Lebensdaten
1761 bis 1817
Geburtsort
Lübeck
Sterbeort
Kopenhagen
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 119301199 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kuntzen, Friedrich Ludwig Aemilius
  • Kunzen, Friedrich Ludwig Aemilius
  • Kuntzen, Friedrich Ludwig Aemilius
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Zitierweise

Kunzen, Friedrich Ludwig Aemilius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301199.html [26.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf Karl (s. 1);
    - Frankfurt/M. 1793 Joh. Margaretha Antoinetta (ca. 1766–1842), Sängerin, T d. kurtrier. Tenorsängers u. Leiblakaien Jakob Zuccarini in Koblenz;
    2 S, u. a. Carl Frederik (1800–72), Justizrat.

  • Leben

    K. erhielt seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater. Mit ihm trat er bereits 1768 als musikalisches Wunderkind als Pianist in London auf. 1781 begann er mit dem Jura-Studium in Kiel und begegnete dort dem musikverständigen Carl Frdr. Cramer, der mit zahlreichen Komponisten in Kontakt stand und den freundschaftliche Bande mit der deutsch-dän. Intelligenz um Klopstock, Gerstenberg und Claudius verbanden. Durch ihn lernte K. auch Joh. Abr. Peter Schulz 1784 in Kiel kennen, der vom weiteren Studium abriet, ihn nach Kopenhagen empfahl und, dort seit 1787 selbst anwesend, nach Kräften förderte. Seine Oper „Holger Danske“ (1789), von Baggesen nach Wielands „Oberon“ gedichtet, erregte Aufsehen (gedr. 1790); sie wurde Anlaß einer erbitterten „Holger“-Fehde, die zugleich eine Auseinandersetzung zwischen dän. und deutscher Kultur war. Enttäuscht wandte er sich nach Berlin, gründete zusammen mit Joh. Frdr. Reichardt einen Musikalienhandel und eine Notenstecherei und gab 1791 die Zeitschrift „Musikalisches Wochenblatt“ heraus. 1792 wurde er Kapellmeister am Theater in Frankfurt/Main und 1795 Kapellmeister in Prag, bevor er 1796 nach Schulzens Abschied als dän. Kapellmeister dessen Nachfolge antrat. Diese Stellung hatte K. bis zu seinem Tode inne und nahm von ihr aus nachhaltigen Einfluß auf das Musikleben Kopenhagens. Im Theaterspielplan begegnen regelmäßig Opern und Singspiele von ihm, u. a. 1796 „Hemmeligheden“, 1796 „Viinhøsten“ (bereits 1793 in Frankfurt als „Die Weinlese“ gegeben), 1798 „Erik Eiegod“, 1803 „Eropolis“; daneben schuf er Schauspielmusiken, u. a. 1805 zu „Dannequinderne“. Hervorzuheben ist K.s auch schon in Frankfurt praktiziertes Eintreten für die Wiener Klassiker: 1798 brachte er Mozarts „Così fan tutte“ und 1807 den „Don Giovanni“ sowie 1801 Haydns „Schöpfung“ mit etwa 200 Mitwirkenden zur Aufführung. Darüber hinaus galt sein Interesse der franz. Oper. Neben seiner Anstellung bei Hofe war er auch Kapellmeister in „Det harmoniske Selskab“.

    Wesentlichen künstlerischen Einfluß auf K. übte zunächst Schulz aus, der mit seinen „Liedern im Volkston“ (1782-90) ein neues pädagogisches Ideal des populären Kunstliedes verwirklichte. K.s Stil orientierte sich in seiner klassizistischen Eleganz und Sicherheit bei der Wahl der Ausdrucksmittel an Grétry und Monsigny ebenso wie an Mozart und Dittersdorf, in seiner Dramatik und seinem kraftvollen Pathos an Gluck und Salieri, an die ihn Cramer herangeführt|hatte. Sein „Halleluja der Schöpfung“, 1796, zwei Jahre vor Haydns „Schöpfung“ entstanden (gedr. 1802), gehört zu den verbreitetsten Werken der Chorliteratur zu Anfang des 19. Jh., das im aufblühenden Oratorienvereinswesen einen festen Platz innehatte. Neue, mit Cherubini, Beethoven und Kuhlau einsetzende Strömungen nahm er für sich nicht mehr wahr.|

  • Auszeichnungen

    Prof. (1809);
    Mitgl. der Schwed. Ak.

  • Werke

    Weitere W u. a. Compositionen d. in d. ersten Theile d. Gedichte meines Vaters Joh. Andr. Cramer enthaltenen Oden u. Lieder, hrsg. v. C. F. Cramer, 1784;
    Viser og Lyriske Sange, 1786;
    Weisen u. Lyr. Gesänge, 1788;
    Zerstreute Compositionen f. Gesang u. Clavier, 1789;
    Chöre u. Gesänge zu Klopstocks Hermann u. d. Fürsten, 1790;
    Hymne auf d. Harmonie, 1795;
    Dragedukken (ca. 1797);
    Hymne auf Gott (1801);
    Hiemkosten (ca. 1802);
    3 Ouvertüren f. gr. Orchester, o. J.;
    Polyhymnia. Et periodisk værk for sang og klaveer, o. J.;
    Ausw. d. vorzüglichsten altdän. Volksmelodien, Balladen u. Heldenlieder (1816). -
    Neuausgg.: Schauspielmusik zu Gyrithe, hrsg. v. Ch. Barnekow, in: Samfundet til udgivelse af dansk musik I, 1, 1872;
    3 Lieder in: M. Friedlaender, s. L;
    Klavierstücke in: Aeldre dansk Klavermusik, hrsg. v. E. Winkel, 1943;
    Sange fra oplysningstiden, hrsg. v. J. Nørgaard (? 1968);
    Lied „Lenore“ in: Balladen v. G. A. Bürger, in Musik gesetzt, hrsg. v. D. Manicke, 1970.

  • Literatur

    ADB 17;
    M. Friedlaender, Das dt. Lied im 18. Jh., 2 Bde., 1902;
    C. A. Martienßen, „Holger Danske“, Oper v. F. L. Ae. K., in: Zs. d. Internat. Musikges. 13, 1911-12, S. 225-32;
    B. Friis, F. L. Ae. K., Sein Leben u. Werk I: Bis z. Oper „Holger Danske“ (1761-89), Diss. Berlin 1943 (ungedr.);
    J. Hennings u. W. Stahl, Musikgesch. Lübecks I, 1951, S. 280 f.;
    C. E. Hatting, Et ukendt Kunzenmanuskript, in: Nordisk musikkultur 7, 1958;
    W. Saure, Die Gesch. d. Frankfurter Oper v. 1792 bis 1880, Diss. Köln 1958, S. 30-51;
    Briefwechsel zw. J. A. P. Schulz u. J. H. Voß, hrsg. v. H. Gottwaldt u. G. Hahne, 1960;
    N. M. Jensen, Den danske romance 1800-50 og dens musikaliske forudsætninger, 1964;
    N. Schiørring, Musikkens Historie i Danmark II, 1978;
    Dansk Leks. 13;
    MGG VII (W, L);
    Riemann u. Erg.bd. (L).

  • Portraits

    Kupf. n. M. Møller Henrichsen b. H. G. Nägeli, ca. 1800, Abb. b. Schiørring, s. L.

  • Autor/in

    Klaus Hortschansky
  • Empfohlene Zitierweise

    Hortschansky, Klaus, "Kunzen, Friedrich Ludwig Aemilius" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 311 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301199.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kunzen: Friedrich Ludwig Aemilius K., ein Componist des 18. Jahrhunderts, war 1761 oder 1763 in Lübeck geboren, studirte in Kiel, wo er mit dem Dichter Cramer freundschaftlichen Umgang hatte. Seine Anlagen für Musik zeigten sich sehr früh und er war besonders ein tüchtiger Clavierspieler; doch auch das Talent der Composition bewies er scholl 1784 durch die Composition der geistlichen Lieder seines obengenannten Freundes, die 1785 bei Breitkopf und Härtel in Leipzig gedruckt wurden. J. A. P. Schulz, der bekannte Componist, lernte ihn in Riel kennen und schreibt an Gerber: „Ich hatte oft Gelegenheit sein fertiges Clavierspielen, schnelles Notenlesen, brillantes und geschmackvolles Fantasiren, seine gründlichen Einsichten in die Composition, die er sich durch eignen Fleiß erworben hatte, seine Ausarbeitungen mancherlei Art, mit einem Worte, sein großes Genie zu bewundern.“ Von Kiel aus ging er 1787 nach Kopenhagen, wo er als Cembalist angestellt ward, sich aber daneben durch Stundengeben, wozu er die geringste Neigung hatte, sein Leben fristen mußte. Hier kam 1789 seine erste Oper, „Holger Danske“ von Baggesen zur Aufführung, die aber, vom Publikum zwar nicht übel, um so übler aber von den das Theater beherrschenden Kritikern Rahbeck und seiner Partei aufgenommen ward und zu einer heftigen Theaterfehde Anlaß gab. Seine Freunde zwar sahen, wie Fink schreibt, in ihm den künftigen Meister und rühmten seine Erfindung, „namentlich im Wechsel des Erhabenen, Sanften und Komischen zeigte sich Verstand und Gefühl in gutem Einklange“. Gleichwol Vertrieb ihn dieser Mißerfolg; er ging 1789 nach Berlin. Hier fand er an Reichardt einen warmen Freund, mit dem er 1791 ein „Musikalisches Wochenblatt“ und 1792 die „Musikalische Monatsschrift“ herausgab, doch beide Unternehmungen erwiesen sich nicht lebensfähig. Endlich fand er in Frankfurt a/M. eine ihm angemessene Stelle an dem neu errichteten Theater; er wurde dort Musikdirector mit einem Gehalte von 900 Gulden. Charakteristisch für die damalige Zeit ist es, und giebt uns den Beleg, wie langsam sich Mozart's Werke verbreitet haben, daß K., wie Schulz schreibt: „diese Stelle den Vortheil gewährte, aufs genaueste mit dem Genie Mozart's in dessen Singstücken bekannt zu werden, mit dem sich das seinige bald innig verwebte. Diesem Vorbilde arbeitete er nun mit so glücklichem Erfolge nach, daß als er etliche Jahre nachher (1795) ebenfalls als Musikdirector bei der Schauspielergesellschaft in Prag sein „Winzerfest“ (richtiger „Die Weinlese“, Oper in 3 Akten) auf das dortige|Theater brachte, das Prager Publikum es mit dem lautesten Beifall aufnahm, ohngeachtet solches so sehr durch die Mozartschen Singstücke verwöhnt war, daß in langer Zeit kein anderes dort hatte auskommen können.“ (sic?) Fink dagegen schreibt: Bemerkenswerth ist es noch, daß er selbst (nämlich K.) in späteren Jahren von seiner Oper: „Die Weinlese“, die so allgemeinen Beifall fand, gerade das wenigste hielt, immer wünschend, es möchten lieber seine übrigen Werke in Deutschland öffentlich bekannt werden; wozu jedoch die Theaterunternehmer nicht zu vermögen waren. Im Jahre 1795 legte Schulz seine Kapellmeisterstelle in Kopenhagen krankheitshalber nieder und schlug seinen Freund K. vor, der sie auch erhielt und bis an sein Lebensende bekleidete. K. hatte sich schon in Frankfurt mit der Sängerin Zacherini verheirathet, die sowol in Frankfurt, als auch in Prag als erste Sängerin debutirte. In Kopenhagen trat sie, so viel bekannt, nur als Concertsängerin auf. K. komponirte nun für die dänische Bühne mehrere Opern und Oratorien: 1796 „Hemmeligheden" (das Geheimniß); 1797 „Dragedukken" und „Jokeyen"; 1798 „Erik Ejegod"; 1799 „Naturens Röft", „Min Bedstemoder“ und „Ossians Harfe"; 1802 „Die Heimkunft“ (nach Gerber) und anderes; dann die Cantaten und Oratorien: 1796 „Die Auferstehung"; 1798 Halleluja der Schöpfung; 1800 Hymne auf Gott und Trauercantate auf seinen Freund J. P. A. Schulz u. a. (siehe Gerber und die Allgemeine musikalische Zeitung in Leipzig. Jahrgang XVII. S. 65, dort auch Jahrgang XIX. S. 185, eine Biographie über K.). Seine übrigen Compositionen bestanden in Clavierstücken und Orchesterwerken, auch soll er in obiger Musikzeitung nach des Redacteurs (G. W. Fink) eigenen Angaben „mehrere verdienstliche Aufsätze geliefert haben“, da aber die Redaction damals nicht beliebte, die Mitarbeiter unterzeichnen zu lassen, so bleibt man im Dunkeln, welche? K. starb nach der unzweifelhaft zuverlässigen Angabe Overskou's im Danske Skueplads IV. S. 428, am 28. Januar 1817. Die Urtheile in damaligen Zeitschriften stellen seine Compositionen sehr hoch und preisen sie als das Schönste und Herrlichste. Den Dänen galt er fast als Däne und sie priesen besonders das nationale Gepräge seiner Musik.

  • Autor/in

    Rob. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Kunzen, Friedrich Ludwig Aemilius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 403-404 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119301199.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA