Lebensdaten
1900 bis 1989
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin-West
Beruf/Funktion
Schriftstellerin ; Film-, Fernseh- und Funkautorin
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 106795392 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nelken-Ohlenmacher, Bernhardina (eigentlich)
  • Schneider, Bernhardine (Pseudonym)
  • Schreiber, D. (Pseudonym)
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Zitierweise

Nelken, Dinah, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd106795392.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N. Schneider (?), Handwerker u. Schausp.;
    M N. N., aus hugenott. Fam.;
    B Rolf Gero, Maler, Buchillustrator;
    1) Berlin 1917 ( 1921) N. N. Nelken (isr., im KZ), Fabr., 2) Heinrich Ohlenmacher, Buchhändler;
    1 S Peter (1919–66), Publizist, Funktionär, 1958-66 Chefredakteur d. Zs. „Eulenspiegel“ in Berlin-Ost (s. BHdE I).

  • Leben

    N. besuchte ein Lyzeum in Berlin und bildete sich ohne Abitur autodidaktisch fort. Bereits mit 17 Jahren schrieb sie literarische Texte. Während der Novemberrevolution engagierte sie sich auf Seiten der Arbeiterbewegung und leitete kurzzeitig das Presse- und Postwesen von Eberswalde. Seit 1921 verdiente sie den Lebensunterhalt für sich und den Sohn durch Werbetexte und vor allem Kurzgeschichten, die regelmäßig in den renommierten Berliner Zeitungen (u. a. in „BZ am Mittag“, „Tempo“, „Uhu“, „Illustrierte“, „Die Dame“) veröffentlicht wurden. Auch Gedichte, Filmszenarien und zwei Romane entstanden in dieser Zeit. Der erste Roman „Die Erwachenden“ (1925) thematisierte bereits die Erfahrungen junger, selbständiger, berufstätiger Frauen. 1928 gründete N. mit ihrem Bruder das politisch-literarische Kabarett „Die Unmöglichen“, für das sie die Chansontexte schrieb. Nach der Entlassung ihres Lebensgefährten Heinrich Ohlenmacher aus dem KZ Esterwegen 1936 ging sie, nachdem sie ihren Sohn in England in Sicherheit gebracht hatte, mit ihm und ihrem Bruder über Prag nach Wien ins Exil. Dort schrieb sie Drehbücher für einen Theaterverlag. 1938 erschien der außerordentlich erfolgreiche Briefroman „ich an dich“, den ihr Bruder illustrierte (verfilmt u. d. T. „Eine Frau wie du“, 1939, Neudr. 1965). Nach der Annexion Österreichs entkam sie mit beiden Männern nach Jugoslawien. Über Zagreb gelangte N. auf die Insel Korcula, wo sie viereinhalb Jahre verbrachte und Kontakte zu den Partisanen unterhielt. 1943 flüchtete sie weiter nach Norditalien, von wo sie eine Einladung zur Mitarbeit beim Verlag Mondadori erhalten hatte. Nach der deutschen Besetzung Italiens lebte sie sieben Monate illegal in Rom. Erst 1950 durfte N. in die Bundesrepublik ausreisen, da Ohlenmacher, den sie in Italien geheiratet hatte, von den Alliierten aus politischen Gründen erst zu diesem Zeitpunkt eine Ausreisegenehmigung erhielt. Seitdem lebte sie als freischaffende Schriftstellerin in West-Berlin.

    In N.s zumeist autobiographisch gefärbter, sozialkritischer und historisch-dokumentarischer Prosa werden oft Kleinbürger beschrieben, die in nationalsozialistische oder revolutionäre Kreise geraten. Später treten die Emigrationserfahrungen – insbesondere die Erlebnisse bei den jugoslaw. Partisanen – in den Vordergrund, und damit die Themen Opportunismus, Loyalität und Verrat. Die Darstellung des Exils stieß im westdeutschen Verlagswesen lange Zeit auf wenig Interesse, so daß alle ihre Bücher zunächst nur in der DDR erschienen, dort aber hohe Auflagen erreichten und zum Teil verfilmt wurden. Erst seit Anfang der 80er Jahre setzte in der Bundesrepublik eine breitere Rezeption ihrer Werke durch Neuauflagen ein, in der vor allem ihr unterhaltsamer, humorvoll-ironischer Stil Gefallen fand. Gerade N.s späte Texte vermitteln jedoch auch anschaulich die psychisch-soziale Last des Exils und das Ausmaß der politischen und kulturellen Ausgrenzung der Remigranten in der westdt. Nachkriegsgesellschaft. Bis zuletzt engagierte sich N. in der Initiative „Künstler für den Frieden“. Ihr Gesamtwerk umfaßt Romane, Film- und Fernsehdrehbücher, Hörspiele, Erzählungen, Essays, Gedichte und Chansons.- Mitgl. d. Verbands dt. Schriftst. (1920) u. d. PEN (1954); Lit.preis d. Ministers f. Kultur d. DDR (1954).

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Eineinhalb-Zimmer-Wohnung, 1932, 21933;
    ich an mich, Ein Tagebuch, 1951 (verfilmt u. d. T.: Tagebuch e. Verliebten, 1952);
    Spring üb. deinen Schatten, spring!, 1954, 21956 (Neudr. u. d. T: Geständnis e. Leidenschaft 1962, 21964, Neudr. 1983);
    addio amore, 1957, 51960 (Neudr. 1985);
    Von ganzem Herzen, 1964 (Neudr. 1984);
    Das angstvolle Leben e. gewissen Fleur Lafontaine, 1971 (Neudr. u. d. T: Fleur Lafontaine 1979, 1983);
    Lyrischer Lebenslaufe, dichtenden Dame, 1977;
    Die ganze Zeit meines Lebens, 1977, 1981 (Neudr. 1983, Geschichten, Gedichte, Betr.)

  • Literatur

    G. Szepansky. Frauen leisten Widerstand 1933-1945, 1983, S. 242-49 (P);
    Romanführer A-Z, III, 31983, S. 309-11;
    Albrecht-Dahlke II, 2, S. 478, IV, 2, S. 613;
    Lex. dt.sprach. Schriftst., II, 1974;
    BHdE II;
    Heiner Schmidt, Qu.lex, d. Interpretationen u. Textanalysen, V, 21985, S. 370;
    Gisela Brinker-Gabler u. a. (Hg.), Lex. dt.sprach. Schriftstellerinnen 1800-1945, 1986, S. 228-29;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1988;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    R. Wall (Hg.), Lex. dt.sprach. Schriftstellerinnen im Exil 1933 bis 1945, 11, 1995.

  • Autor/in

    Marianne Kröger
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröger, Marianne, "Nelken, Dinah" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 55 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd106795392.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA