Lebensdaten
1602 bis 1655
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Crossen (Schlesien)
Beruf/Funktion
Pfalzgraf von Simmern ; Administrator der Kurpfalz
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 115497773 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig Philipp von Simmern
  • Ludwig Philipp
  • Ludwig Philipp von Simmern
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Zitierweise

Ludwig Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115497773.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Haus Wittelsbach;
    V Kf. Friedrich IV. v. d. Pfalz ( 1610, s. NDB V);
    M Louise Juliana ( 1644), T d. Prinzen Wilhelm I. v. Nassau-Oranien ( 1584), erster Gen.statthalter d. Vereinigten Niederlande;
    B Kf. Friedrich V. v. d. Pf. ( 1632, s. NDB V);
    - Cölln/Spree 1631 Maria Eleonore (1607–75), T d. Kf. Joachim Friedrich v. Brandenburg ( 1608, s. NDB X) u. d. Eleonore v. Preußen;
    5 S (3 früh †), 2 T (1 früh †), u. a. Ludwig Heinrich Moriz (1640–74), Letzter d. jüngeren Linie Pfalz-Simmern; Elisabeth Maria Charlotte (1638–64, 1660 Hzg. Georg III. v. (Schlesien-)Brieg (1611–64);
    N Kf. Karl Ludwig v. d. Pf. ( 1680, s. NDB XI).

  • Leben

    L. wurde gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich, dem späteren „Winterkönig“, calvinistisch erzogen (zeitweise an der Ritterakademie in Sedan). Er zog mit ihm nach dessen Wahl zum König im Okt. 1619 in Prag ein, verließ indessen vor der Schlacht am Weißen Berg Böhmen wieder, um bei Eintritt der Volljährigkeit sein bereits von span. Truppen bedrohtes Fürstentum anzutreten. Kf. Friedrich IV. hatte ihm 1610 testamentarisch Simmern sowie Kreuznach, Kirchberg, Stromberg, Böckelheim, Bolanden, Rockenhausen, Wolfstein und Lautern vermacht und damit die jüngere Linie Pfalz-Simmern geschaffen. Wiewohl persönlich für die Politik seines Bruders nicht haftend, mußte er die unrechtmäßige Besetzung seines Fürstentums durch die Spanier hinnehmen. Ebenso war seine berechtigte Anwartschaft auf die Friedrich V. entzogene Kurwürde bis 1623 zwar Gegenstand diplomatischer Erwägungen, ohne jedoch wegen seines Festhaltens am Calvinismus Aussicht auf Verwirklichung zu haben. Die Erfolge der schwed. Waffen hätten ihm wohl den Besitz seines Fürstentums wieder verschafft, wenn er nicht nach dem Tod seines Bruders die Sache der kurpfälz. Hauptlinie als Administrator und Vormund für seinen Neffen Karl Ludwig Ende 1632 hätte zu der seinen machen müssen. Die mit der Rückeroberung Heidelbergs abgeschlossene Wiedergewinnung der Unterpfalz hatte er rechtlich im Vertrag von Heilbronn (14.4.1633) zu besiegeln, der den Schweden wichtige Plätze überließ und eine hohe Subvention zusprach. Problematischer noch war die vereinbarte Beteiligung an den Kriegslasten sowie die Gleichstellung des Luthertums mit dem Calvinismus, beides in der Folge Streitpunkte zwischen dem schwed. Kanzler Oxenstierna und L., der dabei freilich über die Rolle eines Statthalters von Schwedens Gnaden nicht hinauskam. Dennoch war der von L. eingesetzten Regierung ein bescheidener Aufschwung gelungen, als die schwed. Niederlage bei Nördlingen die militärischen Bedrängnisse im Herbst 1634 in schlimmerem Ausmaß als je zuvor zurückbrachte und L. von Frankenthal aus, wo er sich seit 1634 vorwiegend aufgehalten hatte, im Mai 1635 zur Flucht nach Westen zwang, nachdem sich der erbetene Schutz franz. Truppen nur unzureichend eingestellt hatte. Der Prager Friede machte die Restitutionsansprüche seines damals nahezu volljährigen Neffen Karl Ludwig ebenso zunichte wie die seinigen. Nach jahrelangem Wanderleben bezog L. auf kaiserl. Anweisung mit seiner Familie 1642 Kreuznach, von wo ihn 1644 die Spanier wieder vertrieben, ihm jedoch den Aufenthalt in Kaiserslautern gestatteten. Der Westf. Friede setzte ihn endlich in sein Fürstentum ein, jedoch hatte er die Restitution Badens in dessen frühere Rechte an der Gfsch. Sponheim hinzunehmen und konnte die volle Hoheit erst 1652 nach Abzug der Spanier aus Frankenthal erlangen. Kf. Karl Ludwig bestritt ihm unter Berufung auf das Primogenitur- und Majoratsprinzip bald den Besitz seines Fürstentums. Die heftig geführte Auseinandersetzung beschloß ein Ausschußentscheid des Regensburger Reichstags von 1653. Danach waren an Kurpfalz sofort namhafte Einkünfte, nach Ableben L.s und seiner Frau das Oberamt Lautern abzutreten. L., politisch und militärisch allenfalls mittelmäßig begabt, war aufgrund der Zeitumstände und wegen der schicksalhaften Verknüpfung seines Lebensweges mit dem seines Bruders an eigener Entfaltung weitgehend gehindert. Die ihm wegen seiner wenig erfolgreichen Administrationstätigkeit gemachten Vorwürfe der Nachlässigkeit, Schwäche und Verschwendung überschätzen seine politischen Möglichkeiten im Schatten der übermächtigen Partner Oxenstierna und Richelieu. Gleichwohl mögen sie im Kern das Rollenverständnis des ohne Aussicht auf Gegenleistung als Regent in die Pflicht genommenen nachgeborenen wittelsbachischen Fürstensohns zutreffend umreißen.

  • Literatur

    ADB 19;
    Extrakt auß dem … vor Chur Pfaltz gegen d. alt-vätterl. Disposition uffgesetzten Gegenbericht, 1653;
    J. J. v. Rusdorf, Consilia et negotia politica, 1725;
    Ungedr. Verhh. zw. d. Krone Schweden u. Pfalzgf. L. Ph. …, d. Wieder-Einräumung d. Unterpfälz. Lande betr., in: Mosers Patriot. Archiv 12, 1790, S. 203-58;
    Die Pol. Maximilians I. v. Bayern u. s. Verbündeten 1618–51, I, 1, bearb. v. G. Franz, 1966, I, 2, bearb. v. A. Duch, 1970;
    D. L. Wundt, Versuch e. Gesch. d. Lebens u. d. Regierung Karl Ludwigs, Kf. v. d. Pfalz, 1786;
    L. Häusser, Gesch. d. rhein. Pfalz nach ihren pol., kirchl. u. literar. Verhältnissen II, 1845, S. 519-43, 578-94;
    K. Hauck, Karl Ludwig, Kf. v. d. Pfalz (1617–80), 1903;
    Rodewald, Die Grüfte u. Inschrr. d. Simmerner Stephanskirche, in: Mitt. d. Hist. Ver. d. Pfalz 46, 1927, S. 5-45;
    K. Wagner, Simmern, Gesch. d. Herrschaftsverhältnisse u. d. Stadt, 1930, S. 157-64;
    F. H. Schubert, Ludwig Camerarius, Eine Biogr. 1573-1651, 1955;
    W. Ludt. Pfalzgf. L. Ph. u. s. Gemahlin Marie Eleonore v. Lautern im Kampf um ihre Rechte, in: Nordpfälzer Gesch.ver. 37, 1957, S. 104-09;
    ders., Von d. Herzögen d. jüngeren Simmernschen Linie, Ein Btr. z. Gesch. ihrer Reg.tätigkeit 1648–75, in: Jb. z. Gesch. v. Stadt u. Landkr. Kaiserslautern 1961/62, S. 88-104;
    W. Dotzauer, Die Vordere Gfsch. Sponheim als pfälz.-bad. Kondominium 1437-1707/08, 1963, S. 16-33;
    A. Egler, Die Spanier in d. linksrhein. Pfalz 1620–32, Invasion, Verwaltung, Rekatholisierung, 1971.

  • Portraits

    Kupf. v. W. Kilian (Kurpfälz. Mus. Heidelberg);
    Münzbild, Abb. b. G. Felke, Die Münzen d. Herzöge v. Simmern, 1981, S. 34.

  • Autor/in

    Volker Rödel
  • Empfohlene Zitierweise

    Rödel, Volker, "Ludwig Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 415 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115497773.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig Philipp von Simmern war am 23. Novbr. 1602 als der Sohn des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz geboren. Bei der Theilung, welche Friedrich V. von der Pfalz der letztwilligen Verfügung (Testament vom 6. Decbr. und 27. August 1610) des Vaters gemäß mit L. Ph., seinem jüngeren Bruder vorgenommen hatte, bekam letzterer Simmern, die Sponheimischen Gebietstheile und das Fürstenthum Lautern und ward damit der Stifter der sog. jüngern Linie Simmern, die jedoch nur 62 Jahre dauerte und mit Ludwig Heinrich Moritz 1674 ausstarb. Unter Vormundschaft des Herzogs Johann II. von Zweibrücken-Veldenz (bis 1620?) kam L. von da ab zu keiner ruhigen und ungestörten Regierung seines Ländchens, indem auch er wie alle Mitglieder des pfälzischen Hauses die schweren Schläge des dreißigjährigen Krieges zu fühlen bekam. L. Ph. war seinem Bruder nach Böhmen gefolgt und hatte nur kurze Zeit das Fürstbisthum Breslau inne. Als aber nach der unglücklichen Schlacht von Prag (8. Novbr. 1620) das Königthum Friedrichs V. sammt dem pfälzischen Kurhut verloren ging und die pfälzischen Lande unter dem ligistischen Regimente seufzten, konnte auch L. Ph. sein kleines heimathliches Besitzthum nicht behaupten, obwohl dasselbe von Seite des Kaisers zu lebenslänglichem Unterhalte ihm zugesagt war. Auch Simmern ward von den Spaniern besetzt, und wie überall begann auch hier seit 1628 eine kirchliche Reaction. Vergeblich bat der jugendliche Pfalzgraf, der seit der Prager Schlacht mit Friedrich V. in Holland das Exil theilte, den Kaiser um Rückgabe seiner Lande. Erst mit dem Siegeslaufe Gustav Adolfs gewann auf kurze Zeit L. Ph. das Seine wieder, indem der am Niederrhein siegreiche Rheingraf auch Simmern eroberte. Von seiner kleinen Herrschaft zogen ihn aber die Fragen der großen Politik auf einen anderen Schauplatz. Am 20. September 1632 starb Friedrich V. und L. Ph. ward zur Vormundschaft der Kinder, insbesondere des nominellen Kurfürsten Karl Ludwig sowie zur Administration der von den Schweden occupirten pfälzischen Lande berufen. In dieser Stellung mußte er vor allem an den Verhandlungen wegen Restitution des pfälzischen Kurfürstenhauses Theil nehmen, dessen Rechte besonders Joachim von Rusdorf, der treue und ehrenhafte Staatsmann Friedrichs V. mit charakterfester Umsicht und unbeugsamem Willen verfochten hat. Nachdem die Versuche Brandenburg und Sachsen die Leitung der pfälzischen Dinge in die Hand zu geben ebenso gescheitert waren, wie die Hoffnung durch ein Bündniß der deutschen protestantischen Fürsten mit England und Schweden sich zu sichern, mußte schließlich L. Ph. den allerdrückendsten von der schwedischen Macht ihm auferlegten Bedingungen sich fügen. Nach einer Unterredung mit Oxenstierna zu Heilbronn (14. April 1633) sollten die pfälzischen Lande, jedoch ohne Präjudiz für die Rechte Dritter, an die Erben Friedrichs zurückfallen, die wichtigsten Plätze schwedische Besatzungen erhalten und überdies den Schweden bedeutende Subventionen gereicht werden. Aus einem solchen Vertrage hatte freilich die pfälzische Familie mehr Verpflichtungen als Vortheile, aber L. Ph. war unter dem Drucke der Verhältnisse zu schwach und hilflos, um dem Einflusse des schwedischen Kanzlers gegenüber, dem gerade Rusdorf mit allen Kräften entgegenarbeitete, Stand zu halten. Schon suchte die von Feuquières geleitete und ihres Zieles wohl bewußte französische Politik die schwedische Präponderanz zu unterstützen.|Besonders wußte sich auch in kirchlichen Dingen das dem schwedischen Regimente entsprechende starre Lutherthum an den Sitzen des freien Calvinismus geltend zu machen, so daß sich L. Ph. in diesen Fragen kaum noch das Recht die Geistlichen zu bestätigen als ein zweifelhaftes Stück Selbständigkeit gerettet hatte. Nur für kurze Zeit erholte sich unter der Administration Ludwig Philipps die Pfalz wieder. Von Holland und England flossen Beiträge für Hebung von Schule und Kirche, die Universität Heidelberg, welche bis dahin mehr als ein kümmerliches Dasein gefristet hatte, wurde in reformirtem Geiste vom Administrator wieder aufgerichtet. Im übrigen war L. Ph. nur ein von Schweden abhängiger Statthalter und in diesem Verhältnisse ohnmächtig, die Rechte seines Hauses zu vertheidigen und selbst die frechsten Uebergriffe gegen seine Unterthanen abzuwehren. Als am 6. Septbr. 1634 die schwedische Armee bei Nördlingen geschlagen war, begannen erst recht die Tage der Noth. In wilder zügelloser Auflösung näherten sich von den Kaiserlichen verfolgt die schwedischen Truppen dem Rheine. L. Ph. verließ Heidelberg und zog sich nach Frankenthal, der alten treu erprobten Festung des pfälzischen Hauses zurück. Ministerium und Hofstaat folgten. Hilflos und rathlos von den eigenen Verbündeten verlassen erwartete er hier den Ansturm der Kaiserlichen. Man dachte schon daran, sich den Franzosen in die Arme zu werfen und hatte bei Feuquières angeklopft, weil man im Kriegsrathe so weit gekommen war, die Hilfe der Schweden als ein neues Unglück zu betrachten und zu fürchten. Man muß die interessanten Relationen Rusdorfs lesen, der mit in der Festung eingeschlossen war, um in die trostlose Lage des Administrators einen Einblick zu bekommen. Dazu kam Theuerung und Mangel an Lebensmitteln in der Festung. Dem Rathe, die Regierung nach Kreuznach oder Lautern zu verlegen, folgte L. Ph. nicht, in der Hoffnung immer noch Succurs zu erhalten und war selbst unermüdlich thätig, für gute Vertheidigung der Stadt Sorge zu tragen. Aber Feuquières ließ auf sich warten und die flüchtigen Haufen französischer Soldaten kamen selbst vor die Thore der Stadt und baten um Einlaß. Endlich sah sich L. Ph. genöthigt, den letzten Augenblick zu benützen, um den immer näher rückenden Kaiserlichen zu entrinnen. Ende Mai verließ er unter dem Schutze Bernhards von Weimar mit seiner Regierung die Stadt, eine Flucht, die ihm Rusdorf mit Unrecht verargte; die Leiche Friedrichs V., welche noch unbeerdigt in der Kirche zu Frankenthal stand, ward mit fortgeführt. Ueber Saarbrücken ging es nach Metz und Sedan. Inzwischen eroberten aber die Kaiserlichen in raschem Siegeslauf die Pfalz. Von Neuem begannen die erfolglosen Bemühungen Luowig Philipps, vom Kaiser die Restitution der Pfälzer Lande zu erwirken. Der schmachvolle Prager Friede (30. Mai 1635) drohte die Existenz des pfälzischen Staates für immer zu vernichten und auch der Administrator sah sich des Seinen beraubt, dessen Wirksamkeit von nun an mehr in den Hintergrund tritt. Der junge Karl Ludwig nahm sich mehr und mehr der eignen Sache an, die schließlich im westphälischen Frieden in der Restitution des Kurhauses ihren Abschluß fand. Auch L. Ph. erhielt sein väterliches Erbe zurück (1648). Aus den letzten Jahren seines so sorgenvollen Lebens ist wenig zu berichten. Die unter den allerschwierigsten Verhältnissen geführte Vormundschaft und Administration, seine Bemühungen um Wiederherstellung des Kurstaates, sichern ihm trotz mangelnder Erfolge, in einer der trostlosesten Perioden pfälzischer Geschichte ein gutes Andenken. Er starb am 6. Januar 1655 zu Crossen in Schlesien.

    • Literatur

      Häusser, Gesch. der rhein. Pfalz II. S. 355—580. Haeutle, Genealogie des Stammhauses Wittelsbach, München 1870. Rusdorf, Consilia politica, Frankf. 1725. Bougeant, Historie des dreißigjährigen Krieges. I—IV, Halle 1758. 1759. Wille, Stadt und Festung Frankenthal während des 30jähr. Kriegs, Heidelb. 1877. Krüner, Johann v. Rusdorf, Halle 1876.

  • Autor/in

    Wille.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wille, Jakob, "Ludwig Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 580-581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115497773.html#adbcontent

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