Lebensdaten
1720 bis 1792
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Weizberg bei Weiz (Steiermark)
Beruf/Funktion
steiermärkischer Historiker ; Augustinerchorherr
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104199202 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Caesar, Aquilin Julius
  • A. J. C.
  • Aquilinius, Julius C.
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Zitierweise

Caesar, Aquilin Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104199202.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ursprünglich Görzer, 1623 geadelter Fam.;
    V Johannes Andr., Kaufm. u. Mitgl. des Inneren Rates zu Graz, S des Bürgers u. Handelsmanns Jul. Fabian;
    M Rosina v. Godina.

  • Leben

    C. trat 1736 in dasChorherrenstift Vorau ein und wurde nach philosophischen und theologischen Studien an der Grazer Jesuitenuniversität 1743 zum Priester geweiht. Er war als Lehrer an der Stiftsschule, 1761-84 in der Pfarrseelsorge tätig. Einen Ruf an die Grazer Lehrkanzel für Kirchenrecht lehnte er 1781 ab. Von C. stammt die erste umfassende Geschichte der Steiermark, die ihm|den Ehrentitel Historiae patriae pater eintrug. Als Historiker sammelte und verarbeitete er umfangreiches Quellenmaterial, allerdings oft ohne die nötige Kritik. Später wandte er sich mehr aktuellen theologischen und kirchenrechtlichen Fragen zu. In seinen kirchenpolitischen Ideen von J. Schmid, J. Febronius und Fleury ausgehend, war die Auffassung des an den geistigen Fragen seiner Zeit regen Anteil nehmenden C. gemäßigt josefinisch, ohne jedoch dem theologischen Rationalismus zu verfallen und in den letzten Lebensjahren, auf Grund seiner historischen Einsichten, wieder stärker dem Konservativismus zuneigend.

  • Werke

    Ann. Ducatus Styriae I-III, Graz 1768-73, Wien 1777, IV (Ms., Nat.-bibl. Wien);
    Beschreybung d. Hzgt. Steyermark, 2 Bde., Graz 1773;
    Beschreybung d. k. k. Hauptstadt Graetz u. aller daselbst befindl. Merkwürdigkeiten, Graz 1781;
    Staat- u. KG d. Hzgt. Steyermark, 7 Bde., Graz 1786-88 (P);
    Skizze d. Aufklärung, Graz 1788;
    Nazionalkirchenrecht Österr.s, 6 Bde., Graz 1788-90.

  • Literatur

    ADB III (W);
    I. v. Zahn, 4 Briefe A. J. C.s an d. Propst Franz zu Polling 1781/82, in: Btrr. z. Kde. steiermärk. Gesch.qu. 14, 1877, S. 131-38;
    V. Theiß, in: Bll. f. Heimatkde. 6, Graz 1928, S. 44-48 (P);
    A. Posch, A. J. C. u. seine Stellung z. Aufklärung, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Steiermark 33, Graz 1939, S. 85-91;
    J. F. Schütz, Baumeister steir. Gesch. u. Landeskde., Graz 1943, S. 10-13 (P);
    F. Reithofer, Der Vorauer Chorherr A. J. C. 1720-92 u. seine Stellung z. Aufklärung, Diss Graz 1951 (ungedr.);
    Wurzbach II (L);
    LThK.

