Lebensdaten
1798 bis 1868
Geburtsort
Maar (Kreis Lauterbach, Hessen)
Sterbeort
Hütteldorf bei Wien
Beruf/Funktion
Agrarwissenschaftler ; Agrarpolitiker ; landwirtschaftlicher Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116013990 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pabst, Heinrich Wilhelm (bis 1845)
  • Pabst, Heinrich Wilhelm von
  • Pabst, Heinrich Wilhelm (bis 1845)
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Zitierweise

Pabst, Heinrich Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116013990.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp Jakob P. (1765-1819), Revierförster d. Frhr. Riedesel v. Eisenbach in M., S d. N. N., Oberförster d. Gf. v. Erbach;
    M Karoline (1772–1809), T d. Pfarrers N. N. Dieffenbach in Freiensteinau (Oberhessen) (vgl. Dt.GB 32);
    B Christian Wilhelm ( 1867), Redakteur d. Darmstädter Ztg.;
    Stuttgart 1824 Sophie, T d. Konduktors Keppel auf d. Eichhof b. Hersfeld;
    3 T.

  • Leben

    Nach der Volksschule in Maar und der Lateinschule in Lauterbach erhielt P. 1812-16 Privatunterricht mit Schwerpunkt Landwirtschaft bei Frhr. Georg Karl v. Riedesel in Eisenach. Nach einer zweijährigen Studienreise durch Mittel- und Ostdeutschland wurde er 1818-21 Wirtschaftsinspektor der Riedeselschen Güter. Sein Wunsch nach akademischer Weiterbildung führte ihn in das neugegründete landwirtschaftliche Institut Hohenheim, wo er 1821/22 studierte und 1822-31 zum Buchhalter, Ökonomierat, Dozent und Leiter der angegliederten Ackerbauschule aufstieg. 1831 zog er als „Ständiger Sekretär der im Ghzgt. Hessen neu zu errichtenden Ackerbau-Gesellschaften“ nach Darmstadt. Hier gründete er außerdem 1833 ein privates landwirtschaftliches Institut in Kranichstein,|war 1835-38 Mitglied des hess. Landtags und Mitbegründer und Vizepräsident des 1. landwirtschaftlichen Kongresses 1837 in Dresden. 1839-43 übernahm er als Professor die Leitung der 1835 gegründeten preuß. Staats- und landwirtschaftlichen Akademie Eldena und den Vorsitz im Verein zur Förderung der Landwirtschaft in Pommern. In Eldena erwarb sich P. solches Ansehen, daß er 1843 zum Geheimen und Vortragenden Rat ins Ministerium des preuß. kgl. Hauses in Berlin berufen wurde. In diesem Amt hatte er die preuß. Domänenverwaltung, das Referat für Landeskulturangelegenheiten und sämtliche preuß. landwirtschaftlichen Unterrichtsanstalten zu leiten; zudem war er Mitglied des Landesökonomiekollegiums. 1845 kehrte P. als Direktor der Akademie Hohenheim und Mitglied der Zentralstelle des Landwirtschaftlichen Vereins nach Württemberg zurück. Als Direktor in Hohenheim gelang ihm die Durchsetzung einer neuen Hochschulverfassung und die Erhebung des Instituts zur Akademie. Im Streit mit dem württ. Ministerium nahm er 1850 den Ruf als Wirklicher Rat ins Wiener Ministerium für Landeskultur und Direktor der landwirtschaftlichen Lehranstalt in Ungarisch-Altenburg an. Als 1861 das Ministerium für Handel und Volkswirtschaft in Wien eingerichtet wurde, übernahm P. als Ministerialrat die Leitung des Departements Bodenkultur, was ihn zum Chef der gesamten österr.-ungar. Landwirtschaftsverwaltung machte. 1867 wurde er krankheitshalber ehrenvoll in den Ruhestand versetzt.

    P.s Wirken in der Land Wirtschaftsverwaltung und beim Aufbau eines landwirtschaftlichen Vereins- und Bildungswesens ist nicht hoch genug zu schätzen. 49 landwirtschaftliche Gesellschaften ernannten ihn zum Ehrenmitglied. Seine agrarwissenschaftlichen Ansichten als Vertreter der sog. Rationellen Landwirtschaftswissenschaften wurden durch die Entwicklung der Naturwissenschaft um die Mitte des 19. Jh. überholt. Gegen Ende des 19. Jh. wurde P.s wissenschaftliches Werk kaum noch wahrgenommen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. bzw. Ehrenmitgl. zahlr. landwirtschaftl. Ges. u. Ver. in Dtld. u. Österr.-Ungarn, d. Ak. d. Landbaus Stockholm (1842), d. Landwirtschaftl. Ges. Moskau (1843); Ritterkreuz I. Kl. d. hess. Ludwigsordens (1837) u. d. ordens d. Württ. Krone (1847); Dr. h. c. (Gießen 1840).

  • Werke

    Üb. d. Verbesserung d. Landwirtsch. im Ghzgt. Hessen, 1823;
    Btrr. z. höheren Schafzucht mit bes. Rücksicht auf d. Produktion d. hochfeinen Wolle im Kgr. Württ. u. d. angrenzenden Staaten, 1826;
    Üb. d. Bildung z. Landwirthe u. d. Mittel, welche sich dazu darbieten, 1829;
    Anleitung z. Rindviehzucht u. z. versch.artigen Benutzung d. Hornviehs, 1829, 41880;
    Lehrb. d. Landwirtsch., 1832-34, 71878 (P;
    ung. u. schwed.);
    Abb. u. Beschreibung mehrerer in d. J. 1845, 1846 u. 1847 in Hohenheim eingeführten Ackergeräte, o. J.;
    Anleitung z. Kartoffelbau mit Rücksicht auf d. im Herbst 1845 z. Vorschein gekommene Kartoffelkrankheit, 1846. Anleitung z. zweckmäßigen Kultur u. Bereitung d. Flachses in Württ., 1848;
    Landwirtschaftl. Taxationslehre, 1853, 31881;
    Üb. landwirtschaftl. Fortbildungsschulen u. Wanderlehrer sowie üb. d. Mittel z. Bildung u. Belehrung d. Bauernstandes überhaupt, 1867. – Hg.: J. N. Schwerz' landwirtschaftl. Nachlaß, 1845;
    Landwirtschaftl. Erfahrungen in Hohenheim, 1849;
    Zs. f. d. landwirtschaftl. Ver. d. Ghzgt. Hessen, 1831-39;
    Amtl. Ber. üb. d. Versig. dt. Landwirthe 1837, 1838.

  • Literatur

    ADB 25;
    F. J. P. Riecke, Nachweisungen üb. Lebensverhältnisse u. Leistungen d. in Hohenheim v. 1818-59 angestellt gewesenen Lehrer, 1859;
    W. v. Hamm, in: P.s Lehrb. d. Landwirtsch., 71878;
    W. Huth, Buch berühmter Landwirte, 1893;
    T. v. d. Golz, Gesch. d. dt. Landwirtsch., II, 1903;
    H. Schreiber, H. W. v. P. u. seine sächs. Mitarbeiter b. ersten Zusammenschluß der dt. Landwirte im J. 1837, 1939;
    E. Klein, Die akadem. Lehrer d. Univ. Hohenheim (LH) 1818-1968, 1968;
    G. Franz, in: Anz. d. phil.-hist. Kl. d. Österr. Ak. d. Wiss. 118, 1981;
    Wurzbach;
    ÖBL;
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau. |

  • Quellen

    Qu Archiv d. Univ. Hohenheim.

  • Portraits

    Lith. v. Eybel, 1852, Archiv d. Univ. Hohenheim.

  • Autor/in

    Ulrich Fellmeth
  • Empfohlene Zitierweise

    Fellmeth, Ulrich, "Pabst, Heinrich Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 738 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116013990.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pabst: Heinrich Wilhelm P., k. k. Ministerialrath, geb. 1798 zu Maar bei Lauterbach im Großherzogthum Hessen, am 10. Juli 1868 zu Hütteldorf bei Wien. In früher Jugend kam er auf die Güter des Freiherrn v. Riedesel,|unter dessen Leitung er sich zum Landwirth ausbildete. Später verwaltete er mehrere Güter desselben. 1821 bewog ihn der Drang nach weiterer Ausbildung, seinen bisherigen Wirkungskreis zu verlassen; er machte Reisen durch Deutschland und Belgien. Zurückgekehrt, besuchte er das damals erst kurze Zeit bestehende landwirthschaftliche Institut Hohenheim. Schwerz lernte ihn bald schätzen und gab ihm Gelegenheit, sich als Lehrer zu versuchen. 1823 nahm er die Stelle als Buchhalter und Lehrer an der gedachten Anstalt und bald auch die Leitung der zweiten Classe der hohenheimer Ackerbauschule an. 1824 wurde er von dem König von Würtemberg zum Oekonomierath ernannt. Nach Schwerz's Abgang von Hohenheim 1829 fiel P. der größte Theil der Landwirthschaftslehre zu, da der nachfolgende Director v. Ellrichshausen nicht selbst docirte. Eine unangenehme Stellung zu Letzterem bestimmte P. 1831 den Ruf als Oekonomierath in großh. hessische Dienste anzunehmen und das beständige Secretariat des landw. Vereins zu übernehmen. Noch in demselben Jahre eröffnete er in Darmstadt eine landw. Lehranstalt. 1839 erhielt er von der preußischen Regierung einen Ruf als Nachfolger Schulze's zur Direction der landw. Akademie Eldena. Aus dieser Stellung trat er als geh. Finanzrath und Referent für Landesculturangelegenheiten in das preußische Ministerium, gab aber diese Stellung 1846 wieder auf, um dem Ruf als Director der hohenheimer Akademie zu folgen. 1850 ging er nach Ungarisch-Altenburg, um die Leitung der dortigen landw. Lehranstalt zu übernehmen. Aus dieser Stellung schied er 1860 wieder, um als Ministerialrath und Referent für landw. Angelegenheiten in das Ministerium für Landesculturangelegenheiten in Wien einzutreten. 1867 ließ er sich Pensioniren. P. war einer der Gründer der Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe. Er machte mancherlei Erfindungen und Verbesserungen in landw. Geräthen, was namentlich den flandrischen Pflug und den Exstirpator anlangt. Nächstdem hatte er wesentliche Verdienste um die Hebung der Rindviehzucht. Der 1868 in Wien tagenden Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe sollte er als erster Präsident vorstehen, doch ereilte ihn der Tod kurz vor Zusammentritt dieser Versammlung. Als Schriftsteller war P. sehr fruchtbar. Schon 1823 trat er mit der Schrift „Ueber die Verbesserung der Landwirthschaft im Großherzogthum Hessen" hervor. Ferner schrieb er „Beiträge zur höheren Schafzucht", 1826; „Allgemeine Grundsätze des Ackerbaus", 1832; „Landwirthschaftliche Betriebslehre", 1834, 2. Aufl. 1842; „Anleitung zur Rindviehzucht", 1829, 3. Aufl. 1859; „Anleitung zur Kartoffelcultur“, 1846; „Lehrbuch der Landwirthschaft“, von dem sechs Auflagen erschienen sind; „Landwirthschaftliche Erfahrungen von Hohenheim", 1849; „Anleitung zur zweckmäßigsten Cultur und Benutzung des Flachses", 1848; „Landwirthschaftliche Taxationslehre“, 1853; „Landwirthschaftliche Fortbildungsschulen und Wanderlehrer“, 1867; gab heraus „Zeitschrift für die landw. Vereine im Großherzogthum Hessen", 1831—39; „Allgemeine Wochenschrift für Land- und Hauswirthschaft“, 1831 u. f.; „Bericht über die Verhandlungen des baltischen landw. Vereins“, 1841; „Amtlicher Bericht über die Versammlung deutscher Landwirthe in Dresden“, 1838.

  • Autor/in

    Löbe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Löbe, William, "Pabst, Heinrich Wilhelm von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 38-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116013990.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA