Lebensdaten
1863 bis 1932
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116078073 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaun, Hugo
  • Bold, F.
  • Bold, Ferd.
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Kaun, Hugo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116078073.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Ludwig (1830–86), Fabr. (Weber) in Oberglogau, S d. Mühlenbes. Christian Ludwig u. d. Dorothea Elisabeth Radde;
    M Emma Albertine Wilhelmine (1841–1926), T d. Wilhelm Franz Alexander Kräutlein, Eigentumsbürger u. Fabr. in B., u. d. Caroline Friederike Wilhelmine Anders;
    Chicago 1887 Clara Friedrich (1865–1954);
    1 S, 4 T.

  • Leben

    Schon lange vor Beginn eines geregelten Musikunterrichts versuchte sich K., von den Eltern verständnisvoll gefördert, im Komponieren. Seine ersten Lehrer in Berlin, wo er vorübergehend auch die Hochschule für Musik besuchte, waren Franz Neumann, Friedrich Grabau und Franz Schulz; wesentlich für ihn wurden jedoch erst die Unterweisungen Oskar Raifs (Klavier) und Friedrich Kiels (Komposition), Bereits 1880 übernahm er die Leitung eines Männerchors und gründete bald darauf den K.schen gemischten Chor, mit dem er seine ersten Erfolge errang. Die sich zunehmend verschlechternde pekuniäre Situation im Elternhause und der Tod des Vaters veranlaßten ihn, sein Glück in Amerika zu suchen (1887). Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es ihm, dort Fuß zu fassen und – gestützt auf die Freundschaft von Persönlichkeiten wie dem Chicagoer Kapellmeister Theodor Thomas und dem Musiktheoretiker Bernhard Ziehn – sich eine auch künstlerisch befriedigende Existenz aufzubauen. Vor allem als musikalischer Organisator und als Dirigent des „Milwaukeer Liederkranzes“ gewann er viel Ansehen. 1891 leitete er dort die Festtage des „Nordwestlichen Sängerbundes“, dabei konnte er auch eigene Werke in den Konzertprogrammen präsentieren.

    Trotz dieser vielfältigen Möglichkeiten zog es K. 1902 doch in die Heimat zurück, wo er sich für dauernd in Berlin niederließ. In der deutschen Musikwelt wuchs jetzt seine Geltung ebenfalls; finanziell allmählich unabhängiger werdend, konnte er nun vorwiegend seinem Schaffen leben. 1922 wurde er mit der Leitung einer Kompositionsklasse am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium betraut. K. fühlte sich als Komponist stets etwas zurückgesetzt und nicht genügend beachtet. In seinem letzten Lebensjahrzehnt durfte er mit der Anzahl von Aufführungen seiner Werke zufrieden sein. Die Rostocker K.-Tage im Oktober 1921 sowie die ihm gewidmeten Konzerte („Mutter Erde“) in Milwaukee und Chicago (Juni 1925) mögen hier nur als Beispiele für viele andere Ehrungen stehen. Insgesamt gehört K. zu jener Gruppe von spätromantischen Musikern, denen – trotz einer bestimmten Profilierung – ein Wiederaufleben des Interesses an ihren Werken zunächst nicht vorausgesagt werden kann. Seine langjährige praktische Arbeit mit dem Chor ließ eine fast unübersehbare Fülle von Chorwerken entstehen. Mehr noch als seine Symphonien verdienen die abwechslungsreiche Kammermusik und auch Schöpfungen wie das (textlich wohl kaum mehr tragfähige) Oratorium „Mutter Erde“ sowie vornehmlich das „Requiem“ und die Kantate „Wachet auf“ Beachtung.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (1912).

  • Werke

    u. a. Orch.werke: Symphonie Nr. 2 c-moll, op. 85: Sir John Falstaff, symphon. Dichtung, op. 60;
    Märk. Suite, op. 92. -
    Kammermusik: Klaviertrio Nr. 1 B-dur, op. 32;
    Klavierquintett f-moll, op. 39;
    Streichquartette Nr. 3 c-moll, op. 74, u. Nr. 4 a-moll, op. 114. -
    Opern: Sappho (nach Grillparzer) (Leipzig 1917): Der Fremde (Dresden 1920). -
    Chorwerke: Mutter Erde, Oratorium (Text v. G. P. S. Cabanis), 1911;
    Requiem, op. 116, 1921;
    Kantate „Wachet auf“, 1928. -
    Gemischte Chöre: Frauen- u. Männerchöre a cappella;
    Vom dt. Rhein, Gesangszyklus f. Männerchor, Alt- u. Bariton-Solo u. Klavierbegleitung. -
    Lieder f. 1 Singstimme u. Klavier;
    Klavier- und Orgelwerke. -
    Aus meinem Leben, 1932 (W).

  • Literatur

    W. Altmann, in: Monogrr. moderner Musiker I, 1906, S. 157 ff. (P);
    R. Schaal, H. K. (1863-1932), Leben u. Werk, 1948 (W, P);
    MGG VII (W, L).

  • Portraits

    Radierung v. H. Holzhey, 1920;
    Bronzebüste, v. M. Müller-Martin, ca. 1930;
    Grabplattenrelief v. ders. (Friedhof Berlin-Zehlendorf).

  • Autor/in

    Werner Bollert
  • Empfohlene Zitierweise

    Bollert, Werner, "Kaun, Hugo" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 362 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116078073.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA