• Genealogie

    V wohl sächs. Edler Erich ( 941). - Zugehörigkeit zum Werler Grafenhaus nicht zu belegen.

  • Leben

    Obgleich H.s Vater Ostern 941 zu den Führern der fehlgeschlagenen Quedlinburger Verschwörung gegen König Otto I. zugunsten von dessen jüngerem Bruder Heinrich gehört hatte, erlangte H. nach exilähnlichem Schulbesuch in Sankt Gallen die Würde eines Dompropstes im liudolfingischen Heimatbistum Halberstadt und wurde anscheinend enger Mitarbeiter von dessen Bischof Bernhard (924-3.2.968), der durch seinen zeitweisen Widerstand gegen die Gründung des Erzstifts Magdeburg bekannt geworden ist. Von diesem zum Nachfolger ausersehen, wurde er am 30.3.968 vom Halberstädter Klerus und „Volk“ – möglicherweise unter Leitung des Sachsenherzogs Hermann Billung zu Werla – gewählt, von Kaiser Otto dem Großen in Rom (?) nach Leistung der Mannschaft mit Bistum und Bischofsamt investiert und, zurückgekehrt, am 21.12.968 vom zuständigen EB Hatto II. von Mainz zum Bischof geweiht.

    Otto scheint sich der Halberstädter Zustimmung zu seinen missionsorganisatorischen|Plänen so sicher gewesen zu sein, daß er von H. – anders als von Hatto II. – keine besondere urkundliche Bestätigung sämtlicher halberstädter Gebietsabtretungen an die 968 neu gebildete Kirchenprovinz Magdeburg forderte und sich mit H.s Unterschrift unter der Ravennater Synodalurkunde vom Oktober 968 begnügte, welche die Grenzveränderungen zugunsten der neuen Erzdiözese Magdeburg festhielt, Merseburg jedoch nicht erwähnte. Hier setzte 981 die kirchenrechtliche Argumentation zugunsten der Aufhebung des südöstlichen Nachbarbistums Merseburg ein, zu dessen Gründung H. 968 angeblich seine Zustimmung verweigert haben soll. H. mochte trotz ständigen Gebietsstreitigkeiten mit Magdeburgs erstem Erzbischof Adalbert durch die Aussicht auf den linkssaalischen Teil des Merseburger Diözesangebietes für die Neuordnung der Magdeburger Kirchenprovinz gewonnen worden sein, wenn er auch in der Folgezeit im linkssaalischen Merseburg selbst Eingriffe des neuen Magdeburger Metropoliten Giselher hinnehmen mußte.

    Neben dem Versuch, die 968 eingetretenen Verluste des ostsächsischen Bistums an Diözesanumfang und Ansehen wettzumachen, dürfte die Abwehr slawischer Übergriffe auf den Nordostteil seines Sprengels seit 983 die Hauptaufgabe des Bischofs gewesen sein. Es charakterisiert den politisch kaum hervorgetretenen Kirchenfürsten, daß von gemeinsamen militärischen Operationen oder ähnlichen Sicherungsmaßnahmen zusammen mit EB Giselher oder den Markgrafen Liuthar und Ekkehard I. nichts bekannt ist, sondern als vornehmste Schutzvorkehrung der Erwerb kostbarer Stephansreliquien von Bischof Adalbero II. von Metz, die frühestens am 9.5.985 in Halberstadt eintrafen, genannt wird. Selbst die wenigen bezeugten Besuche am Kaiserhof, die durchweg der Rechtssicherung seiner Bischofskirche oder dem Schicksal in der Diözese liegender Klöster wie Thangmarasfeld/Nienburg, Drübeck, Walbeck und Hadmersleben galten, bezeugen H.s kirchlich orientierte Tätigkeit. Außerdem kennt man den Neubau der Kathedralkirche, deren Krypta 974 am Weihetag des Hildigrim-Doms von 859, also am 5.11., und die ganz am 16.10.992 geweiht werden konnte, und zwar in Anwesenheit der kaiserlichen Familie und zahlreicher Kirchenfürsten des Reichs.

    An dieses repräsentative Ereignis scheint die älteste Halberstädter Bischofschronik anzuknüpfen, die von H.s Klostergründung in Stötterlingenburg mit Kirchweih am 21.7.995 und von H.s Tod im folgenden Jahr nicht mehr spricht. Diese von Widukind von Corveys Sachsen-Origo ausgehenden Bischofsgesta sind nicht nur in Halberstadt mehrfach (bis 1209) fortgesetzt und erweitert worden, sondern haben auch Geschichtswerken in Merseburg und Quedlinburg Material geliefert und vielleicht sogar in Magdeburg, Hildesheim und Bremen weitergewirkt.

  • Literatur

    Gustav Schmidt, UB d. Hochstifts Halberstadt I, 1883;
    Die Chronik d. Bischofs Thietmar v. Merseburg, hrsg. v. R. Holtzmann, = 9;
    Gesta episcoporum Halberstadensium, in: 23;
    J. Fritsch, Die Besetzung d. Halberstädter Bistums in d. 4 ersten Jhh. s. Bestehens, phil. Diss. Halle 1913, S. 18-21;
    D. Claude, Gesch. d. Erzbistums Magdeburg 1;
    K.-U. Jäschke, Die älteste Halberstädter Bischofschronik, 1970.

  • Autor/in

    Kurt-Ulrich Jäschke
  • Empfohlene Zitierweise

    Jäschke, Kurt-Ulrich, "Hildiward" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 135 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104356316.html#ndbcontent

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