Lebensdaten
1618 bis 1677
Geburtsort
Guben
Sterbeort
Guben
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 104115319 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Frank, Johann
  • Franck, Johann
  • Frank, Johann

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Zitierweise

Franck, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104115319.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. ( 1620), Ratsherr;
    M Elisabeth Appell ( 1652), beide aus Gubener Ratsfam.;
    4.12.1646 Anna ( 1668), T d. Ger.-Assessors David Kästner;
    1 T.

  • Leben

    F.s Leben gliedert sich in eine bewegte Schul- und Studienzeit und eine seßhafte Periode gewissenhafter Amtstätigkeit in Guben. Er besuchte die gelehrten Schulen von Cottbus, Stettin und Thorn, wo seine metrische Übersetzung von Euripides' Hecuba aufgeführt wurde. In Königsberg studierte er Jura und daneben Poesie. Dort befreundete er sich mit S. Dach. 1640 kehrte er zum Schutze seiner Mutter in das kriegsbedrohte Guben zurück, wirkte zunächst als Anwalt, ab 1646 als Ratsherr, ab 1661 als Bürgermeister. 1670 wurde er bürgerlicher Landesältester der Niederlausitz. – Während seine weltliche Lyrik, überladen mit humanistischer Gelehrsamkeit, in der Opitznachfolge steckenblieb, gelang ihm in der geistlichen Lyrik ein eigener, bildhaftdynamischer Ton. Da für ihn die Poesie „Säugamme der Frömmigkeit“ war, schuf er als tief Gläubiger zeitüberdauernde Lieder wie „Jesu, meine Freude“. Die besten von ihnen reichen nahe an die des ihm befreundeten P. Gerhardt heran und sind unter anderem von J. Crüger komponiert. Zahlreiche Vertonungen durch berühmte Meister, die sofortige Aufnahme in verschiedene Gesangbücher sowie Huldigungen angesehener Poeten, zum Beispiel des Freundes August Buchner, zeigen die Hochschätzung der Mitwelt. Seine Jesuslieder mit ihrer Christusminne wirkten auf die nachfolgenden geistlichen Dichter ein. Selbst heute noch nehmen F.s Lieder einen verhältnismäßig breiten Raum in den protestantischen Gesangbüchern des In- und Auslandes ein.

  • Werke

    Geistl. Sion … sambt d. Vater-unsers-Harffe, Wie auch s. Ird. Helicon, Guben 1674 (als Gesamtausg. früher ersch. Teile, mit Daten d. einzelnen Gedichte)..

  • Literatur

    ADB VII;
    J. C. Wetzel, Hymnopœographia I, Herrnstadt 1719;
    ders., Analecta hymnica I, 6. Stück, Gotha 1752;
    Koch;
    H. Jentsch, in: Neues Lausitz. Mgz. 52, 1876, S. 191 ff., 53, 1877, S. 1-58;
    K. Lorenzen, in: MGG IV, Sp. 657;
    Goedeke III.

  • Portraits

    Denkmal in Guben, 1877.

  • Autor/in

    Kate Lorenzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Lorenzen, Käte, "Franck, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104115319.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franck: Johann F. (in seinen Druckschriften stets Franck, in seinen Manuscripten Frank), Dichter, geb. zu Guben in der Niederlausitz 1. Juni 1618, aus|einer alten städtischen Patricierfamilie entsprossen. Er besuchte die Gymnasien zu Guben, Cottbus, Stettin und Thorn, auf welcher letzteren Anstalt bereits seine metrische Bearbeitung der euripideischen Hecuba aufgeführt wurde, vom Juni 1638 an die Universität zu Königsberg. Hier studirte er die Rechtswissenschaft, beschäftigte sich aber gleichzeitig mit der Poesie, wobei Simon Dach von hervorragendem Einflusse auf ihn war. Seine ältesten dort entstandenen Gedichte erschienen 1648 mit Johann Weichmann's Compositionen in dessen „Sorgen-Lägerin“. Eng befreundet war er mit Henrich Held aus Guhrau. 1640 kehrte er zu seiner Mutter in die von Kriegsgefahren bedrohte Vaterstadt zurück und ließ sich nach einem einjährigen Aufenthalte in Prag 1645 als Juris Practicus in derselben nieder. Der weitere Verlauf seines Lebens ist ein sehr ruhiger und gleichmäßiger. 1646 gab er seine erste selbständige Gedichtsammlung, „der Vater-Unser-Harfe ersten Chor“ — 100 verschiedenen Kirchenmelodien angepaßte Paraphrasen des Vater-Unsers — in Wittenberg heraus. 1648 wurde er Rathsherr zu Guben und veröffentlichte in Frankfurt a. O. der „Poetischen Werke ersten Theil“, gewidmet dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Vorzugsweise in den folgenden Jahren dichtete er geistliche Lieder, die theils in dm crüger-rungeschen berliner Gesangbüchern, theils in des gubener Cantor Christoph Peter Andachtzymbeln (Freiberg 1655) gedruckt wurden. 1658 erschien zu Frankfurt a. O. sein Gedicht Susanna mit einem Zusatz von Gedichten. 1661 wurde er Bürgermeister und betheiligte sich als solcher an den Schritten, die von seiner Vaterstadt aus bei Kaiser Leopold I. geschahen für die Begründung einer niederlausitzischen Landesuniversität zu Guben. In seinen späteren Jahren war er mit Nic. Peucker zu Cöln a. Sp. und anscheinend auch mit Paulus Gerhardt befreundet. 1670 wurde er bürgerlicher Landesältester der Niederlausitz. Vier Jahre später gab er die wichtigste Sammlung seiner Dichtungen heraus: „Geistliche und weltliche Gedichte, bestehende im geistlichen Sion und irdischen Helicon“ (Guben und Wittenberg 1674), in welche von den früher veröffentlichten nur die auf 333 Paraphrasen gebrachte Vater-Unser-Harfe und die Susanna aufgenommen wurden. Sie enthält die erste und einzige vollständige Ausgabe der 110 geistlichen Lieder, worunter mit Compositionen von Joh. Crüger 9, von Peter 42, von Sig. Ranisius eins. Am 18. Juni 1677 starb er nach kurzer Krankheit. Aecht christlicher Sinn und Treue im Amt hatten ihn ausgezeichnet. Unter seinen Dichtungen nehmen die geistlichen Lieder die hervorragendste Stelle ein: sie sind wahr und innig und verrathen ein tiefes Gemüth; durch viele klingt eine schwermüthig ernste Grundstimmung hindurch: die schwungvollere Form unterscheidet sie von den Gesängen P. Gerhardt's, denen sie im Uebrigen am nächsten stehen. Ungefähr 20 wurden in die Gesangbücher des vorigen Jahrhunderts aufgenommen, 4—6 haben sich in denen der Gegenwart erhalten. Eine Auswahl derselben gab 1846 J. L. Pasig heraus. Die bekanntesten sind: „Jesu, meine Freude", „Herr, ich habe mißgehandelt“, und das Abendmahlslied: „Schmücke dich, o liebe Seele“. Seine weltlichen Lieder, durchaus mit dem Charakter der ersten schlesischen Dichterschule, erheben sich nicht über das Gewöhnliche, doch schätzten sie die Zeitgenossen. — An seinem 200jährigen Todestage wurde F. in seiner Vaterstadt ein Denkmal errichtet.

    • Literatur

      Vgl. Jänichen, Lusatia litterata in Hoffmann, Scriptores rer. Lusatic. II. 337, und H. Jentsch im Neuen Lausitz. Magazin Bd. 52 (1876) S. 191 ff., Bd. 53 S. 1—58.

  • Autor/in

    Jentsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Jentsch, "Franck, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 211-212 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104115319.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA