Lebensdaten
1653 bis 1716
Geburtsort
Eschdorf bei Pirna
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Buchhändler ; Verleger
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 104073772 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gleditsch, Johann Friedrich

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Zitierweise

Gleditsch, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104073772.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V George (1615–65), Pfarrer in E., S d. Seifensieders u. Ratsherrn George (s. Einl.) u. d. Stadtrichters-T Magdalene Lehmann in Sayda;
    M Catharina (1624–71), T d. Kaufm. Christoph Nicolai in Pirna u. d. Pfarrers-T Johanna Fleischer;| Om Joh. Christoph Nicolai (1623–81), D.theol., Sup. v. Eilenburg;
    B Joh. Ludw. (s. 3);
    Nov. 1681 Catharina Marg. (1647–1720), Wwe d. Verlagsbuchhändlers Joh. Frdr. Fritzsche ( 1680, s. NDB V*), T d. Buchhändlers Thomas Matthias Goetze ( 1672, s. NDB VI);
    2 S, 1 T, u. a. Joh. Gottlieb (s. 2), Kath. Margaretha (⚭ Joh. Burkhard Mencke, 1732, Historiker, Herausgeber);
    Stief-S Thomas Fritsch (1666–1726), Verlagsbuchhändler (s. NDB V*);
    Ur-E Peter Gf. v. Hohenthal (1726–94), Vizepräs. d. sächs. Kommerzdeputation.

  • Leben

    G. kam nach dem frühen Tod des Vaters auf Veranlassung des Onkels Nicolai auf die Thomasschule nach Leipzig. Da die Vermögensverhältnisse ein Studium nicht zuließen, wurde der begabte Knabe durch den Leipziger Universitäts-Professor F. Rappolt, Nicolais Schwiegervater, dem Buchhändler Elert Schumacher in Wittenberg in die Lehre gegeben. Dort blieb er auch nach Abschluß der Lehrzeit als Gehilfe bis 1680. 1681 trat er in die Fritschsche Buchhandlung ein, deren Inhaber zuvor verstorben war, und heiratete die Witwe Fritsch (Fritzsche), Enkelin des Kupferstechers Matthias Meriandem Älteren – In wenigen Jahren verschaffte er dem Unternehmen, das schon vorher im Sortiment und im Verlagswesen nicht unbedeutend war, eine überragende Stellung. Schon 1682 begann er, zunächst gemeinsam mit dem Inhaber des altangesehenen Grosseschen Verlages, die verlegerische Betreuung der Acta Eruditorum, der damals von Otto Mencke gegründeten ersten gelehrten Zeitschrift Deutschlands. 1688 verlegte G. Seckendorffs Geschichte des Luthertums, ein Werk, in dem zum ersten Male die Quellen der ernestinischen Archive erschlossen wurden. Zahlreiche theologische und juristische Werke folgten.

    Ende 1693 übergab G. das 1594 von Thomas Schürer, dem Urgroßvater seiner Frau, gegründete Geschäft seinem damals 27jährigen Stiefsohn Thomas Fritsch, gründete aber sofort eine eigene Sortiments- und Verlagsbuchhandlung, die einen Teil der Werke des bisherigen Unternehmens übernahm. Dies neue Buchhandelsgeschäft wurde in wenigen Jahren durch die Klugheit und den rastlosen Fleiß von G. das erste des damaligen Deutschland. Wegen ihrer ausgezeichneten, in Deutschland zu jener Zeit einzigartigen typographischen Ausstattung fanden die Verlagswerke sogar in Holland, dem Musterland der damaligen Typographie, wo man sonst auf deutsche Drucke herabsah, höchste Anerkennung; M. G. Endter in Nürnberg pries G. als den „König der deutschen Buchhändler“. G. verlegte unter anderem die Lexika des Hamburger Gymnasialrektors Johann Hübner (Schwiegervater von G.s Sohn), die Vorläufer der Konversationslexika und aller modernen „Schlag nach“-Werke, Bücher, die sich über 100 Jahre behaupteten; Hübners Schulbuch „Zwey mal zweyundfünfzig biblische Geschichten“ erlebte 1704-1873 108 Auflagen. G. unterhielt Auslieferungslager seines Sortiments in Kopenhagen, Amsterdam und London. Auf dem Gebiete der Zahlung von Autorenhonoraren war sein Wirken bahnbrechend, seine großzügigen Gaben von Büchern des eigenen Verlages an Schul-, Universitäts- und Pfarrbibliotheken legen Zeugnis davon ab, daß er sich unbeschadet seiner großen kaufmännischen Fähigkeiten von ethischen Gesichtspunkten leiten ließ. Sein Schwiegersohn, der sächsische Hofhistoriograph J. B. Mencke, führte nicht nur die von seinem Vater Otto Mencke gegründeten Acta Eruditorum weiter, sondern gab auch im Verlage des Schwiegervaters 1715 die Erstauflage des „Gelehrten-Lexikons“ heraus, das später Jöcher fortführte und dessen Wert noch heute unbestritten ist. Die Worte, die Roth-Scholtz 1729 dem 2. Band seiner Buchhändlerbildnisse voranstellte „Immortalis gloria Gleditschiorum“, haben bis heute ihre Gültigkeit behalten; eine große Zahl bedeutender Persönlichkeiten stammt von G. ab.

  • Literatur

    Lpr., Leipzig 1716 (P: Stich v. Bernigeroth);
    F. Roth-Scholtz, Btr. z. Historie derer Gelehrter, Nürnberg 1725, S. 167 ff.;
    ders., Icones bibliopolarum II, ebd. 1729 (P);
    Benzing, Verleger;
    Ersch-Gruber I, 69; s. a. L z. Gesamtart.

  • Portraits

    Stich v. M. Bernigeroth, 1713 (Berlin, Kupf.kab., u. Halle, Univ.bibl.), Abb. b. F. Roth-Scholtz, Icones. …, s. L;
    H. W. Singer, Allg. Bildniskat. V, 1931, 32 772-82.

  • Autor/in

    Adalbert J. Brauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Brauer, Adalbert J., "Gleditsch, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 439 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104073772.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gleditsch: Johann Friedrich G., Buchhändler in Leipzig, ward am 15. August 1653 zu Eschendorf bei Pirna geboren. Sein Vater Georg G. war daselbst Pfarrer; seine Mutter Catharina, eine geborne Nicolai, stammte aus Pirna. Er wurde sorgfältig erzogen, im väterlichen Hause auch unterrichtet, dann der Kreuzschule in Dresden zu Ostern 1665 zur weiteren Ausbildung anvertraut. Doch hatte er das Unglück seinen Vater gegen Ende dieses Jahres zu verlieren und sechs Jahre darauf starb auch seine Mutter (1671). Sein Oheim, Superintendent Dr. Johann Christoph Nicolai in Eilenburg nahm sich nun des Verwaiseten an und erwirkte für seinen Neffen zur Vollendung seiner Schulstudien eine Stelle als Alumnus auf der Thomasschule zu Leipzig, wo ihm besonders Conrector Rölich und Cantor Knüpfer gewogen wurden und ihn in seinen Studien kräftig unterstützten. Das von seinen Eltern hinterlassene Vermögen reichte jedoch zum Studium nicht ans, und so entschloß er|sich zur Erlernung des Buchhandels. Er bestand seine Lehrzeit bei dem Buchhändler Elert Schumacher in Wittenberg. Nachdem er noch in Eisenach sich als Commis in einer Buchhandlung eine kurze Zeit aufgehalten hatte, kehrte er zu Ostern 1681 nach Leipzig zurück und trat um diese Zeit als Gehilfe in die Buchhandlung von Johann Fritsch ein, welche im Jahre zuvor ihren Chef durch den Tod verloren hatte (Fritsch starb 1680 zu Frankfurt am Main). Er leitete nun mit unermüdlicher Thätigkeit, Fleiß und Umsicht das ausgebreitete Geschäft und durch sein musterhaftes Betragen empfahl er sich so der hinterlassenen Wittwe, einer geborenen Götz aus Frankfurt am Main, daß sie sich am 21. November 1681 mit ihm verheirathete. Dieser 36jährigen Ehe entsprangen vier Kinder. Er führte nun das Fritsch'sche Geschäft mit gleichem Eifer fort, bis er es gegen Ende des J. 1693 seinem Stiefsohne, Thomas Fritsch, den er sich im Laufe der Jahre zum Geschäftsbeistande herangebildet hatte, zu eigener Fortführung überweisen konnte. Erst nachdem dieses geschehen, konnte G., bereits 40 Jahre alt, daran denken, eine Handlung unter seinem eigenen Namen zu errichten (1694), die er dann bald durch seine Thätigkeit und Umsicht zu bedeutendem Range und zu einer europäischen Berühmtheit zu erheben wußte. Aus seiner Firma, welche unter ihm und seinen Nachfolgern länger als hundert Jahre bestand, ging eine Reihe von Verlagswerken hervor, welche seinen Namen noch lange in der gelehrten Welt erhalten werden und durch deren Herausgabe er sich das schönste Denkmal gestiftet hat. Die Schriften von Joh. Hübner erschienen alle in seinem Verlage (Hübner's „Staats-, Zeitungs- und Conversations-Lexikon“ in der 31. Auflage 1827. Desselben Genealogische Tabellen, die genealogisch-historischen Nachrichten, in zwei Sammlungen zusammen 313 Bände), ferner eine ganze Reihe noch heute werthvoller Werke, z. B. „Codex Augusteus“, Siegel's „Corpus juris cambialis“ in 6 Folianten, „Allgemein juristisches Oraculum" in 17 Folianten, Döbel's „Jäger-Practica", Büffon's „Naturgeschichte“, Jöcher's „Allgemeines Gelehrten-Lexikon“ mit Fortsetzung von Adelung und Rotermund, Rasch „Lex rei nummar.“, Heinsius' „Allgemeines Bücher-Lexikon“, Feßler's „Geschichte von Ungarn“, Ersch u. Gruber's „Allgemeine Encyklopädie“. Letzteres Werk, das für sich jetzt schon eine kleine Bibliothek bildet, ist bei Auflösung der Gleditsch'schen Buchhandlung im J. 1831 nebst anderen Werken in den erlag der F. A. Brockhaus'schen Verlagshandlung übergegangen. Es muß noch erwähnt werden, daß G. gleichsam der Schöpfer mehrerer Encyklopädien war, die in verschiedenster Gestalt und Art in seinem Verlage sich vertreten fanden. Sein Verlag hatte einen so großen Ruf, daß, was mit seiner Firma erschien, schon dadurch für ein gutes Buch galt. Er selbst starb am 26. März 1716 und seine Handlung, welche im besten Flor stand, ging in die Hände seines Sohnes Johann Gottlieb über. 1805 kam die Handlung in den Besitz von Karl Friedrich Enoch Richter, unter diesem entstand die Idee der Herausgabe der großen Encyklopädie von Ersch und Gruber und es erschienen auch eine Anzahl Bände derselben bei ihm, doch hatte Richter seine Kräfte überschätzt, sodaß er sich im J. 1830 genöthigt sah zu liquidiren; er siedelte darauf nach Hamburg über, wo er am 15. October 1831 starb.

    • Literatur

      Vgl. Hasse, Geschichte der Leipziger Buchdruckerkunst, S. 66. Roth-Scholtz, Beytrag zur Historie der Gelehrten, III. Th. S. 167 ff. Letztes Ehren-Gedächtniß Herrn Johann Friedrich Gleditschens, weyl. Bürgers und weitberühmten Buchhändlers in Leipzig, Leipzig 1716, Folio, etc.

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Gleditsch, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 222-223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104073772.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA