Lebensdaten
1610 bis 1688
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 104370807 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dreier, Christian

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Dreier, Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104370807.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann, Dr., Bgm. v. Alt-Stettin, schwedischer Gen.auditeur u. Appellationsrat, S des Dietrich ( 1608) aus Lemgo, Bgm. v. Prenzlau, Landeinnehmer der Uckermark;
    M Amande Junge, Kaufm..- u. Ratsherrntochter aus Stettin; Halbschwester Anna Cath. ( Henr. Jonathan Werenberg, 1651–1713, Prof. in Weißenfels, 1687 Sup. in Jüterbog, 1698 in Lüneburg, s. Jöcher);
    1) Kaufm.-T Kath. Harden, 2) Sophie, T des Kammerassessors Lepner;
    S aus 2) Christian (1659–92), Prof. der Theol. in Königsberg.

  • Leben

    D. studierte in Jena, Wittenberg, Rostock, Kopenhagen und Königsberg Philosophie und Theologie. 1638 wurde er Dozent in Königsberg, 1644 zum Dr. theol. promoviert, bald darauf Professor der Theologie. Früh schon der Hinneigung zu Calixtinischen Gedanken verdächtig, vom Großen Kurfürsten begünstigt, nahm er 1645 als preußischer Abgesandter des Kurfürsten am Thorner Religionsgespräch teil und lernte Georg Calixt persönlich kennen. Nach seiner Rückkehr wurde er in die Universitätsstreitigkeiten verwickelt, in denen es um den Kampf der lutherischen Orthodoxie gegen den Synkretismus ging. D. erfreute sich ununterbrochen der Gunst des Kurfürsten,|wurde 1649 1. Hof- und Schloßprediger und 1652 Assessor des samländischen Konsistoriums. Doch erst 1657 gelang es dem Kurfürsten, ihm gegen den Widerstand der Fakultät und der Stände die Stelle des 1. Professors der Theologie zu übertragen. D. war neunmal Rektor der Universität. – Als Anhänger von Calixt vertrat er wie jener einen Traditionsbegriff, demzufolge der übereinstimmende Glaube der ersten 5 christlichen Jahrhunderte die ausreichende Bezeugung der heilsnotwendigen christlichen Lehre bieten und zugleich die Grundlage für eine Verständigung der Konfessionen abgeben sollte. Seine wissenschaftliche Stärke lag in der Kenntnis der Patristik und der katholischen Kirchenlehre, weswegen ihn seine Gegner als „Kryptokatholiken“ verdächtigten. Auch in der Geschichte und Kirchengeschichte war er gut bewandert.

  • Literatur

    ADB V;
    T. Moldänke, Ch. D. u. d. synkretist. Streitigkeiten in Preußen, 1909 (L);
    O. Ritschel, Dogmengesch. d. Protestantismus IV, 1927, S. 428-33;
    Altpreuß. Biogr. (auch f. S Christian);
    PRE.

  • Portraits

    Stich v. J. J. Vogel (Hauptbibl. d. Franckeschen Stiftungen, Halle/S.).

  • Autor/in

    Bruno Schumacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumacher, Bruno, "Dreier, Christian" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 108 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104370807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dreier: Christian D., einer der entfernteren Theilnehmer am synkretistischen Streit, war am 22. Dec. 1610 zu Stettin geboren, der Sohn des dortigen Bürgermeisters und nachherigen schwedischen Raths und Assessors am Tribunal zu Wismar. Nach dem ersten Unterricht in seiner Vaterstadt machte er in Jena und Rostock zuerst juristische, dann philosophische und theologische Studien, bildete sich weiter auf Reisen und trat 1638 als Docent in Königsberg auf. Eine Berufung als Prediger führte ihn nach Stralsund und 1643 nach Stettin, doch begab er sich 1644 wieder nach Königsberg, um dem Jubiläum der dortigen Universität beizuwohnen, und zugleich zur Erlangung der theologischen Doctorwürde. Mit G. Calixt, dessen freiere und vermittelnde Theologie damals die lutherische Kirche in Aufregung versetzte, war er persönlich noch nicht bekannt geworden, galt aber doch für einen Freund seiner Bestrebungen. Daher machte ihm Myslenta, das Haupt der strengen Lutheraner daselbst, Schwierigkeiten und seine Promotion fand erst statt, nachdem er, ohne sich zu einer Eidesleistung zu verstehen oder die ihm beigelegten Meinungen ausdrücklich zu verwerfen, doch den symbolischen Büchern gemäß lehren zu wollen versprach. Nun sollte er nach Stettin zurückkehren, aber der große Kurfürst, der nicht geneigt war, die mit Calov's Weggang entstandene Lücke durch schroffe Confessionalisten zu ersetzen, hielt ihn, auch als er bald nachher in ehrenvoller Weise nach Lübeck berufen wurde, unter günstigen Bedingungen in Königsberg fest. Zum außerordentlichen Professor der Theologie ernannt, ging D. neben M. Behm, dem Jüngeren, und Levin Pouchen als Abgeordneter zu dem bevorstehenden Thorner Religionsgespräch. Hier lernten sie, besonders D., Calixt kennen und verehren, in ihnen fand dieser trotz aller Abmahnungen Calov's einen Anschluß, der aber nicht ausreichte, um ihm selber einen rechtmäßigen Antheil an den Verhandlungen zu verschaffen. Nach Königsberg zurückgekehrt, erfuhr D. durch die Gunst des Landesherrn ehrenvolle Beförderung, wurde 1648 Schloßdiakon, kurz darauf erster Schloßprediger und 1652 ordentlicher Professor, alles unter lebhaftem Widerspruch der Landstände und ihres Anhangs. Durch Latermann, den Schüler Calixt's, und durch dessen Disputation De praedestinatione war die synkretistische Fehde nämlich schon 1646 nach Königsberg verpflanzt worden. Die Parteien schieden sich vollständig, D., Latermann und M. Behm, der Jüngere, auf der einen Seite, ihnen gegenüber Myslenta, und da der Kurfürst jene Männer nicht fallen lassen wollte, so war die Opposition indirect gegen die Regierung selber,|welche eine falsche Neutralität begünstige, gerichtet. Die Controversen bezogen sich auf Erwählung, Willensfreiheit, Erbsünde, Offenbarung der Trinität im A. T.; Censuren und Anticensuren über Latermann und seine Anhänger wurden gewechselt und alle gegen den Synkretismus üblichen Tadelnamen kamen in Anwendung. Ein Schreiben der drei Genannten nach Helmstädt (1649) setzte Calixt und Genossen wieder in Mitleidenschaft, so daß der Kampf sich von nun an zu der Universität zurückwandte, von der er ausgegangen war. Umsonst befahl der Kurfürst, die Kanzel mit solchen Streitigkeiten zu verschonen. Myslenta erlaubte sich, während einer Predigt Dreier's die Liturgie vom Altare wegnehmen zu lassen, um ihn beim Absingen der Collecte zu stören. M. Behm starb 1650 und D. wollte ihm die Grabrede halten; Myslenta verhinderte dies, die Leiche mußte in der Stille beigesetzt werden und erst zwei Jahre später erfolgte ein öffentliches Begräbniß. Nach dem Tode beider Behm, Pouchen's und Myslenta's hätte D. zur ersten theologischen Professur aufrücken müssen, die ihm aber durch den Widerspruch der Landstände noch bis 1657 vorenthalten blieb; seitdem hat er weniger Anfechtung erlitten. Er starb am 12. Aug. 1688 nach zweimaliger Ehe, und sein Sohn Christian hat an derselben Universität als Professor der Theologie gewirkt.

    D., obwol kein Mann von hervorragenden Eigenschaften, besaß doch gute Kenntnisse, auch philosophische und historische Bildung; Persönlichkeit und Charakter werden ungleich beurtheilt. Hartknoch nennt ihn aufgeblasen und barbarisch unhöflich (non videtur nisi se ipsum quaerere Dreierus), Buddeus (Isag. p. 1335) einen gelehrten Mann, dessen Schriften man aber mit Vorsicht lesen müsse, da er zum Synkretismus geneigt und in manchen Dingen es „mit den Griechen gehalten habe“.. Von seinen Schriften heben wir hervor: „Sapientia sive philos. prima ex Aristotele“, 1644; „Controversiae cum Pontificiis praecipuae“, 1688, nach Pfaff's Urtheil ein „egregium contra Romanenses opus"; „Oratio de orthodoxia seu genuina h. vocab. significatione“, 1678; „Vindicatio sanctitatis Dei“, 1654, gerichtet gegen „Calovii Solida discussio tractatus Dreieri etc.“, 1654; „Gründliche Erörterung etlicher schweren theologischen Fragen“, 1651. Dazu zahlreiche Dissertationen und Predigten, auch einige Briefe finden sich noch.

    • Literatur

      Hartknoch, Preuß. Kirchenhistorie, S. 603 ff., dess. Preußische Historie, S. 489; Strubberg, Nachricht von seinem Leben in fortgesetzter Sammlung von alten und neuen theologischen Sachen 1736, S. 644; Arnold, Historie von Königsberg, II. 164. 202; Hering, Neue Beitr. zur Gesch. d. preuß. K. I. S. 255; E. Henke, G. Calixt, II, 2, S. 26 u. a. St.

  • Autor/in

    Gaß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gaß, Wilhelm, "Dreier, Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 392-393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104370807.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA