Lebensdaten
um 1470 bis 1526
Geburtsort
Freiburg (Breisgau) (?)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Arzt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104156686 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rhodion
  • Roeselin, Eucharius d. Ä.
  • Rösselin, Eucharius d. Ä.
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Zitierweise

Rößlin, Eucharius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104156686.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus südwestdt. Pharmazeutenfam., zu der auch Konstantin (erw. 1494) gehört;
    V N. N.;
    M N. N.;
    N. N.;
    K Eucharius d. J. (vor 1500-47), aus Freiburg (Br.) (?), studierte in Köln, Freiburg u. Leipzig d. Artes sowie Med., ließ sich nach Lizentiats-Examen u. Reisen in d. Niederlanden u. Dänemark zunächst in Jülich nieder, 1529-46/47 Nachfolger seines Vaters als Stadtarzt in Frankfurt/M., Vf. e. Kräuterbuchs (s. L).

  • Leben

    Zwischen 1493 und 1498 als Apotheker in Freiburg (Br.) nachgewiesen, stand R. in Beziehung zur (Freiburger?) Universität, besaß in der Stadt ein Haus und wurde 1504 wegen Raufens der Stadt verwiesen. Spätestens jetzt deutete er seinen Namen von „rösselîn“ zu „rœselîn“ um und verwendete in der Folgezeit das gräzisierte Cognomen ϱόδιον. 1506 übernahm er als Nachfolger von Johann Wonnecke von Kaub (Johannes de Cuba) die Frankfurter Stadtarztstelle, die er bis zu seinem Tod innehatte. Zwischenzeitlich (1511–17) war er aus dem reichsstädtischen Dienst ausgeschieden; 1513 wirkte er als Stadtarzt zu Worms, wo er den medizinischen Doktortitel führte.

    1508 behandelte er Hzgn. Katharina von Braunschweig-Lüneburg, der er nach eigener Aussage die Anregung zu seinem tokologisch-gynäkologischen Leitfaden verdankte. In Wirklichkeit handelt es sich um ein Plagiat: R. redigierte den spätmittelhochdt. Doppeltraktat „Kranckheiten der Swangern und ihrer neu gebornen Kinderen“ (der auf Mustio u. Bartholomäus Metlingers „Kinderbuch“ fußt) geschickt zum Schwangeren- und Hebammenlehrbuch um. Den Gebärstuhl entlehnte er Pseudo-Ortolfs „Frauenbüchlein“, das Arzneistoff-Register verfaßte er selbst, desgleichen die Widmung an Katharina sowie die gereimte „Ermahnung“ an die Adressatinnen, nämlich Schwangere und Hebammen. Diese erscheinen auch im neuen Titel, der den Einfluß Wonneckes spiegelt („Gart der Gesundheit“) und obendrein den Namen des Plagiators („Rhodion“, „Roeselein“) zum Ausdruck bringt: „Der schwangeren Frauen und Hebammen Rosengarten“.

    Mit 17 Druck-Versionen, mehr als 100 Druckausgaben, einer Umschrift ins Niederländische, einer dän., zwei tschech. Übersetzungen und einer lat. Übertragung, die ihrerseits ins Französische, Spanische, Englische sowie ins Italienische übersetzt wurde (von dem eine Rückübertragung ins Deutsche erfolgte), ist der „Rosengarten“ seit 1513 (Straßburg, Martin Flach) noch erfolgreicher gewesen als der grenzübergreifend verbreitete „Gart der Gesundheit“ und brachte seitens der Wissenschaftsgeschichte seinem Plagiator den Ehrentitel „Hebammenlehrer Europas“ ein. Die Wirkungsgeschichte reicht bis ins 19. Jh.

    Maßgebend für den Erfolg waren die beigefügten Mustio-Kindslagenbilder sowie die drei hervorragenden Holzschnitte von Martin Kaldenbach, einem Freund Dürers, und die lat. Übersetzung, die R.s Sohn Eucharius d. J. angefertigt hatte. Sie erschien erstmals 1532 unter dem Titel „De partu hominis“ (Redaktion f). Dem Frankfurter Erstdruck folgten bis 1563 mehr als zehn weitere Auflagen unter gleichem Titel, von denen jeweils zwei in Venedig bzw. Paris herauskamen. Den dt. Text des „Rosengartens“ hatte der jüngere Rößlin schon 1526 herauszugeben begonnen; diese unter dem Titel „Ehestands Arzneybuch“ laufende b-Redaktion wurde bis 1557 mehr als ein Dutzendmal aufgelegt. Ähnlicher Erfolg war dem jüngeren Rößlin mit seiner lat. „Gart-der-Gesundheit“-Übersetzung (1532) beschieden sowie mit seinen beiden Redaktionen des dt. „Gart“-Textes (1533 und 1535), von denen die zweite „Hortus-sanitatis“-Anteile einflicht und damit die maßgebende b3-Klasse begründet.

  • Werke

    G. Keil, Nachwort, in: H. H. Hess (Hg.), Gynaecia Mustionis, Der Hebammenkatechismus d. Mustio (dt. u. lat.) u. E. R.'s „Rosengarten“ (mit engl. Übers.), 2 Bde., 1997, hier II, S. 263-78 (verzeichnet 6 Vorstufen u. 17 Drucke d. „Rosengartens“);
    M. Habermann, Dt. Fachtexte d. frühen Neuzeit, Naturkundl.-med. Wissensvermittlung im Spannungsfeld v. Latein u. Volkssprache, 2001, S. 245-73.

  • Literatur

    ADB 29;
    J. Sch. Belkin u. E. R. Caley, Eucharius Rößlin the Younger on minerals and mineral products, Chapters on minerals from his „Kreutterbůch“ (Ars medica, IV/1), 1978;
    G. Keil, in: Vf.-Lex. d. MA II, 1980, Sp. 1086 f., VIII, 1992, Sp. 244-48;
    B.-J. Kruse(-Mohn), Neufund e. hsl. Vorstufe v. E. R.s Hebammenbuch […] u. d. „Frauenbüchleins“ Ps.-Ortolfs, in: Sudhoffs Arch. 78, 1994, S. 220-36;
    dies., Verborgene Heilkünste, Gesch. d. Frauenmed. im SpätMA, 1996, S. 10 f., 111, 127, 140, 199, 215, 259 u. ö.

  • Autor/in

    Gundolf Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Gundolf, "Rößlin, Eucharius" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 752-753 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104156686.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Roeslin: Eucharius R., mit dem griechischen Namen Rhodion, welcher nach Osiander's Angabe zuerst Arzt in Worms und dann in Frankfurt a. M. war — sein Geburtsjahr ist nicht bekannt — schrieb, angeblich in Folge einer Aufforderung der Herzogin Katharina von Braunschweig und Lüneburg: „Der schwangeren Frawen und Hebammen Rosegarten“, welches als erstes deutsches Hebammenlehrbuch im Jahre 1513 erschien. Das Werk enthält außer dem Titelblatt und einer Zeichnung, auf der dargestellt ist, wie die Hebamme einer Kreißenden beisteht, 19 Zeichnungen von regelmäßigen und regelwidrigen Kinderlagen, außerdem die Abbildung eines Geburtsstuhles. Dasselbe wurde sehr bald ins Lateinische, Französische, Englische und Holländische übersetzt, erlebte eine Reihe von Auflagen, von denen die zweite in Straßburg (1522), die folgenden 1528, 1532, 1541 in Augsburg, spätere 1582 und 1604 in Frankfurt a. M. gedruckt wurden. Haller nannte das Büchlein „celebre suo aevo opus et pene classicum“. Weitere Werke scheint R. nicht verfaßt zu haben; er starb als Physicus in Frankfurt a. M. 1526.

    • Literatur

      Stricker, Janus II, 394. — F. B. Osiander, Lehrbuch I, 102.

  • Autor/in

    F. Winckel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winckel, Franz von, "Rößlin, Eucharius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 243 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104156686.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA