• Genealogie

    V Johann (1857–91), Techniker, S d. Wilhelm u. d. Katharina Trompeter;
    M Gertrud (1858–1933), T d. Theodor Lucas u. d. Gertrud Lochkämpner;
    Essen 1907 Johanna (1878–1963), T d. Lokomotivführers Joh. Massenberg u. d. Maria Schürmann;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Lehrerseminars wirkte K. 1902-13 als Lehrer an Volks- und Mittelschulen in Essen und Frankfurt. Seit 1908 betrieb er daneben handelswissenschaftliche Studien, lehrte seit 1913 an der städtischen Handelslehranstalt zu Frankfurt/M. und bestand 1915 an der Frankfurter Akademie das Examen für Diplom-Handelslehrer. Nach Teilnahme am 1. Weltkrieg setzte er seine Studien an der Universität Frankfurt fort, promovierte hier 1919 zum Doktor der Staatswissenschaften mit der Arbeit „Die Reichsbank im Krieg aufgrund ihrer Wochenausweise“, wurde Lehrbeauftragter und habilitierte sich 1922 für Betriebswirtschaftslehre mit der Schrift „Kreditbankbilanzen“. Bereits 1923 wurde er an der Universität Frankfurt zum außerordentlichen und 1924 zum ordentlichen Professor für Betriebswirtschaftslehre ernannt. 1926 wurde er hier Direktor des Instituts für Wirtschaftswissenschaften, Abteilung Bankwesen und Finanzierung, 1936 übernahm er die Leitung der Abteilung Industriewirtschaft im gleichen Institut, dazu 1942 noch die wissenschaftliche Leitung des Instituts für Industriewirtschaft der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (seit 1949 Hess. Institut für Betriebswirtschaft), das ihm auch nach dem 2. Weltkrieg eine intensive Wirkungsmöglichkeit bot. Vorübergehend mit der Vertretung des Ordinariats für Bankwirtschaft an der Universität Köln beauftragt, wurde er 1950 wieder mit Lehraufgaben an der Universität Frankfurt betraut.

    Nicht nur als akademischer Lehrer, sondern auch als Wissenschaftler und Praktiker hat sich K. einen bedeutsamen Ruf weit über die Grenzen Deutschlands hinaus erworben. Zu den Hochschullehrern, die seine Entwicklung nachhaltig beeinflußten, rechnete er in erster Linie Fritz Schmidt. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen begann K.|auf dem Gebiet der Bankbetriebslehre, deren Entwicklung zu einer selbständigen Betriebswirtschaftslehre er wesentlich zu fördern vermochte. Sein Interesse galt dabei ebenso den einzelnen Bankbetrieben wie den Institutsgruppen und den Beziehungen der Bankbetriebe zur Gesamtwirtschaft und zu den Betrieben anderer Wirtschaftszweige. Mit besonderer Intensität widmete sich K. auch den Problemen des betrieblichen Rechnungswesens, wobei zeitbedingte Dringlichkeiten oft den Anstoß gaben. Weite Verbreitung fanden seine grundlegenden Lehrbücher „Kaufmännisches Rechnen“ (1929) und „Kaufmännische Buchhaltung“ (1929). Schließlich wandte sich K. auch noch den Problemen des Industriebetriebes zu, dessen Hauptfunktionen er gründlich erforschte. Früh erkannte er die Notwendigkeit, dem Menschen im Betrieb die ihm gebührende Rücksichtnahme zuteil werden zu lassen. Ihren Niederschlag fanden diese Gedanken vor allem in der Schrift „Der christliche Gedanke in der Wirtschaft“ (1949). Enge Verbindung hielt K. stets zur betrieblichen Praxis, von der er Anregungen für seine Lehr- und Forschungstätigkeit empfing und für die er beratend, gutachtend und lehrend tätig wurde. So beschäftigten ihn Erziehungs- und Bildungsfragen nicht nur als akademischen Lehrer, sondern auch im Hinblick auf die Aus- und Fortbildung von Praktikern in der Wirtschaft, wobei ihm seine pädagogische Ausbildung und seine große Lehrerfahrung zu hervorragenden Erfolgen verhalfen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Praxis d. Goldmarkbilanzierung u. d. Kapitalumstellung, 1924, 21925;
    Bankbetriebslehre, 1929, 31961;
    Finanzierung, 1929;
    Finanzierung d. Unternehmung, 1953;
    Rechnungswesen industrieller Klein- u. Mittelbetriebe, 2 Bde., 1939 f., 21941;
    Industriebetriebslehre, 1948, 81972;
    Industrielles Rechnungswesen, 3 Bde., 1948, 71973.

  • Literatur

    K. Theisinger, Die Führung d. Betriebes, Festschr. z. 60. Geb.tag v. W. K., 1942 (P);
    R. Henzler, in: Zs. f. Betriebswirtsch., 1951, S. 66-73 (P);
    C. Ruberg, in: Zs. f. handelswiss. Forschung, 1951, S. 132-39 (W-Verz.);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41 u. 1950 (W-Verz.).

  • Autor/in

    Rosemarie Kolbeck
  • Empfohlene Zitierweise

    Kolbeck, Rosemarie, "Kalveram, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 76-77 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116035447.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA