre verwickelt. Nach kürzerem Aufenthalt in Coburg (bis 1895), protegiert von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg, lebte sie bis 1898 in München (Verkehr mit Schriftstellerkreis um die Zeitschrift „Die Gesellschaft“ und Stuck, der sie mehrfach malte; Mitarbeiterin der „Neuen Deutschen Rundschau“, im „Quickborn“ und S. Fischer Verlag). 1898 siedelte sie nach Berlin über, wo sie, nach einer gescheiterten Verlobung, am Karfreitag 1899 Selbstmord beging, möglicherweise mitbestimmt durch die Wendung im Dreyfus-Prozeß.

  • Werke

    s. Kosch, Lit.-Lex., dazu: Selige Liebe, in: Neue Dt. Rdsch., 1896;
    Die Beichten, ebd. 1897;
    Die sieben mageren Kühe (Lustspiel, aufgef. in München u. Berlin, auch u. d. T. Die sieben mageren Jahre), 1897;
    Gedichte, u. a. lyr. Bruchstück Weltgeist u. Weib, in: Quickborn 1898/99;
    Der Stärkere (Einakter), Die Vogeljagd (Skizze v. 1893/95), ebd.;
    nachgel. Dramenfragment Pußtastimme, u. Romanfragment Die Rosa.

  • Literatur

    W. Hegeler, Intimes Theater, in: Neue Dt. Rdsch., 6. Jg., 1895, S. 724 ff.;
    G. Adam, ebd. X. Jg., 1899, S. 885;
    Meisternovellen dt. Frauen, hrsg. v. E. Brausewetter (mit Charakteristiken d. Verf.), 2 Bde., 1897/98 (P);
    A. Gerhard, in: Dokumente d. Frauen, H. 8, Wien 1899;
    M. Janitschek, Stückwerk, 1901 (biogr. Roman);
    J. Reinach, Histoire de l'Affaire Dreyfus I, Paris 1901, S. 165, 203 f., 317, II, 1903, S. 450;
    R. Hollaender, J. D., élete és költészete [J. D.s Leben u. Dichten], Budapest 1915 (P), = Német philologiae Dolgozatok 16 [Arbb. z. dt. Philol.];
    M. Halbe, Jh.wende, Gesch. m. Lebens, 1935, S. 147 f.;
    Brümmer;
    Kosch, Lit.-Lex. (falsches Todesdatum, W, L)

  • Portraits

    Die Gesellschaft, Dez. 1893; O. J. Bierbaum, Stuck, 1899, u. a. S. 86, 89, 115.

  • Autor/in

    Hans Schwerte
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwerte, Hans, "Déry, Juliane" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 611 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116081392.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA