• Leben

    Über L.s Leben ist uns nichts bekannt. Sein Werk lokalisiert ihn in das bair.-österr. Mundartgebiet, doch ist ein Ort Leidnitz bisher nicht nachweisbar. Aufschluß über die Datierung gibt nur die Entstehungszeit der Handschriften. Sie gehören in die 2. Hälfte des 15. Jh. bzw. in die 1. des 16. Jh. – mit einer Ausnahme, der Berliner Handschrift Mgf. 922, die in das 1. Viertel des 15. Jh. datiert wird (Brauns, Thiele). Danach muß L. etwa um die Wende vom 14. zum 15. Jh. gelebt haben. Daß er bürgerlichem Milieu entstammte und Handwerker war, wie behauptet wird (vgl. Vf.-Lex.), läßt sich nicht belegen.

    L., der in der Forschung nur wenig behandelt wurde, werden drei Reimpaargedichte zugeschrieben, die seine Signatur tragen. In der „Liebesprobe“ haben drei Ritter ihre Liebe unter Beweis zu stellen. Die umworbene Dame schickt sie auf Rat einer klugen Frau auf Abenteuerfahrt. Bei ihrer Rückkehr spiegelt ihnen die Vertraute vor, die Dame sei vom Aussatz befallen. Darauf verabschieden sich zwei der Liebhaber, nur der dritte bleibt standhaft, der, nachdem sie ihm die Wahrheit kundgetan hat, die Hand der Dame gewinnt. Die dem Bereich der Mären zuzuordnende Reimpaardichtung schließt mit einer didaktischen Pointe im Sinne vieler Minnereden, die „triuwe“ zu prüfen und nur die „frumen“ zu lieben. Entsprechend wurde das Werk auch in Gruppen von Minnereden mit überliefert. – Das „Belauschte Liebesgespräch“, das dem Umkreis der Minnereden angehört, gestaltet in Dialogform die gleiche Thematik der Werbung und schließt ebenfalls mit der Lehre an die Frauen, die Treue auf die Probe zu stellen. – „Der Prozeß im Himmel“ führt den Dichter im Traum in den Himmel. Dort wohnt er einer Gerichtsverhandlung bei. St. Nikolaus klagt bei Gott St. Johannes an: die Leute, die zu Johannes Ehre das ganze Jahr hindurch allzu reichlich St. Johanns Minne trinken, würden dann in ihrer Not St. Nikolaus um Hilfe anrufen. Einige Apostel äußern sich zu der Klage; St. Andreas bringt vor, daß bereits am Morgen St. Bernhards Minne getrunken werde. So sei St. Bernhard der eigentlich Schuldige. Die Verhandlung schließt mit einem Vergleich. Der Mirakelschwank endet mit St. Bernhards Versprechen, alle, die schon morgens nüchtern ihm mit einem Trunke dienen, durch zwei blaue Augen, zwei zitternde Hände und eine trunkene Gestalt zu belohnen. – L. folgt zwar den Konventionen im Bereich mittelalterlicher Reimpaardichtung, in besonders anschaulicher Weise läßt er jedoch die Darstellung mittelalterlichen Brauchtums in sein Werk eingehen.

  • Werke

    Die Liebesprobe, Hss.: Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbes., Mgf. 922, Heidelberg, Cpg. 393, München, Cgm. 270 u. Cgm. 713, Nürnberg, Germ. Nat.Mus. Cod. 5339 a;
    Ausgg.: A. v. Keller, Erzz. aus altdt. Hss., 1855, S. 150-160;
    H. Fischer, Die dt. Märendichtung d. 15. Jh., 1966, Nr. 14. -
    Belauschtes Liebesgespräch, Hss.: Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbesitz, Mgf. 488, Heidelberg. Cpg. 313, Lana XXIII D 33, London, Brit. Mus. Add. 24 946, Stuttgart, Landesbibl. Cod. poet. et philol. 69, Weimar, Zentralbibl., Cod. 0 145;
    Ausg.: W. Brauns u. G. Thiele, Mhdt. Minnereden II, 1938, Nr. 3 u. 3 a (Anhang). -
    Der Prozeß im Himmel, Hs.: München, Cgm. 5919;
    Ausgg.: Druck des 16. Jh.;
    A. v. Keller, Erzz. aus altdt. Handschriften, 1855, S. 32-37;
    K. Goedeke, in: Weimarer Jb. 6, 1857, S. 28-35;
    H. Fischer, Die dt. Märendichtung d. 15. Jh., 1966, Nr. A 10.

  • Literatur

    ADB 18;
    K. Matthaei, Mhdt. Minnereden I, 1913, S. 169 f.;
    W. Brauns, G. Thiele, Mhdt. Minnereden II, 1938, S. XIV, Nr. 32;
    H. Niewöhner, in: Zs. f. dt. Philol. 65, 1940, S. 191 f.;
    T. Brandis, Mhdt., mittelniederdt. u. mittelniederländ. Minnereden, 1968, S. 87 f.;
    H. Fischer, Die dt. Märendichtung d. 15. Jh., 1966, S. 534 f., 558 f.;
    ders., Stud. z. dt. Märendichtung, 1968, S. 170 f. u. ö.;
    I. Glier, Artes amandi, 1971, S. 367 u. ö.;
    - Zur Tradition d. Minnetrinkens:
    I. Zingerle, Johannissegen u. Gertrudenminne, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, phil.-hist. Kl., 40, 1862, S. 177-229;
    A. Franz, Die kirchl. Benediktionen im MA I, 1909, S. 286-334. -
    Vf.-Lex. d. MA I, Sp. 773 f., V, Sp. 238 f.;
    Vf.-Lex. d. MA II, Sp. 977 f.

  • Autor/in

    Maria Schierling
  • Empfohlene Zitierweise

    Schierling, Maria, "Leidnitz, Fröschel von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 138-139 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104079649.html#ndbcontent

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  • Leben

    Leidnitz: Fröschel von L., auch Frosch von Leibnitz oder Leidnitz Fröstel in den Handschriften genannt, ist Verfasser mehrerer poetischer Erzählungen, die dem Stil und der Darstellungsweise nach nicht später als im 15. Jahrhundert gedichtet sein können. Die eine handelt „von drei Buhlern“, welche die von ihnen umworbene Jungfrau auf Rath einer klugen Frau fortschickt, den einen nach England, den andern auf eine Preußenfahrt, den dritten über Meer nach Palästina. Als die von ihr festgesetzte Zeit verstrichen ist, giebt sie vor, daß sie inzwischen von einer widerwärtigen Krankheit befallen worden, worauf zwei sich zurückziehen, nur der dritte, der sie wirklich liebt, läßt sich nicht abschrecken und empfängt dafür den Lohn der Liebe. In einem zweiten Gedichte fingirt der Dichter, daß er im Traume von einem Engel in den Himmel geführt worden sei, wo gerade Gerichtstag ist und Gott Recht spricht. S. Nicolaus beklagt sich über Johannes den Täufer, daß, wenn die Leute diesem zu Ehren (S. Johannis Minne) sich betrinken, sie dann ihn, den heil. Nicolaus, um Hülfe in der Noth anrufen. Johannes verantwortet sich, worauf die Apostel ebenfalls ihre Meinung über den Streitfall abgeben, die Sache aber schließlich in Güte beigelegt wird.

    • Literatur

      Keller, Erzählungen aus altdeutschen Handschriften S. 32—37. 150—160.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Leidnitz, Fröschel von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 217 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104079649.html#adbcontent

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