Lebensdaten
1781 bis 1848
Geburtsort
Hof/Saale
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Konsistorialrat ; Professor der Theologie in Erlangen
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11602657X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaiser, Gottlieb Philipp Christian
  • Kaiser, Gottlieb P.
  • Kaiser, Theoph. Philip. Christian.
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Zitierweise

Kaiser, Gottlieb Philipp Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11602657X.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus (1734–1800), Pfarrer in H., S d. Schreiners Benedikt in Marktredwitz;
    M Joh. Elisabeth Friederike, T d. Christian Philipp Tretscher (1703-n. 1770), Sekr. d. Landeshauptmannschaft Hof;
    B Christian Ernst Nikolaus v. K. (bayer. Personaladel 1849, 1774-1855), D. theol., Hauptprediger u. Dekan in Ansbach, 1817 Kreiskirchenrat in Bayreuth, 1829 1. Hauptprediger u. Oberkonsistorialrat in München, guter Kenner d. Theol.gesch. u. zeitgenöss.-kirchl. Entwicklung, die er in Synodalreden u. Broschüren, offen f. Reformideen, abwägend u. stilist, gewandt besprach, supranaturaler Rationalist, guter Prediger (s. L);
    - 1) Ansbach 1811 Charl. Christiane Frieder. ( 1814), T d. Geh. Hofrats Joh. Erhardt Richter in Ansbach u. d. Maria Margareta Ursula Kraus, 2) Igensdorf Kr. Forchheim 1815 Henriette Magd. Joh. ( 1867), T d. Gottlieb Frdr. Eberhard Meyer, Stadtsyndikus, Justizkommissar u. Appellationsgerichtsadvokat in Münchberg;
    2 K aus 1) (früh †), 7 S (2 früh †), 6 T (1 früh †) aus 2) N Christian ( 1866), Begründer (1845) d. Christian-Kaiser-Verlags in München (s. L);
    Groß-N Samuel Gottfried Christoph Cloeter (1823–94), Chiliast u. in Franken als Anreger e. Auswanderungsbewegung nach d. Kaukasus hervorgetreten.

  • Leben

    K. studierte in Leipzig und Erlangen Theologie, war Pfarrer in Hof und Münchberg, kam 1814 als Diakonus nach Erlangen und wurde 1815 Privatdozent und Doctor theologiae und 1816 (1817 ordentlicher) Professor der Theologie; bis 1822 war er außerdem noch im kirchlichen Dienst tätig. Breiter Lehrerfolg blieb ihm versagt. Sein wissenschaftlicher Ruf beruht nicht auf den zahlreichen kleineren, meist lateinisch geschriebenen Untersuchungen (vorwiegend Universitätsprogrammen) zur Exegese, denen jeder große Zug fehlt, sondern mittelbar auf seinem 1813 erschienenen Hauptwerk „Die biblische Theologie oder Judaismus und Christianismus nach der grammatisch-historischen Interpretationsmethode und nach einer freymüthigen Stellung in die kritisch vergleichende Universalgeschichte der Religionen, und die universelle Religion“ (1813/24). F. C. Baurs kritische Rezension des Werkes (1818) ist heute fast bekannter als K.s unzulänglicher und sprachlich schwerfälliger Versuch, in (mißverstehender) Anknüpfung an die fränkischen Theologen G. L. Bauer und J. Ph. Gabler den Gedanken der stufenweisen Entwicklung der Religion in ihrer Geschichte fruchtbar zu machen und|von ihm aus die Zusammengehörigkeit von Biblischer Theologie und religionsgeschichtlichem Vergleich zu verdeutlichen. Dieser Versuch war wegweisend für die religionsgeschichtlich orientierte Bibelwissenschaft. K.s Schriften über Pastoraltheologie (1816) und „geistliche Rhetorik“ (1816) sowie Dogmatik (1819) hatten kaum Resonanz. Dagegen wurde er aufgrund einer inneren Wandlung zwischen 1813 und 1816 als einer der theologischen Brückenbauer von der rationalistischen zur supranaturalistischen Theologie, als Anhänger Hamanns und als Freund der Erweckungsbewegung zunehmend bedeutsam für die allmähliche Erneuerung der Erlanger Theologie nach 1830.

  • Literatur

    ADB 15;
    G. W. A. Fikenscher, Gel. Fürstentum Bayreuth V, 1803, S. 3-8 W-Verz.);
    E. A. Zuchold, Bibl. theologica I, 1864, S. 640;
    M. Simon, Bayreuth. Pfarrerbuch, 1930, S. 152;
    F. W. Kantzenbach, Die Erlanger Theol., Grundlinien ihrer Entwicklung im Rahmen d. Gesch. d. Theol. Fak. 1743-1877, 1960, S. 87-97;
    O. Merk, Bibl. Theol. d. NT in ihrer Anfangzeit, 1972, S. 214-216. - Zu B Christian Ernst Nik.:
    v. Hagen, in: Archiv f. Gesch. u. Alterthumskde. v. Oberfranken 6, 1856, S. 77-100;
    M. Simon, Ansbach. Pfarrerbuch, 1955, S. 229 (W, L); - zu N Christian:
    1845-1970, 125 J. Chr.-Kaiser-Verlag München, 1970, S. 15-29.

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Kantzenbach
  • Empfohlene Zitierweise

    Kantzenbach, Friedrich Wilhelm, "Kaiser, Gottlieb Philipp Christian" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 39 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11602657X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kaiser: Dr. Gottlieb Philipp Christian K., Consistorialrath und Professor der Theologie in Erlangen, geb. am 6. Mai 1781 in Hof, 1847 in Erlangen, verdienstvoller Theologe der Erlanger Schule, wurde, nachdem er schon verschiedene geistliche Stellen bekleidet und acht Jahre lang seine Kräfte auch im Schuldienste versucht hatte, 1816 Stadtpfarrer in Erlangen und nach dem Tode Berthold's 1822 zweiter Professor der Theologie, nach Vogel's Tode 1834 erster Professor daselbst. Sein Leben bietet, nach Außen betrachtet, wenig Abwechslung, eine desto bedeutendere nach Innen. K., nachdem er geraume Zeit hindurch der rationalistischen Anschauung gehuldigt, wendete sich zu den positiven Lehren des Christenthums zurück, unter deren Einfluß er sich bei seiner Confirmation so glücklich gefühlt hatte. Zu solcher Umkehr war er theils durch seine Erfahrungen an Kranken- und Sterbebetten, theils durch die großen Weltbegebenheiten jener Zeit nach und nach vorbereitet worden. Das geschah während seiner Wirksamkeit als dritter Geistlicher oder Subdiaconus in Müncheberg. Er machte in Erlangen die Erfahrung, daß die Kirchen sich wieder füllten, je mehr er das positive Christenthum in seinen Predigten walten ließ. Aus seiner Amtsthätigkeit als Professor ist anzuführen, daß er sich zur Förderung seiner Zuhörer mehr und mehr an das Wort der Bibel hielt und dadurch mit dem kirchlichen System immer wie mehr befreundet wurde. „Das Mythische", sagt er, „an der Bibel war mir längst zur Fabel geworden und ich lernte bald das Aenigmatische derselben erkennen, indem noch die Ewigkeit an ihren Bildern und Erzählungen zu deuten haben wird." — Ferner sagt er: „ich glaubte in den akademischen Vorträgen dann am meisten meinen Zuhörern zu nützen, wenn ich nach und nach die wichtigsten Theile der ganzen Schrift alten und neuen Testaments erklären und meinen Vorlesungen über systematische und praktische Theologie zu Grunde legen würde." „Es war nun für mich Bedürfniß geworden, den tiefsten Zusammenhang der Offenbarungsschrift von der Genesis bis zur Apokalypse als ein Werk der göttlichen Wahrheit immer aufs neue zu betrachten und es ist mir — Dank sei es der Vorsehung — zu Theil geworden, diesen Plan auszuführen“, wobei er sich auf seine fast ganz ungedruckt gebliebene exegetische Arbeit bezieht und hinzusetzt, daß er seit 1832 jene Schrift im evangelischen Seminar erklärte. Das Alles erfahren wir aus einem Manuscript, betitelt „Selbstbiographie und Selbstgeständnisse“, welches dem Referenten vom Sohne des verehrten Mannes, dem Herrn Professor der Musik K. in Altdorf, zur Benutzung gütigst ist mitgetheilt worden. In demselben Manuscript sind auch die Schriften des unermüdlichen Mannes verzeichnet, die sich auf nicht weniger als 66 belaufen, freilich zum Theil sehr klein, dabei von sehr verschiedenartigem Inhalte, z. B. „Elegie auf den Tod Max. I.“, 1825, eine neue Ausgabe der Metamorphosen Ovid's etc. Sie erstrecken sich vom J. 1795—1847. Von Bedeutung für uns sind die theologischen Schriften „De revelatione universali“, 1815; „Entwurf eines Systems der Pastoraltheologie", 1816; „System der christlichen Rhetorik“, 1816; „Grundriß eines Systems der neutestamentlichen Hermeneutik“, 1817; „De cosmogonia mosaica“, 1826 u. A.

  • Autor/in

    Herzog.
  • Empfohlene Zitierweise

    Herzog, Johann Jakob, "Kaiser, Gottlieb Philipp Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 8 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11602657X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA