Lebensdaten
1489 bis nach 1538
Geburtsort
Aslau bei Bunzlau
Beruf/Funktion
Orthograph ; deutscher Grammatiker
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 119062550 | OGND | VIAF: 27873177
Namensvarianten
  • Frangk, Fabian
  • Franck, Fabian
  • Frangk, Fabian
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Orte

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Zitierweise

Franck, Fabian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119062550.html [03.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp;
    M Barbara;
    B Gorig, vor 1516 Bürger zu Leipzig;
    Bunzlau vor 1531 Anna N. N. (Römer ?); Schwager Niclas Römer, vor 1531 Bürger zu Breslau.

  • Leben

    F. erhielt wahrscheinlich auf der Bunzlauer Stadtschule seine Vorbildung, da er 1506 bei der Immatrikulation an der Universität Frankfurt/Oder als Heimatort Bunzlau angab. Nach Erwerb des Magistertitels der Artistenfakultät brach F. vielleicht sein Studium ab, wohl um Kanzlist zu werden. Ca. 1520-25 unterrichtete er Johann, den 1513 geborenen jüngeren Sohn des brandenburgischen Kurfürsten Joachim I., im Lesen und Schreiben, kehrte dann nach Bunzlau zurück, wo er in einem Eigenhause eine deutsche Schule eröffnete. Nach dem Tode Joachims I. 1535 beriefen ihn Joachim II. und Markgraf Johann von Küstrin nach Frankfurt, „eine ordentlich deudsche schul fur die gemeine jugent … anzurichten“. Als Schulhalter in Bunzlau gab er 1531 zwei deutsche Schriften heraus. Die erste, „Ein Cantzley- und Titelbuchlin“, bietet hauptsächlich Briefmuster und Formulare für Kanzleischreiber und setzt eine Kanzleipraxis F.s voraus. Die zweite, „Orthographia deutsch“, bietet für Kanzlei und Schule eine wissenschaftliche Rechtschreibungslehre und wird noch 1531 dreimal nachgedruckt, dann 1532-40 zusammen mit dem „Cantzleybuchlin“ noch mehrmals neu gedruckt; der Druck von 1538 ist vom Autor selbst (aber unwesentlich) vermehrt, „jnn sonders den discipeln jnn deudschen schuln“ zum Gebrauch bestimmt und mit einer Widmung an seine fürstlichen Gönner versehen.|F. ist nicht der erste deutsche Orthograph, aber der erste, der eine an lateinischer Theorie geschulte orthographische Systematik bietet. Die gut beobachtete mundartliche Aussprache verschiedener deutscher Dialekte gibt er probeweise wieder, lehnt sie aber, und erst recht ihre schriftliche Fixierung, als fehlerhaft ab, da er die erst im Entstehen begriffene hochdeutsche Schriftsprache und ihre richtige Aussprache als Realität voraussetzt. Bei der weiten Verbreitung dieser Schrift blieben F.s Rechtschreibungslehre und seine Mahnung, sich nach dem Vorbild „Keiser Maximilianus Cantzelej und dieser zeit D. Luthers schreiben neben Johann Schonsbergers von Augsburg druck“ zu richten, sicher nicht ohne Einfluß auf die Weiterentwicklung. Dies, seine Begeisterung und Liebe für die deutsche Muttersprache und die Forderung nach einer den griechischen und lateinischen Grammatiken ebenbürtigen vollständigen deutschen Grammatik sichern F. einen Ehrenplatz in der Geschichte der neuhochdeutschen Schriftsprache. – F. ist auch der Verfasser der ersten deutschen methodischen Unterweisung zum (Schön-) Schreibenlernen (Schreibe Kunst, 1525); das sehr seltene Büchlein, das nur in Berlin (Kunstbibliothek der ehemaligen Staatlichen Museen [unvollständig]) und Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum) nachweisbar ist, hat noch eine besondere Bedeutung, insofern hier die früheste Formulierung der Lautiermethode für den Leseunterricht veröffentlicht wird. F.s Programm enthält die Vorwegnahme von psychologischen und pädagogischen Tendenzen, die erst in der Zeit der Aufklärung wieder in Erscheinung treten.

  • Literatur

    ADB VII;
    F. Weber, M. F. F., der erste Orthograph, in: Zs. d. Ver. f. Gesch. u. Alterthum Schlesiens 5, 1863, S. 361-72;
    Johs. Müller, Qu.-schrr. u. Gesch. d. dt.sprachl. Unterrichts, 1882, S. 388-93 (ebd., S. 92-110, Neudruck d. „Orthographia“);
    E. Wernioke, Zu F. F.s Biogr., in: Zs. f. dt. Philol. 16, 1884, S. 226 f.;
    K. v. Bahder, Grundlagen d. neuhochdt. Lautsystems, 1890, S. 70 f.;
    M. J. Jellinek, Gesch. d. neuhochdt. Grammatik 1, 1913, S. 44-46. – Zur Kalligraphie: Mitt. v. Werner Doede, Berlin.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Franck, Fabian" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 316 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119062550.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franck: Fabian F., erster deutscher Orthograph, geb. um 1500 in Aßlau bei Bunzlau, erwarb sich, ohne eigentlich gelehrte Studien gemacht zu haben, als Schulhalter solchen Ruf und solches Vertrauen, daß er ausersehen wurde, den zweiten Sohn des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg, den Markgrafen Johann, im Schreiben und Lesen zu unterrichten. Später finden wir ihn als Bürger in Bunzlau in eignem Hause deutsche Schule halten und hier gab er 1531 sein Lehrbuch „Teutscher Sprach Art vnd Eygenschafft. Orthographie, Gerecht Buochstaabig Teutsch zu schreiben“, verbunden mit einem Kanzlei- oder Formelbuch, 44 Bl., heraus, auf dessen Wichtigkeit Rudolph von Raumer in seiner Geschichte der Pädagogik zuerst aufmerksam gemacht hat. Von Kurfürst Joachim II. von Brandenburg nach seinem Regierungsantritte nach Frankfurt a. O. berufen, um „eine ordentliche deutsche Schul für die gemeine Jugend, so zum Studio zum Theil ungeschickt, zum Theil auch unvermögend sind, anzurichten, damit sie in deutscher Sprache und sonst in dem, so ihnen zu ihrem Beruf und Gewerb dienen möcht, gründlich unterweist werde“, veranstaltete F., um nicht „als Müßiggänger und unnützer Knecht“ befunden zu werden, für seine Schule eine neue vermehrte und verbesserte Ausgabe seines Werkes unter dem Titel: „Das Cantzlei vnd Titelbüchlin sampt der Orthographien M. Fabiani Franck's, wie man Sendbriefe förmlich stellen, Idem Stand seinen gebürlichen Titel geben, Darzu recht Deutsch schreiben vnd reden soll. 1538. Wittenberg." 176 Blätter in 8° und dedicirte sie seinen fürstlichen Gönnern Joachim und Johann. Seine Forderung, daß „man voraus recht und rein deutsch lerne", und in der That ist seine Anweisung zur Orthographie zugleich eine Sprachlehre, und daß man alsdann „jeglich Wort mit gebührlichen Buchstaben schreibe, daß kein Buchstab müssig oder zu viel noch zu wenig sei", zeigt von feinem pädagogischen Takt. Dabei geht er überall auf Luthers, nicht blos in der Sprache, sondern auch in Orthographie Grund legende Bibelübersetzung zurück und baut auf dieser classischen Autorität sein eignes System auf. Ganz abgesehen von seinem großen Verdienste um die damals erst im Entstehen begriffene Bürger- und Volksschule, macht ihn seine, in jener Zeit der unbestrittenen Herrschaft der classischen Sprachen so seltene Liebe zur Muttersprache, welche, „so lustig, nützlich und tapfer in ihrer Redmaaß, auch so weit kundig als irgend eine andere“, gleichwohl über dem Latein so vernachlässigt werde, „daß es uns billig schamroth machen sollt“, in hohem Grade verehrungswürdig. Wenn Franck sich auf dem Titel seines Buches Magister|und gelegentlich „freier Künste Magister“ nennt, während er anderwärts sich „den ungelehrten Laien, so der Hauptsprachen nicht geübt noch kundig“, zuzählt, so bleibt fast blos die Annahme übrig, daß dieser Grad dem Lehrer des Prinzen Johann von Brandenburg honoris causa durch einen Pfalzgrafen, die dazu ein Recht hatten, ertheilt worden sein mag. Das Jahr seines Todes ist unbekannt.

    • Literatur

      Die Raumer unbekannte zweite Ausgabe des Franck'schen Buches hat Dr. Franz Weber in Halberstadt in seinem Aufsatze: „Magister Fabian F., der erste deutsche Orthograph“, Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, V, S. 361—372, beschrieben.

  • Autor/in

    Schimmelpfennig.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schimmelpfennig, Adolf, "Franck, Fabian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 210-211 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119062550.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA