Lebensdaten
um 1648 bis 1692
Geburtsort
Zabern (Elsaß)
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 129462047 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cäsarius, Johann Melchior
  • Caesar, Johann Melchior
  • Cäsarius, Johann Melchior

Orte

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Zitierweise

Caesar, Johann Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129462047.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans Niclaus Kayser, Sakristan in Zabern;
    M Anna Maria Bilthauer;
    Marie Eleon. Jonist.

  • Leben

    Erstmals 1652 in der Pfarrliste zu Zabern genannt, hat C. die erste musikalische Bildung bei dem Schulmeister Urban Ludwig Murschhauser, dem Vater des Münchener Kirchenmusikers Franz Xaver (1663–1738), an der Lateinschule und als Chorknabe an der Stiftskirche zu Zabern erhalten. 1663 bezog er die Universität Würzburg, wo er intensive musikalische Anregungen durch die dortige Hof- und Dommusik, deren Leitung Philipp Friedrich Buchner und Tobias Richter innehatten, empfing. 1667 trat er zu Breslau das Amt des Hof- und Domkapellmeisters an mit einem Gehalt von 125 Talern (mit üblichen Accidentien) unter Kardinal-Fürstbischof Friedrich Landgraf von Hessen. 1679 wurde er Nachfolger von Johann Steger im Amt des Hof- und Domkapellmeisters von Würzburg während der Regierung von Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach. 1686 erscheint C. als Augsburger Domkapellmeister. In dieser Zeit war sein großer Förderer Johann Rud. Graf Fugger von Kirchberg und Weißenhorn, bei dem er oft als Gast die Tafelmusik leitete. Nach seinem Tode konnte sein Nachfolger Johann Michael Galley eine künstlerisch hochstehende Dommusik übernehmen. Gemäß seiner Stellung hatte C. ein reiches kirchenmusikalisches Werk hinterlassen. Seine Messen, Offertorien, Psalmen, Hymnen sind dem echt barocken Geist des chorischen Konzertierens mit Instrumentalbegleitung verpflichtet. Volkstümliche Melodik und Akkorddeklamation kennzeichnen ein Streben nach mehr unmittelbarem, affektbeeinflußten als kunstmäßigem Ausdruck, wobei kurze Sonaten und Ritornelle der Violinen eine klangliche wie architektonische Ausgewogenheit erzielen. Die Vielstimmigkeit mancher Werke weisen noch auf die Reservata-Praxis hin. Nicht gewöhnlich ist aber der eigene Hinweis auf liturgische Bindung in Vorworten, was ein Entgegentreten gegen allzu starke Verweltlichung der barocken Kirchenmusik verrät, wenn er auch gewisse italienische Einflüsse nicht verleugnen kann. Ein spezifisch weltliches Werk wie „Wend-Unmuth“ zeigt den Meister als direkten Vorgänger einer Richtung, wie sie später Valentin Rathgebers bekannter „Augsburger Tafelkonfekt“ verkörpert. C. war seiner Zeit ein geachteter Musiker, der selbst unter den „neueren und berühmteren Componisten“ von W. C. Printz (Historische Beschreibung der Edelen Sing- und Kling-Kunst, Dresden 1690) genannt wurde, wie auch seine Werke noch im 18. Jahrhundert in dem bekannten süddeutschen Verlag J. J. Lotter zu Augsburg erschienen.

  • Werke

    u. a. Trisagion Musicum, op. I, Würzburg 1684;
    Lustiger Balletten 1. T., ebenda 1684;
    Missae breves, op. II, Augsburg 1687;
    Musical. Wend-Unmuth, ebenda 1688;
    Psalmi, op. IV, ebenda 1690;
    Hymni, op. V, ebenda 1692.

  • Literatur

    ADB III;
    C. F. Becker, Die Tonwerke d. XVI. u. XVII. Jh., 21855, Nr. 21, 70, 116, 174, 284, 292;
    M. Vogeleis-A. Adam, J. M. C. aus Zabern, in: Caecilia 17, Straßburg 1900;
    M. Vogeleis, Qu. u. Bausteine z. einer Gesch. d. Musik u. d. Theaters im Elsaß, ebenda 1911, S. 558 ff.;
    H. E. Guckel, Kath. Kirchenmusik in Schlesien, 1912, S. 12 ff.;
    H. J. Moser, Corydon I, 1933, S. VI, 77 ff., II, S. 137 ff., J. G. Walther, Musical. Lex., Dresden 1745;
    E. L. Gerber, Tonkünstlerlex., Leipzig 1790 u. 1811;
    F. Blume, in: MGG (vollst. W-Verz.).

  • Autor/in

    Günther Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Günther, "Caesar, Johann Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 88 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129462047.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Caesar: Johann Melchior C. (Cäsarius), angesehener Vocal- und Instrumental-Componist in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, geb. zu Elsaß-Zabern, um 1683 Capellmeister des Bischofs von Würzburg und 1687 am Domstifte zu Augsburg, wo er 1694 gestorben sein soll. Man hat von ihm verschiedene Kirchenwerke für Gesang meist mit concertirenden und Ripien-Instrumenten, desgleichen zwei Sammlungen Instrumentalstücke, sämmtlich zu Würzburg herausgekommen: „Trisagion musicum“ (Offertorien) 4 voc. mit Instrum. 1683; „8 Missae breves“. 4 voc. mit Instrum., 1687; „Psalmi vespertini Domin. et Fest. per annum cum 2 Magnif.“. 4 voc. mit Instrum.; „Psalmi alternativi 2—6 tum voc. tum instrum. etc.“ 1690; „Hymni de dominicis et tempore etc.“, 1692; „Lustiger Balletten Th. I.“ zu 4 Instrum. G.-B., 1684; „Lustige Tafelmusik in 6 Stücken“ etc. 1684. — Von einem früheren Cäsarius, Johann Martin, hat man „Concentus sacros“ 2—8 voc. München 1622.

  • Autor/in

    v. Dommer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dommer, Arrey von, "Caesar, Johann Melchior" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129462047.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA