Lebensdaten
1898 bis 1975
Geburtsort
Würzburg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 105721182 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Croixelles (Pseudonym)
  • Kreisel, Heinrich
  • Croixelles (Pseudonym)
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Zitierweise

Kreisel, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd105721182.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1861–1922), Drechsler in W.;
    M Elsa Mark (1862–1940) aus Ochsenfurt;
    Herrenchiemsee 1929 Lieselotte Kaestle (1901–75);
    2 S. 2 T.

  • Leben

    K. unterbrach 1915 seine Gymnasialausbildung, um als Freiwilliger am 1. Weltkrieg teilzunehmen. 1919 beteiligte er sich an Straßenkämpfen gegen die Räteregierung in Augsburg, München und Würzburg. Im gleichen Jahr bestand er das Abitur in Würzburg und begann dort, Literaturgeschichte zu studieren. Später wandte er sich der Kunstgeschichte zu, hörte einige Semester bei Wölfflin in München und wurde 1922 bei Fritz Knapp in Würzburg promoviert. Seitdem blieb der fränkisch Barock einer der Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit. K. wurde Volontär, 1928 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Verwaltung des ehemaligen Bayerisch Krongutes. Aufbau und Einrichtung des Ludwig II.-Museums auf Schloß Herrenchiemsee waren seine erste große Leistung. In zahlreichen Publikationen schuf er die wissenschaftlichen Grundlagen zur Auseinandersetzung mit den bis dahin umstrittenen Kunstschöpfungen Ludwigs II. und gab wesentliche Impulse zu einer allgemeinen Neubewertung des Historismus. Als Museumsreferent – 1930 Konservator, 1937 Hauptkonservator, 1938 Museumsdirektor – oblag ihm die Betreuung des gesamten staatlichen Schloßbesitzes in Bayern. Schwerpunkte dieser Tätigkeit waren die Inventarisierung fränkisch Schlösser, die Einrichtung attraktiver Schloßmuseen und das Vermitteln kunsthistorischer und dynastischer Zusammenhänge an eine interessierte Öffentlichkeit durch zahllose Publikationen. 1939-41 war K. als Oberstleutnant in Frankreich, Polen und Rußland; anschließend leitete er die Auslagerung des Kunstbesitzes der staatlichen Schlösser und war zuletzt in der Münchener Generalkommandantur tätig. Nach Kriegsende wurde er amtsenhoben und erst 1948 unter gleichzeitiger Versetzung in den Ruhestand wieder in den Staatsdienst aufgenommen. Die Jahre der unfreiwilligen Muße nutzte K. zu umfangreicher Katalogisierung des Kunstbesitzes des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, die in mehreren Veröffentlichungen ihren Niederschlag fand. Daneben schrieb er unter dem Pseudonym Croixelles drei autobiographische Kriegsromane, von denen „Antlitz ohne Gnade“ (1949) zu einem Bestseller wurde.

    1957 wurde K. in Nachfolge von J. M. Ritz Generalkonservator des Bayerisch Landesamtes für Denkmalpflege. Unbequem und hartnäckig, setzte er sich während seiner siebenjährigen Amtsführung in einer Zeit ohne Denkmalschutzgesetz mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit für die Erhaltung von Baudenkmälern ein. Die von ihm begründete Reihe „Bayerisch Kunstdenkmale“, die als sogenannte(r) Kurzinventare bekannt wurden, ermöglichte in verhältnismäßig kurzer Zeit einen Überblick über den Denkmälerbestand in den von denkmalpflegerischer Inventarisation bis dahin noch nicht erfaßten Gebieten Bayerns. Nach seiner Pensionierung 1963 verfaßte K. das grundlegende, aus seiner früheren Tätigkeit bei der Schlösserverwaltung resultierende Werk über „Die Kunst des Deutschen Möbels“ (2 Bände, 1968/71). Der Denkmalpflege blieb er weiterhin als engagierter und streitbarer Verfechter ihrer Belange verbunden.

  • Auszeichnungen

    Bayerischer Verdienstorden (1962).

  • Werke

    u. a. Die künstler. Ausstattungen d. Hauptstockes d. fürst-bischöfl. Residenz zu Würzburg, Diss. Würzburg 1922 (ungedr.);
    Kg. Ludwig II. Mus. in Schloß Herrenchiemsee, Amtl. Führer, 1926;
    Prunkwagen u. Schlitten, 1927;
    Kg. Ludwig II. u. Richard Wagner, Kat. d. Ausstellung im Residenzmus. München 1928;
    Würzburg, 1930, 81969;
    Die Kunstschätze d. Würzburger Residenz, 1930;
    Schloß Neuschwanstein, Amtl. Führer, 1933, 31938;
    Dt. Spiegelkabinette, 1953;
    Der Rokokogarten zu Veitshöchheim, 1953;
    Die Schlösser Ludwigs II. v. Bayern, 1954;
    Fränk. Rokokomöbel, 1956;
    Die Beurteilung d. Kunst d. letzten 100 J. u. d. Denkmalpflege, in: Dt. Kunst u. Denkmalpflege, 1957, H. 2, S. 82-87;
    Die Farbgebung d. Äußeren alter Bauwerke, ebd., 1963, S. 111-36;
    Banz u. Vierzehnheiligen, 1958, 131974;
    Ludwig II. als Bauherr, Die geistigen Grundlagen s. Bauten, in: Oberbayer. Archiv 87, 1965, S. 69-88;
    Kunst in Bayern, in: Bayern, Kunst u. Kultur, Ausstellungskat., 1972.

  • Literatur

    Th. Müller, in: Kunstchronik 28, H. 12, 1975;
    W. Bornheim gen. Schilling, in: Dt. Kunst u. Denkmalpflege 34, H. 1/2, 1976;
    M. H. v. Freeden, in: Mainfränk. Jb. f. Gesch. u. Kultur 28, 1976 (P);
    M. Petzet, in: Jb. d. Bayer. Denkmalpflege 30, 1978 (W-Verz.).

  • Autor/in

    Florian Hufnagl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hufnagl, Florian, "Kreisel, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 737 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd105721182.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA