• Genealogie

    Aus zuerst in Oberleiterbach b. E. nachweisbarer Fam., d. im 18. Jh. im Obermaintal ansässig war u. durch Besitzteilungen verarmte;
    V Matthäus (1707–42), aus E., Landwirt, S d. Andreas (1663–1728), aus E., Landwirt;
    M Margaretha (1708–59), aus E., T d. Johannes Lang, gen. Zeheter, aus E.

  • Leben

    Gefördert vom Ortspfarrer, absolvierte S. phil.-theol. Studien an der Jesuitenakademie in Bamberg, wo er sich 1746 als „pauper“ eingeschrieben hatte. 1750 wurde er zum Dr. phil. promoviert und schloß später seine Studien mit dem „baccalaureus biblicus et formatus“ ab. Nach der Priesterweihe 1755 wurde S. Hofpageninstruktor (wichtigster Schüler war der spätere kurköln. Konferenzminister Johann Christian v. Waldenfels) und arbeitete als Privatlehrer der Freiherren v. Rotenhan. Über Michael Ignaz Schmidt, dessen wissenschaftlicher Berater S. gewesen sein soll, und Johann Michael Bönike (später im Erzstift Salzburg tätig) fand S. Anschluß an die geistige Avantgarde Frankens. Entscheidend waren dabei Verbindungen zur prot. Akademie in Erlangen, wo er Johann Justin Schierschmidt, Simon Gabriel Suckow, Johann Paul Reinhardt und Johann Christoph Rudolph kennenlernte. Von ihnen übernahm S. die phil. Methode Christian Wolffs, dessen Gedankengut er spätestens in den frühen 1760er Jahren in Bamberg einführte und im Kirchenrecht anwandte. S. wurde 1764 zum Offizial ernannt, 1765 trat er eine Stelle als Kanonikus am Stift St. Gangolph an. Der Speyerer Bischof Franz Christoph Kard. v. Hutten berief S. 1768 als Regens an das Bruchsaler Priesterseminar, wo u. a. Philipp Joseph Brunner und Joseph Anton Gall zu seinen Schülern zählten. Hier konnte er früher als andernorts die für die kath. Aufklärung typischen Reformmaßnahmen in Pädagogik (S. war ein Anhänger Johann Ignaz Felbigers) und theol. Lehrmethode in die Wege leiten. S. genoß zunächst das Vertrauen der Bistumsleitung: Er wurde zu Gutachten herangezogen, verfaßte 1770 die Trauerrede zum Begräbnis des Kardinals und lieferte 1772 den Entwurf für den Antrittshirtenbrief von Damian August Gf. v. Limburg-Styrum. Diese beiden Texte, in denen S. sein Reformprogramm entwickelte, machten ihn überregional und überkonfessionell bekannt. Der Aufstieg des 39jährigen zum Weihbischof 1772 und Präses des Generalvikariates trotz seiner einfachen Herkunft kann als in seiner Generation einzigartig bezeichnet werden. S. wurde 1769 Kanonikus und 1774 Dekan des Kollegiatstifts St. German und Moritz in Speyer und konnte gleichzeitig seine Präbende in Bamberg beibehalten. Er wurde schon bald zum Zentrum der Opposition gegen den autokratisch regierenden Fürstbischof, der zunehmend unter den Einfluß der Exjesuiten geriet, und wurde von diesem und dessen Hintermännern 1780 von der Mitwirkung an der Diözesanleitung entbunden. Seit dieser Zeit beschränkte sich S. auf die Ausübung seines Bischofsamts. S., der zum Speyerer Freundeskreis von Sophie v. La Roche zählte und sich in den Lehrbeanstandungsverfahren für die Professoren Johann Lorenz Isenbiehl und Martin Wiehrl einsetzte, wurde in zeitgenössischen kirchlichen Reformkreisen geschätzt; er gilt als herausragender Vertreter der frühen kath. Aufklärung.

  • Werke

    Werke u. a. Lob- u. Trauerrede auf d. höchstsel. Hintritt d. [ . . . ] Card. Franz Christoph v. Hutten, Bf. zu Speyer [ . . . ], 1770;
    Hirtenbrief Sr. Hochfürstl. Gnaden d. Bf. v. Speyer an seine Geistliche, 1772;
    Gutachten d. Herrn Weihbf. v. Speyer, in: J. F.|Le Bret, Magazin z. Gebrauch d. Staaten- u. KGesch. [ . . . ] VIII, 1783, S. 28–30;
    Stellungnahme v. 4. 8. 1778 z. Gutachten zu Isenbiehls „Neuem Versuch vom Emmanuel“, in: Rel.journal 8, 1783, S. 262–65.

  • Literatur

    ADB 33;
    J. Rößler, Die kirchl. Aufklärung unter d. Speierer Fürstbf. August v. Limburg-Styrum (1770–1797), in: Mitt. d. hist. Ver. d. Pfalz 34/35, 1915, S. 1–160;
    F. S. Hochstuhl, Ein Schulkonflikt zw. Baden-Durlach u. Fürstbf. v. Speier in d. Stadt Baden 1780–1783, in: Freiburger Diözesan-Archiv 58, NF 31, 1931, S. 1–98;
    P. Fuchs, Der Pfalzbesuch d. Kölner Nuntius Bellisomi v. 1778 u. d. Affäre S. in d. Korr. d. kurpfälz. Gesandten in Rom Tommaso Marchese Antici, in: Archiv f. mittelrhein. KGesch. 20, 1968, S. 167–226 (Qu);
    N. Jung, Der Speyerer Weihbf. A. S. (1732–1789) im Spannungsfeld v. nachgeholter Aufklärung u. vorgezogener Restauration, 2002 (W, L, Qu);
    Gatz II;
    BBKL IX (L).

  • Autor/in

    Norbert Jung
  • Empfohlene Zitierweise

    Jung, Norbert, "Seelmann, Andreas" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 152-153 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104321628.html#ndbcontent

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  • Leben

    Seelmann: Johannes Andreas S., Weihbischof zu Speier, geb. 1731 zu Ebensfeld im Fürstbisthum Bamberg, am 8. October 1789 zu Speier. Er machte seine Studien zu Bamberg, wurde dort schon 1750 Doctor der Philosophie und, nachdem er zum Priester geweiht worden, Stiftsherr bei St. Gangolph, Hofmeister der fürstbischöflichen Edelknaben und Official. 1768 ernannte ihn der Fürstbischof von Speier. Cardinal Franz Christoph von Hutten zum Director des Seminars zu Bruchsal und des dort 1757 von ihm gegründeten Gymnasiums, zugleich zum Geistlichen Rath und Stiftsherrn bei St. German in Speier. S. bewirkte die Entfernung der Jesuiten von beiden Anstalten und bemühte sich,|dieselben zu reformiren, war auch selbst fleißig als Lehrer thätig. Der Bischof Joseph Anton Gall von Linz (s. A. D. B. VIII, 317) gehörte zu seinen Schülern. Am 10. Mai 1770 hielt er die Trauerrede auf den Cardinal (sie ist gedruckt). Dessen Nachfolger, August Graf von Limburg-Stymm (s. A. D. B. XVIII, 655) ernannte ihn im October 1770 zum Weihbischof und Director des bischöflichen Vicariats zu Speier. Nachdem er sich über seine von den Jesuiten verdächtigte Orthodoxie ausgewiesen, wurde er in Rom als Titularbischof von Tremitusa präconisirt. Er gerieth aber bald mit dem Fürstbischof, einem sehr autokratisch regierenden Herrn, in Conflicte, die mit kurzen Unterbrechungen bis zu seinem Tode fortdauerten und den Fürstbischof veranlaßten, seinen Weihbischof bei dem Papste und bei dem Nuncius in Köln zu verklagen und sogar einmal von der Quiescirung Seelmann's und der Ernennung eines neuen Weihbischofs (Ph. A. Schmidt, der 1789 sein Nachfolger wurde, s. A. D. B. XXXII, 12) zu sprechen. 1778 wollte der Fürstbischof von Bamberg S. zu seinem Weihbischof machen; das Speier'sche Domcapitel bat ihn aber zu bleiben. Bei diesen Conflicten handelte es sich um Verwaltungsangelegenheiten, um die fortwährenden Streitigkeiten des Fürstbischofs mit seinem Domcapitel, 1778 um das Buch des Mainzer Professors Isenbiehl (s. A. D. B. XIV, 618), welches S. milder beurtheilte als der Fürstbischof, und 1781 um die Thesen des Professors M. Wiehrl in Baden-Baden, die S. gleichfalls milder beurtheilte, während der Fürstbischof mit einem Eifer ihre Verdammung betrieb, der zu der Bedeutung der Sache in gar keinem Verhältnisse stand. — Nach dem Tode Seelmann's verlangte der Fürstbischof die Auslieferung seiner Briefschaften, da das Gerücht ging, es werde eine Schrift „Die Leiden des Weihbischofs Seelmann“ (von Ph. Brunner, s. A. D. B. III, 447) vorbereitet, die indeß nicht erschienen ist. — S. war nicht nur ein aufgeklärter, sondern auch ein gelehrter Geistlicher. Gedruckt sind von ihm außer Aufsätzen über seine Conflicte nur einige Trauerreden. Mit dem Mainzer Geistlichen R. Schuhmann übersetzte er einige kirchengeschichtliche Abhandlungen von Ch. Fleury aus dem Französischen ins Lateinische: Dissertationes VIII in historiam ecclessiasticam, Bamberg 1765.

    • Literatur

      Jäck, Pantheon. Sp. 1065. — Allg. Lit. Anz. 1792 Nr. 6. —
      Oberdeutsche Lit.-Ztg. 1789. II, 107. 975 (Epitaphien in Versen). — Remling, Gesch. der Bischöfe zu Speyer II, 680, 704, 718, 750 ff.

  • Autor/in

    Reusch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Reusch, Heinrich, "" in: Allgemeine Deutsche Biographie 33 (1891), S. 580-581 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104321628.html#adbcontent

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