  • Autor/in

    Helmut Mezler
  • Empfohlene Zitierweise

    Mezler, Helmut, "Caesar, Aquilin Julius" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 87 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104199202.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Caesar: Aquilin Julius C., geb. zu Gräz 11. Nov. 1720, gest. zu Weizberg bei Weiz in Steiermark 2. Juni 1792. Einer Görzer Familie entstammend, Sohn eines bemittelten und angesehenen Vaters, trat der sechzehnjährige, am Gräzer Gymnasium und Lyceum geschulte Jüngling (1736) in das Kloster der regulirten Chorherren in Vorau, wurde 1743 Priester, dann Lehrer der Stiftsschule, 1761 Pfarrer zu Dechantskirchen im Friedberger Decanate und 1765 Stadtpfarrer zu Friedberg. Aus Gesundheitsrücksichten gab er diese Stellung auf und verlebte die Zeit von 1784 bis zu seinem Tode bei seinem Jugendfreunde, dem allgemein geachteten Kreisdechanten Joseph Peinthor in Weizberg. Ungemein lernbegierig und strebsam verspürte C. in dem mit Handschriften, Urkunden und Büchern gut versehenen Kloster Vorau alsbald den Trieb und Beruf zum Geschichtsforscher und Geschichtschreiber, und diese Erkenntniß, verbunden mit ausgezeichnetem Gedächtniß und einer Arbeitskraft, die man dem schwächlichen Körper nicht zugetraut hätte, ließ unsern C. zum verdienstvollen Chorführer und Patriarchen der neueren steiermärkischen Geschichtschreibung werden. Allerdings überwiegen Fleiß und Gewissenhaftigkeit im Sammeln und Verarbeiten des Materiales, während kritische Schärfe und stilistische Durchbildung seiner historischen Arbeiten mehr in den Hintergrund treten. — C. studirte aber auch fleißig kirchenrechtliche Fragen und arbeitete in dieser Richtung eifrig als Freund des kirchlichen Friedens und des Staatswohles. Als humaner, gebildeter Geistlicher, den man im besten Sinne einen Josephiner nennen darf, stand er, so wie seine Stiftsgenossen Bibliothekar J. Zunggo, Dechant Gusman, mit Standesgenossen österreichischer und baierischer Klöster in reger Correspondenz, die den litterarischen Bestrebungen jener Zeit ein eifriges auch polemisches Augenmerk zuwandte. Außer einer ansehnlichen Zahl handschriftlicher Werke, unter denen insbesondere eine groß angelegte Arbeit über die Utrechter Kirche hervorzuheben ist, hinterließ er an 17 größere und kleinere Druckwerke, die wir in nachstehender Anordnung verzeichnen wollen: a) Ueber Landesgeschichte der Steiermark 1) 1768—1779 „Annales ducatus Styriae, cum adiecta fintimarum Bavariae, Austriae, Carinthiae, Salisburgi, Aquilejae etc. historia ...... ex antiquis historiae monumentis collecti“. Cäsar's Hauptwerk; leider unvollendet geblieben. Der I. Theil, 1768 zu Gräz in Folio erschienen, reicht bis ins 13. Jahrhundert, der II. ebd. 1773 bis ins 15., der III. ( 1779) dem der Textabdruck der Cillier Chroniken vorangestellt erscheint, bis zum Tode Maximilians I. (1519). Der im Manuscript ganz ausgearbeitete IV. Bd., längere Zeit eines Verlegers harrend, ging zu Wien, wie es heißt, in den Räumen der kaiserl. königl. Censurbehörde verloren (!), ohne daß es dem Vorauer Kloster gelang, diese werthvolle Hinterlassenschaft Cäsar's wieder ans Tageslicht zu bringen. 2) 1785—1788 „Staats- und Kirchengeschichte des Herzogthums Steiermark“. 7 Bde. Gräz. 8. Eine compendiarische Arbeit geringeren und ungleichen Werthes. b) Zur Topographie und Landeskunde der Steiermark: 3) 1773 „Beschreibung des Herzogthums Steiermark". 2 Bde., Gräz gr. 8. Neue (Titel)-Ausgabe 1786. 4) 1781 „Beschreibung der Hauptstadt Gräz und aller darin befindlichen Merkwürdigkeiten, nach dem Muster der Berliner und Potsdamer Beschreibung eingerichtet“. 3 Thle. Salzburg 8. c) Kirchenrechtliche Arbeiten, fünf an der Zahl, darunter als Hauptwerk: „National-Kirchenrecht Oesterreichs, oder Verbindung der kaiserl. königl. Verordnungen in publico ecclesiasticis mit dem päpstlichen Rechte aus den Decretbüchern Gregors IX“. 5 Bde. Gräz 1788—1799, denen ein 6. Bd. 1791 sich anschloß, enthaltend die kaiserl. königl. Resolutionen von 1786 bis 1790. ebda. 8. d) Theologisch-philosophische Abhandlungen über das Fasten, die Aufklärung, Geistererscheinungen, Besessene, Zauberei, Wunderwerke der ersten Christenzeit; erschien 1788—1789. e) Litterargeschichtliche „Geschichte der Gelehrten Innerösterreichs“, I. Thl. (blieb unvollendet).

    • Literatur

      Biogr. litt. Notizen über Cäsar: De Lucas' Gel. Oesterr. I. Bd. I. St. S. 53; Schlichtegroll's Nekrolog auf d. J. 1792 II. Bd. S. 221—227; Koppen's jurist. Almanach v. d. J. 1793. S. 296—298; Meusel's Lex. II. 3—5; Oesterr. Nat. Enc. I. 437—438; Winklern, Biogr. und litter. Nachr. von den Schriftstellern und Künstlern der Steiermark. Gräz 1810. S. 18 bis 22.

  • Autor/in

    Krones.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krones, Franz von, "Caesar, Aquilin Julius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 685-686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104199202.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA