Lebensdaten
1852 bis 1928
Geburtsort
Zeitz
Sterbeort
Bad Sulza
Beruf/Funktion
Afrikaforscher
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 116071141 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Denhardt, Gustav Clemens Andreas
  • Denhardt, Clemens
  • Denhardt, Gustav Clemens Andreas
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Zitierweise

Denhardt, Clemens, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116071141.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Gustav (1809–70), Gendarm, Steuererheber, S des Joh. Andr., Bürger u. Schönfärber in Minden, u. der Marg. Charl. Wix;
    M Johanne Wilh., T des Adam Heinr. Weber, Zeug-, Leinen- und Wollenweber in Zeitz, u. der Joh. Sophie Nehring;
    B Gustav (1856–1917), Mitarbeiter seines Bruders; ledig.

  • Leben

    Schon während ihres Ingenieurstudiums in Berlin für Übersee interessiert, richteten sich die Pläne der Brüder D., nach Scheitern ostasiatischer Reisepläne, auf Ostafrika, angeregt durch den Afrikaforscher O. Kersten. Von den durch deutsche Kaufleute und Reisende erkundeten Landstrichen schien das Sultanat Witu/Tana, heute Kenia, die besten Voraussetzungen und Möglichkeiten zu bieten für koloniale Erwerbungen, da dessen Sultan|bereit 1865 preußischen Schutz angestrebt hatte. Unterstützt von seinem Bruder und dem landeskundigen Arzt G. A. Fischer organisierte D. mehrere Expeditionen in das Tanagebiet (1876/77, 1878/79 und nach gründlicher, aber schleppender Vorbereitung 1884/85), mit dem Ergebnis, daß für Witu und Lamu (1300 qkm) ein kaiserlicher Schutzbrief im Mai 1885 ausgestellt wurde, also wenige Wochen nach dem für Deutsch-Ostafrika an C. Peters. Mangelnde finanzielle Unterstützung in der Heimat, schließlich beseitigte Einsprüche des Sultans von Sansibar und starke entgegenstehende englische Interessen verhinderten eine Ausweitung des Witu-Schutzgebietes, dessen Hoheitsrechte inzwischen von den Brüdern D. an die Deutsche Witu-Gesellschaft abgetreten worden waren. So blieb Witu deutsche Enklave im englischen Einflußbereich und scheint früh als Kompensationsobjekt und verlorener Posten von der amtlichen deutschen Politik bewertet worden zu sein. D. selbst wurde Bevollmächtigter und Beamter des Sultans und kam rasch zu Vermögen. Die Überlassung an England (1890) im Rahmen des deutsch-englischen Interessenausgleichs (Helgoland-Sansibar) kam für die Begründer völlig überraschend, enttäuschte sie schwer und brachte sie an den Rand des Ruins, da deutscherseits versäumt worden war, ihre privaten Rechte und Ansprüche vertraglich durch England anerkennen und entschädigen zu lassen. Ein blutiger Aufstand, der 9 deutsche Opfer forderte, zwang sie, ihre Niederlassungen im Stich zu lassen. Die folgenden Jahrzehnte im Leben der Brüder sind erfüllt vom vergeblichen Kampfe um Wiedergutmachung ihrer Verluste durch das Deutsche Reich. Gleichzeitig betätigten sie sich von neuem erfolgreich in Deutsch-Ostafrika, bis der Weltkrieg sie 1919 durch Enteignung abermals schwer traf.

  • Literatur

    H. Schreiber, D.s Griff nach Afrika, 1938;
    R. Schmidt, Kolonialpioniere, Persönl. Erinnerungen, 1938;
    L. v. Caprivi, Der Helgoland-Sansibar-Vertrag, 1938.

  • Autor/in

    Erwin Mai
  • Empfohlene Zitierweise

    Mai, Erwin, "Denhardt, Clemens" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 594 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116071141.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA