Lebensdaten
1754 bis 1834
Geburtsort
Nordhorn
Beruf/Funktion
katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115511377 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kistemaker, Johann Hyacinth

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Zitierweise

Kistemaker, Johann Hyacinth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115511377.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Antonius (1725–1800), Chirurg, dann Inh. e. Speditionsgeschäfts in N., S d. Faktors Hendrik in Zwolle u. d. Aleyda Wolters;
    M Susanna Anna (1723–1806), T d. Andreas von Wietmarschen (1682–1749), Handelsmann in N., u. d. Maria Zumfrieden.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Franziskanergymnasiums in Rheine (1767–72) und dem Studium der katholischen Theologie an der jungen Universität Münster (1773–77) wurde K. 1777 zum Priester geweiht. Seinen weiteren Lebensweg bestimmte der münsteraner Staatsminister und Generalvikar Franz Freiherr von Fürstenberg, der K. nach kurzer Seelsorgetätigkeit 1779 als Lehrer an das Gymnasium Paulinum in Münster berief. 1794-1819 stand K. als Direktor an der Spitze dieser Anstalt. Seit 1786 war er gleichzeitig ordentlicher Professor an der Universität Münster, zunächst mit Lehrauftrag für klassische Philologie, seit 1795 für biblische Exegese. Seine Sprachenkenntnisse und seine früh einsetzenden Veröffentlichungen, vor allem von Schulbüchern, hatten ihn rasch bekannt gemacht. Als Bibelwissenschaftler gehörte er nicht zu den Bahnbrechern. K.s Bibelübersetzung und Vulgata-Edition lassen seine Vorliebe für das Linguistische erkennen. In seiner Exegese vertrat er einen konservativen und apologetischen Standpunkt. Dies entsprach der geistigen Haltung des „Kreises von Münster“, dem er angehörte. Auch kirchenpolitisch folgte der Theologe später, in preußischer Zeit, der streng-kirchlichen Linie, die durch Fürstenberg und den Kapitularvikar Clemens August von Droste zu Vischering repräsentiert wurde. Die betont kirchliche Einstellung K.s führte bei aller Anerkennung seiner Persönlichkeit und seines Wissens zu differenzierter Beurteilung des Gelehrten. Die preußische Unterrichtsverwaltung ehrte ihn, indem sie ihn zum ersten Rector magnificus (1826/27) der seit 1818 nur noch zwei Fakultäten zählenden münsteraner Hochschule ernannte.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Kurpfälz. Dt. Ges. Mannheim, 1787, Dr. theol. h. c. (Breslau 1822), Domkapitular Münster 1823.

  • Werke

    Die hl. Schrr. d. AT, übers. u. erklärt, 7 Bde., 1818–23, Kleine Ausg. 1825;
    Die hl. Schrr. d. NT, übers. u. erklärt, 7 Bde., 1818–23, 41845;
    Biblia Sacra Vulgatae editionis iuxta exemplar Vaticanum, 3 Bde., 1823 f.

  • Literatur

    ADB 16;
    E. Rassmann, Nachrr. a. d. Leben u. d. Schrr. münsterländ. Schriftst., 1866, 21881;
    G. Wieczorek, in: Westfäl. Lb. I, 1930 (L, P);
    Rud. Schulze, Das Gymnasium Paulinum zu Münster 797-1947, 1948;
    E. Reinhard, Die Münster. „Familia Sacra“, Der Kreis um d. Fstn. Gallizin, 1953;
    E. Hegel, Gesch. d. kath.-theolog. Fak. Münster 1773-1964, 2 Bde., 1966-71, bes. I, S. 64-70 (P), II, S. 40 f. (vollst. W- u. L-Verz.).

  • Portraits

    Kupf. v. F. Fleischmann n. Zeichnung v. Oppermann, Abb. b. Wieczorek u. Hegel.

  • Autor/in

    Eduard Hegel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hegel, Eduard, "Kistemaker, Johann Hyacinth" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 687 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115511377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kistemaker: Johann Hyacinth K., katholischer Theologe, geb. am 15. Aug. 1754 zu Nordhorn in der Grafschaft Bentheim, am 2. März 1834 zu Münster. K. machte seine Gymnasialstudien an der von Franciscanern geleiteten Anstalt zu Rheine, wo Bernard Overberg sein Mitschüler war, studirte dann zu Münster Theologie und Philologie und wurde am 22. Decbr. 1777 zum Priester geweiht. 1778 wurde er Lehrer am Gymnasium, 1786 Professor der alten Sprachen an der Universität in Münster. Von 1794 an war er zugleich Director des Gymnasiums (bis 1819) und Bibliothekar der Paulinischen Bibliothek. 1795 wurde er Professor der biblischen Exegese in der theologischen Facultät; zum Dr. theol. wurde er erst 1822 von der Breslauer Facultät honoris causa promovirt. Von 1816 bis 1818 war er Mitglied des Consistoriums der Provinz Westfalen. 1799 erhielt er ein Canonicat am Stift St. Mauriz. Bei der neuen Organisation des Bisthums Münster im J. 1828 wurde er Mitglied des Domcapitels. Seit 1825 erlitt er wiederholte Schlaganfälle, wodurch seine Lehrthätigkeit behindert wurde; in seinen letzten Lebensjahren war er körperlich und geistig gelähmt. K. war ein tüchtiger Philologe und Schulmann. 1809 war im Plane, ihn als Gymnasialdirector und Professor der Philologie nach München zu berufen. In den Jahren 1787—1801 gab er eine Anzahl von Schulbüchern heraus, namentlich lateinische, griechische und deutsche Sprachlehren, welche, von anderen Schulmännern neu bearbeitet, lange in Münster in Gebrauch blieben, ferner 1790 „Notae in Thucydidem“ und 1793 eine „Kritik der griechischen, lateinischen und deutschen Sprache“, die bei einer 1787 von der kurpfälzischen deutschen Gesellschaft zu Mannheim ausgeschriebenen Preisbewerbung das Accessit erhalten hatte (den Preis erhielt Trendelenburg). Auch in den orientalischen und in den neueren Sprachen war K. bewandert: 1800 veröffentlichte er eine metrische Uebersetzung von Ossian's Berrathon. Seine ersten theologischen Schriften veröffentlichte K. 1806: „Commentatio de nova exegesi praecipue Veteris Test, ex collatis scriptoribus graecis et romanis scripta“ und „Exegetische Abhandlung über Matth. 16—18. 19 und 19, 3—12 oder über den Primat Petri und das Eheband“. Am 22. Juni wurde, wie er mit gutem Humor in der Schrift: „Canticum canticorum illustratum ex hierographia orientali“. 1818, erzählt, auf Befehl des französischen Polizeiministers Savary, Herzogs von Rovigo, durch den kaiserlichen Procurator und einen Gendarmerie-Obersten bei ihm eine Haussuchung gehalten, weil in einer in Belgien erschienenen angeblichen französischen Uebersetzung der Abhandlung über den Primat dem Papste das Recht vindicirt wurde, Könige und Fürsten abzusetzen. K. zeigte den beiden Beamten vergebens, daß in seiner Abhandlung das gerade Gegentheil stehe; sie wurde mit anderen Büchern und Manuscripten bei ihm und dann auch bei den Buchhändlern confiiscirt, und erst nach einem Jahre wurde von Paris aus erklärt, man habe nichts Bedenkliches darin gefunden. — K. schrieb noch mehrere kleine exegetische Schriften in lateinischer und deutscher Sprache, auch einige Programme und Abhandlungen in Zeitschriften. Sein Hauptwerk ist „Die heiligen Schriften des Neuen Testaments übersetzt und erklärt“, 7 Bände, zuerst 1818—23, 2. Aufl. 1825—26, 3. Auflage 1845. Die Uebersetzung des Neuen Testamentes allein, ohne Anmerkungen, erschien zuerst 1825 und ist, namentlich seitdem die englische Bibelgesellschaft hübsche und billige Abdrücke davon besorgt, in vielen tausend Exemplaren unter den deutschen Katholiken verbreitet.

    • Literatur

      Neuhaus, Leben und Wirken des verstorbenen J. H. Kistemaker, 1834. Kirchenlexikon von Wetzer und Welte VI, 209. XII, 671. Raßmann, Nachr. von Münst. Schrittst. S. 177.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "Kistemaker, Johann Hyacinth" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 37 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115511377.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA