Lebensdaten
um 1630 bis 1666
Geburtsort
Niedersachsen oder Hamburg
Sterbeort
Freising
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116060425 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Paudiß, Christoph
  • Pauditz, Christoph
  • Bauditz, Christoph
  • mehr

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Zitierweise

Paudiss, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116060425.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Laut Sandrart aus Niedersachsen.

  • Leben

    Nach einer ersten Ausbildung, möglicherweise in Hamburg, ging P. in den späten 40er Jahren nach Amsterdam, wo er ein „trefflicher Discipel von Rembrand“ wurde, wie Sandrart schreibt. Dem Aufenthalt in den Niederlanden bis zu Beginn der 50er Jahre folgte eine Reise nach Ungarn, deren Zeitpunkt aber nicht genau bestimmbar ist; sicher nachweisbar sind dagegen Aufenthalte an den Höfen in Stuttgart 1656, Dresden 1659/60, Wien 1660/61, Salzburg 1662 und zuletzt seit 1662 im Dienste von Fürstbf. Albrecht Sigismund in Freising, wo er „mit Niemandt kein Gemeinschaft und niemandt mit Ihme“ hatte, wie es in einem zeitgenössischen Brief heißt. Seine letzte Arbeit, das einzige erhaltene Tierstück (Wolf u. Fuchs bei e. gerissenen Schaf, 1666, München, Bayer. Staatsgem.slgg.), entstand anläßlich eines Wettbewerbs mit dem Nürnberger Tier- und Landschaftsmaler Franz Rösel v. Rosenhofo (1626-1700). Laut Sandrart war der sensible, introvertierte P. über die Bevorzugung von Rösels Gemälde so enttäuscht, daß er bereits kurze Zeit danach verstarb.

    P. zählt neben holländ. Malern wie Carel Fabritius, Samuel van Hoogstraten oder Lambert Doomer zur sog. dritten Schülergeneration Rembrandts. Sein Werk weist Arbeiten aus fast allen Gattungen der Malerei auf. Seine Stilleben, Tierstücke, Genredarstellungen und religiösen Gemälde von oft ungewöhnlicher und origineller Thematik stehen unter dem nachhaltigen Einfluß Rembrandts, aber auch der Utrechter und Haarlemer Malerschule. Neben Govaert Flinck (1615–60) aus Kleve und Jürgen Ovens (um 1623–78) aus Schleswig, die ebenfalls Schüler Rembrandts waren, gehört P. zu den deutschen Malern, die aus dem Vorbild des Holländers eine eigenständige Malweise entwickelten.

    Seine ersten datierten Gemälde erinnern nicht nur in der Auffassung des Motivs, sondern auch im Stil an Rembrandt-Gemälde der 30er Jahre (Lot u. seine Töchter, 1649, Budapest, Szépmüvészeti Múzeum; Bildnis e. alten Mannes, 1654, Dresden, Gem.gal.). Eine graugedämpfte Koloristik und ein dünner, lasierender Farbauftrag ergeben ein Helldunkel; die Motive wirken wie in Nebel gehüllt. Seit den 60er Jahren entwickelte P. Rembrandts Helldunkel auch unter dem Einfluß der Utrechter Schule zu größerer Helligkeit. Im Gegensatz zu Rembrandt, der aus dem Dunkel heraus gestaltete, setzte P. seine Objekte nun in lichten, klaren Farben auf den hellen Grund. Seine in den 60er Jahren entstandenen religiösen Gemälde (Tempelreinigung, 1664, Freising, Diözesanmus.; Marter d. hl. Thiemo, 1666, Wien, Kunsthist. Mus.) schließen in ihrer übertriebenen und überspitzten Haltung an die Pathetik Rembrandts aus den 30er Jahren an, doch fehlt ihnen die psychologische Zuspitzung. P. entwickelte aus dem Vorbild vielmehr eigenwillige Inszenierungen des Themas, die auch farblich eigenständig blieben. P., von dessen Werk mehr als die Hälfte verloren ist, zählt zu den bedeutenden Vertretern einer hohen Malkultur von koloristischem Rang, die allerdings erst im 18. Jh. angemessen gewürdigt wurde.

  • Werke

    Weitere W Abraham u. Isaak, um 1556/58 (Stuttgart, Staatsgal);
    Der alte Bauer mit d. Kälbchen u. d. Metzger, 1662 (Freising, Diözesanmus.);
    Hofmetzger v. Freising, 1664 (München, Bayer. Staatsgem.slgg.);
    Auf d. Weg z. Markt, um 1665 (ebd.);
    Hl. Hieronymus, 1664 (ebd.);
    Bauern in e. Hütte, um 1664 (Wien, Kunsthist. Mus.);
    Martyrium d. hl Erasmus, 1666 (ebd.).

  • Literatur

    J. v. Sandrart, Teutsche Ac. d. Edlen Bau- Bild- u. Mahlerey-Künste (…), 1675, hg. v. R. A. Peltzer, 1925, S. 349 f.;
    ders., C. P. u. seine Tätigkeit in Freising, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst NF 12, 1937/38, S. 251-90;
    A. N. Isergina, in: Dresdner Kunstbll. 6, 1962, S. 130-37;
    Dt. Maler u. Zeichner d. 17. Jh., Ausst.kat. Berlin 1966, S. 64 ff.;
    G. Adriani, Dt. Malerei im 17. Jh., 1977, S. 116;
    W. Sumowski, Gem. d. Rembrandt-Schüler, IV, 1983, S. 2313-60;
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Selbstbildnis mit grauem Hut, um 1655 (Dresden, Staatl. Kunstslgg.);
    Selbstbildnis, 1661 (Prag, Narodni Gal.).

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Paudiss, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 104 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116060425.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Paudiß: Christoph P. (nicht Christian, wie Förster angiebt), Pauditz, Bauditz, Paudiz, Paudisch, Pudiß, Baudies etc., hervorragender Maler aus Rembrandts Schule, wol aber kein Schüler Rembrandts selbst. Ueber sein Leben wissen wir nur wenig. Er soll 1618 in Niedersachsen geboren und 1666 (nicht 1669, wie Hübner vermeint) zu Freising bei München, von wo Nachrichten über ihn leider nicht eingegangen sind, als Hofmaler des Fürstbischofs daselbst gestorben sein. Er selbst giebt 1660 in einem Schreiben an den Kurfürsten von Sachsen, dessen Hofmaler er damals war, an, daß er sich geraume Zeit „in Ungarn, in Niederlandt und andern Orten“ aufgehalten habe. Sein vorzüglichstes Werk dürfte das im K. S. Jagdschlosse zu Moritzburg befindliche, einen inmitten reicher Jagdbeute mit Ausweiden von Wild beschäftigten Jäger (P. selbst) darstellende Gemälde aus dem Jahre 1660 sein, welches er dem Kurfürsten Johann Georg II. vor seiner Uebersiedelung nach Wien verehrte. In der Dresdner und der Wiener (Belvedère, S. Gsell, verkauft 1870) Galerie sind ebenfalls mehrere Stücke von Paudiß' Pinsel aufbewahrt, desgleichen in der alten Pinakothek zu München, bezw. jetzt im Schlosse und in dem Gemäldedepot zu Schleißheim bei München, im Dome zu Freising, in der Galerie zu Augsburg (das im Landauer Bruderhause zu Nürnberg aufbewahrt gewesene Stück ist nicht mehr dort), auch 1852 wurden mehrere Stücke von P. aus dem Staatsbesitze veräußert (noch 1805 befand sich das seither verschollene Bild in der kurfürstlichen Galerie), in Würzburg, Dessau, Prag (Nostitz'sche Sammlung), während die Angabe, es besitze auch Schwerin Werke von P., unbegründet ist. Dagegen befindet sich in Petersburg (Eremitage) ein Stillleben von ihm, auch wurde eine interessante und überaus curiose Arbeit von ihm vor kürzerer Zeit in Köln verkauft (Bredius i. d. Kunstchronik 1886). P. soll aus Aerger über eine mit dem unbedeutenderen Thiermaler Rosenhoff (Franziskus Rössel?) mißglückte Concurrenz — Sandrart? — (jetzt in Schleißheim, das Rosenhoff'sche in Bamberg, Katalog Nr. 330, bez. Franciscus Roesel van Rooshoff f. anno 1666) gestorben sein.

    • Literatur

      Sandrart, Füßli, Descamps, Houbraken, Brulliot, Förster (Gesch. d. dtsch. Kunst III, 1855), Waagen (Kunstwerke und Künstler in Dtschl., I, 1843), Bryan, Stanley, Balkema, Kramm u. s. w., Nagler (Künstlerlexikon und Monogrammisten), Woermann (Braun's Dresdn. Galeriewerk XI, 374), Distel (Zeitschrift f. Museol. Ihrg. IV, Nr. 22 und Kunstchronik, 20. Ihrg., Nr. 32), von Engerth (Gemälde, II. Bd., 1884). In dem Dresdner Galeriekatalog — 5. Aufl. (Hübner) — ist unter Nr. 1819 statt 1689 1659 zu lesen.

  • Autor/in

    Theodor Distel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Distel, Theodor, "Paudiss, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 242 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116060425.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA