Lebensdaten
1720 bis 1781
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 104137444 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kuntzen, Adolf Karl
  • Kunzen, Adolf Karl
  • Kuntzen, Adolf Karl

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Zitierweise

Kunzen, Adolf Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104137444.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Paul (1696–1757), seit 1733 Organist u. Werkmeister an St. Marien in Lübeck (s. MGG VII), S d. Tuchmachers Joh. Christian in Leisnig (Sachsen) u. d. Christine Gaudlitz;
    M Anna Dorothea Selner ( 1765) aus Leipzig;
    Charlotte Aubery aus Bremen;
    1 S, 1 T Frdr. Ludw. Aemilius (s. 2), Ulrica (1765–1839, meckl. Hofmusikus Joh. Frdr. Braun), meckl. Hofopernsängerin.

  • Leben

    K. erhielt seine musikalische Ausbildung bei Jak. Wilh. Lustig und seinem Vater in Hamburg, wo dieser 1723-32, zuerst als Direktor der Opernmusik, dann als Privatmusiklehrer, wirkte. Auf einer großen Konzertreise (1728/29) nach Holland und England lernten Vater und Sohn in London J. Chr. Pepusch kennen, und K., der „Wunderknabe“, konnte im Aug. 1728 in Aurich dem dän. Königspaar auf der Violine vorspielen. Aus der Zeit vor K.s erster fester Anstellung 1749 als Konzertmeister bei Hzg. Christian Ludwig II. von Mecklenburg-Schwerin sind einige Gelegenheitskompositionen, u. a. 2 Arien zur Serenade für das Festmahl der Schonenfahrer (1744) und Textdichtungen bekannt. 1748 erschienen in Hamburg die „Lieder zum Unschuldigen Zeitvertreib“ im Stil der galanten Oden und Lieder von Joh. Val. Görner, wobei die Melodien K.s oft verschnörkelter sind (1. Forts. 1754, 2. Forts. 1756). 1752 in Schwerin zum Kapellmeister ernannt, mußte K. infolge von Streitigkeiten seine Stellung bereits ein Jahr später aufgeben. 1754-57 hielt er sich zumeist in London auf. Nach dem Tode seines Vaters wurde er 1757 Organist und Werkmeister an der Marienkirche in Lübeck und stand damit traditionsgemäß an der Spitze des Musiklebens der Stadt. Nachdem 1772 ein Schlaganfall seine rechte Hand gelähmt hatte, wurde ihm bis zu seinem Tode sein späterer Nachfolger Joh. Wilh. Cornelius v. Königslöw als Adjunkt beigegeben.

    K. hat ein umfangreiches, im wesentlichen handschriftlich erhaltenes Œuvre hinterlassen, zu dem ein verbindliches Verzeichnis noch fehlt. Seine Werke aus der Zeit der|Schweriner Tätigkeit verraten eine die künstlerische Umgebung belebende Eigenständigkeit. Für den spätestens seit Buxtehude an der Marienkirche fest etablierten Zyklus öffentlicher Konzerte, genannt Abendmusiken, komponierte er wie schon sein Vater eine Reihe bedeutsamer fünfteiliger biblisch-historischer Oratorien, darunter „Israels Abgötterey in der Wüsten“ (1758), „Absalon“ (1761) und „Goliath“ (1762). In ihnen fallen die großen Chöre auf, die sich durch dramatisch lebhaften Ausdruck und freizügige Anlage sowie Kombination der Massen auszeichnen und damit über den in Norddeutschland bei Telemann und Mattheson erreichten Stand hinausreichen. Der Einfluß Händeis ist unverkennbar, dessen Oratorien K. in London kennengelernt haben dürfte. Die Instrumentalwerke der Schweriner und Londoner Jahre huldigen dem galanten und empfindsamen Stil, wie ihn C. Ph. E. Bach als wegweisender Komponist geprägt hatte. K. stand fest in der Tradition des Lübecker Musiklebens, gab ihm aber auch neue Impulse dadurch, daß er als erster regelmäßig Werke nichtlübeckischer Komponisten zur Aufführung brachte und dem Liebhaber-Konzertwesen Unterstützung zukommen ließ.

  • Werke

    Weitere W u. a. 4 (od. 5) Passionsmusiken, 1750, 1751, 1770, 1771, 1777;
    7 Kirchenkantaten 1750-52;
    13 (?) Oratorien (Abendmusiken), 1757-80;
    12 Geb.tagsserenaden, 1750-52 u. weitere Gelegenheitskompp.;
    16 Sinfonien, 5 Ouverturen, 1750-52;
    Konzerte f. Klavier, f. Violine, f. Flöte, f. Oboe;
    Violinsonaten;
    Klaviersonaten u. -
    sonatinen, davon gedr. op. 1, ca. 1759;
    Klaviervariationen, o. J. -
    Neuausgg.: 6 Lieder in: M. Friedlaender, s. L;
    Sinfonie d-moll in: Mittel- u. Norddt. Kammersinfonien, hrsg. v. M. Schneider, 1954.

  • Literatur

    E. L. Gerber, Hist.-Biogr. Lex. d. Tonkünstler, 1790-92;
    M. Friedlaender, Das dt. Lied im 18. Jh., 2 Bde., 1902;
    A. Schering, Gesch. d. Oratoriums, 1911, S. 345-51;
    C. Meyer, Gesch. d. Mecklenburg-Schweriner Hofkapelle, 1913;
    H. Rentzow, Die meckl. Liederkomp. d. 18. Jh., 1938;
    J. Hennings, A. K. K. u. s. Lieder „Zum unschuldigen Zeitvertreib“, in: Die Musikforschung 3, 1950, S. 66-72;
    ders. u. W. Stahl, Musikgesch. Lübecks, 2 Bde., 1951 f.;
    MGG VII (W, L).

  • Autor/in

    Klaus Hortschansky
  • Empfohlene Zitierweise

    Hortschansky, Klaus, "Kunzen, Adolf Karl" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 310 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104137444.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA