Lebensdaten
1890 bis 1961
Geburtsort
Marienburg (Westpreußen)
Sterbeort
Rottenburg/Neckar
Beruf/Funktion
Mathematiker
Konfession
evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 116035757 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kamke, Erich
  • Kamke, E.
  • Kamke, Erich Willi Hermann
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kamke, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116035757.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1855–1908), Oberbahnassistent, S d. Landwirts Friedrich Wilhelm u. d. Henr. Wilh. Augusta Burow;
    M Minna (1865–1944), T d. Schlossermeisters Hermann Glaubitz u. d. Auguste Klump;
    Berlin-Charlottenburg 1918 Dora, T d. Aron Heimowitch (1861–1915), kaufm. Dir. in e. Seifenfabrik in Warschau bis 1915, danach in Pinsk, u. d. Estera Recha Pomeranc;
    1 S, 2 T u. a. Detlef (* 1922), Prof. d. Experimentalphysik.

  • Leben

    Nach dem Studium der Mathematik und Physik in Gießen und Göttingen (1913 Staatsexamen, 1914 Privatassistent bei E. Landau) und Teilnahme am 1. Weltkrieg erfolgte K.s Promotion in Göttingen bei Landau 1919 mit der Dissertation „Verallgemeinerung des Waring-Hilbertschen Satzes“. 1920-26 war er Studienrat in Hagen (Westfalen). Nach der Habilitation in Münster (1922) hielt er neben dem Schuldienst Vorlesungen an der Universität Münster. – 1926 wurde K. als außerordentlicher Professor nach Tübingen berufen, aber bereits 1937 in den Ruhestand versetzt, weil seine Frau jüdischer Herkunft war. In den Jahren, als ihm das Lehren untersagt war, schrieb er im Auftrag der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt das Standardwerk „Differentialgleichungen, Lösungsmethoden und Lösungen“ (I 1942, 41951, II 1944, 31956, englische u. russische Übersetzungen). 1945 wurde K. zum ordentlichen Professor an der Universität Tübingen ernannt. Ihr blieb er bis zur Emeritierung (1958) aktiv verbunden. Sein ursprüngl. großes Arbeitsthema, das Waringsche Problem, schloß K. mit der Berufung nach Tübingen ab. Hier wandte er sich im Zuge von Vorlesungsverpflichtungen vor allem dem zum Teil noch recht wenig erschlossenen Gebiet der Differentialgleichungen zu. Mit großer Konsequenz durchdachte er die analytischen Grundlagen neu und legte nach und nach für das Anfangswertproblem bei gewöhnlichen, dann bei partiellen Differentialgleichungen 1. Ordnung, danach für die Rand- und Eigenwertprobleme, schließlich für die partiellen Differentialgleichungen 2. Ordnung exakte Fundamente. Seine Lehrbücher erzielten hohe Auflagen und wurden ins Englische und Russische übersetzt. Gleichwertig ist in den Auswirkungen neben seinem internationalen Einfluß auf Lehre und Forschung auch sein Einsatz in nationalen und internationalen Ausschüssen zur Reform des Schul- und Hochschulunterrichts. Beim Wiederaufbau der Universität Tübingen wurde ihm die Reorganisation zahlreicher sozialer Institutionen übertragen (Studentenwerk, Mensa, Wohnheime, Wohnungsfürsorge, Verfassungsfragen). – Im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft sorgte er für die Entwicklung und Koordinierung elektronischer Rechenanlagen im In- und Ausland. Zudem begründete K. 1947 die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) wieder, führte mehrere Jahre den Vorsitz, gab den „Jahresbericht“ heraus, veranstaltete Tagungen und führte 1950 die Aufnahme der DMV in die im gleichen Jahre gegründete Internationale Mathematiker-Vereinigung herbei. K. war 1952-55 2. Vizepräsident dieser Union.

  • Werke

    Weitere W u. a. Mengenlehre, 1928, 31955;
    Differentialgleichungen reeller Funktionen, 1930, 21950, Nachdr. 1952. -
    Mithrsg.: Math. Zs. 39 ff., 1935 ff.;
    Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 54 ff., 1950 ff.

  • Literatur

    H. Ehlich, in: Jber. d. Dt. Mathematiker-Vereinigung 69, 1968, S. 191-93;
    W. Walter, Das wiss. Werk v. E. K., ebd., S. 193-205 (W-Verz.);
    H. Kneser, Der Mensch E. K., ebd., S. 206-08;
    Pogg. V-VII a.

  • Portraits

    Phot. in: 100 J. Math.-naturwiss. Fak. d. Univ. Tübingen, 1963.

  • Autor/in

    Hans Rohrbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Rohrbach, Hans, "Kamke, Erich" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 81 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116035757.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA