Lebensdaten
1756 oder 1757 bis 1788
Geburtsort
vermutlich Warschau
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Pianist ; Komponist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 104093579 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schröter, Johann Samuel
  • Schröter, Samuel
  • Schröter, Johann Samuel

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Zitierweise

Schröter, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104093579.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (s. 1);
    M Marie Regine Henrietta Hefter;
    Schw Corona (s. 2);
    St Martin-in-the-Fields 1775 Rebecca (1751–1826), T d. Robert Scott ( 1771), Kaufm. in L., u. d. Elizabeth N. N. ( 1794).

  • Leben

    In den – sorgfältig geführten – Gubener Kirchenbüchern ist kein Taufeintrag für S. vorhanden, so daß seine Geburt wohl für die frühe Warschauer Zeit der Familie 1756/57 anzunehmen ist. Neben dem Musikunterricht durch den Vater soll S. gemäß einem anonymen Nachruf auch bei Carl Philipp Emanuel Bach studiert haben. 1765 trat er in Leipzig gemeinsam mit seiner Schwester als Gesangssolist auf, nach dem Stimmbruch konzertierte er bereits 1767 als Pianist. 1772 begab sich S. mit Vater und Geschwistern auf eine Konzertreise nach England, wo er mit ihnen am 2. Mai in einem von Johann Christian Bach und Karl Friedrich Abel geleiteten Konzert mitwirkte. S. scheint den Kontakt zu seinem Landsmann Bach genutzt zu haben, um sich in London niederzulassen, während die Familie nach Leipzig zurückkehrte. Er fand eine Anstellung als Organist und brachte im Verlag Napier seine bereits in Amsterdam veröffentlichten Triosonaten op. 2 heraus. 1774 erschienen ebenfalls bei Napier seine Klavierkonzerte op. 3, die in vielen Nachdrucken in ganz Europa Verbreitung fanden und S. weithin berühmt machten. Mozart lobte die Werke in einem Brief an den Vater Leopold als „sehr schön“ (Brief v. 3.7.1778) und schrieb zu vier Konzerten eigene Kadenzen. 1782 folgte S. dem verstorbenen Johann Christian Bach, mit dem er in engem künstlerischen und persönlichen Kontakt gestanden hatte, als Musikmeister der Kgn. Sophie Charlotte nach. Zu dieser Zeit hatte S. als Komponist, Pianist und Klavierlehrer in London den Höhepunkt seiner Karriere erreicht.

    Einen tiefgreifenden Einschnitt in S.s Biographie markiert die Heirat mit einer Schülerin. Über die näheren Umstände dieser Verbindung und die Person der Braut fehlen exakte Angaben. Ein engl. Nachruf berichtet, daß die Familie der Braut gegen Zahlung einer jährlichen Pension S. gezwungen habe, seine öffentlichen Konzerte einzustellen, doch mögen – wie die jüngere Literatur anführt – auch eine beginnende Lungenkrankheit und die Konkurrenz Muzio Clementis (1752–1832) zum partiellen Rückzug S.s vom Londoner Musikleben beigetragen haben. Er spielte jedoch weiterhin in Privatkonzerten und wurde 1786 zum Kammermusiker des Prince of Wales ernannt. Drei Jahre nach seinem Tod schloß Joseph Haydn auf seiner Englandreise Freundschaft mit S.s Witwe und widmete ihr seine Klaviertrios (Hob. XV: 24-26).

    S.s Kompositionen sind in ihrer kleinen Besetzung und leichten Spielbarkeit auf den Bedarf des florierenden Londoner Musikmarktes seiner Zeit zugeschnitten. Ihr Stil ist auf die Möglichkeiten des modernen Tasteninstruments abgestimmt, dessen klangliches Spektrum S. auch als Pianist voll auszuschöpfen verstand. Charles Burney und|andere zeitgenössische Berichte loben seinen natürlichen melodischen Vortrag und seine Eleganz. Seine Konzerte zeigen u. a. in der kantablen Gestaltung der langsamen Sätze Bezüge zu Mozarts Klavierkonzerten. Zu seinen Schülern gehört Johann Baptist Cramer (1771–1858).

  • Werke

    Weitere W Six Concertos for the Harpsichord or Piano Forte op. 5. London um 1780;
    Six Sonatas for the Piano Forte … with Accompaniments for a Violin and Violoncello … op. 6, London 1786;
    W-Verz. b. Franz Joseph Schwarz, „Ihr, werth des Beyfalls!“, Die Schröters, Studien zu e. Musikerfam. d. späten 18. u. frühen 19. Jh., 1993.

  • Literatur

    ADB 32;
    Anecdotes of Schroeter, in: The British Mercury 7, 1788, S. 395-99;
    V. D. Broughton (Hg.), Court and private Life in the time of Queen Charlotte, being the Journals of Mrs Papendieck, assistant keeper of the wardrobe and reader to her majesty. 2 Bde., 1887;
    K. Wolff, J. S. S., in: Musical Quarterly 44, 1958, S. 338-59;
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG;
    New Grove;
    New Grove;
    Oxford DNB (Qu).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Schröter, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 586-587 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104093579.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA