Lebensdaten
1575 bis 1622
Geburtsort
Lauda (Baden)
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Bischof von Bamberg ; Bischof von Würzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104047631 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann Gottfried von Aschhausen
  • Aschhausen, Johann Gottfried von
  • Johann Gottfried I. von Aschhausen
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Zitierweise

Johann Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104047631.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus fränk. Adelsgeschl. (Aschhausen b. Künzelsau, erloschen 1657);
    V Gottfried ( 1581), würzburg. Amtmann zu L., S d. Johann Gottfried u. d. Apollonia v. Ehrenberg;
    M Brigitta ( 1601), T d. Hans Zobel v. Giebelstadt ( 1581), würzburg. Rat u. Hofmeister, u. d. Apollonia v. Bibra;
    Om Johann Georg I. Zobel v. G. ( 1580), Bischof v. Bamberg (seit 1577).

  • Leben

    Der bedeutende fränk. Kirchenfürst studierte in Fulda, Würzburg, Pont-à-Mousson und Mainz, wurde 1593 in das Würzburger, 1596 in das Bamberger Domkapitel aufgenommen empfing 1601 die Priesterweihe und wurde 1604 Dekan des Stiftes Comburg. Nach Intervention des im Verein mit dem Würzburger Bischof Julius Echter v. Mespelbrunn handelnden Hzg. Maximilian I. von Bayern wurde er am 21.7.1609 im zweiten Wahlgang einstimmig zum Bischof von Bamberg gewählt, nachdem der zunächst gewählte Christoph Neustetter gen. Stürmer abgelehnt hatte. So hatten die Intervenieren doch ihr Ziel erreicht, einen Mann von asketischer Lebensführung und streng tridentinischer Katholizität zum Nachfolger jenes Johann Philipp v. Gebsattel zu machen, der neugläubiger Neigungen verdächtigt worden war und dem man liederlichen Lebenswandel vorgeworfen hatte. J. wandte die drohende Säkularisation von Bamberg ab und betrieb nach Würzburger Vorbild die kirchliche Reform vor allem mit Hilfe seines Generalvikars (seit 1610) und Weihbischofs (seit 1612) Friedrich Förner (Germaniker) und der Jesuiten, die er 1610 nach Bamberg berief. Im Febr. 1610 schloß er sein Hochstift der Liga an und einigte sich mit Würzburg über strittige Hoheitsrechte. Als Gesandter des Kaisers Matthias weilte er 1612/13 an der röm. Kurie. Am 5.10.1617 wurde er (schon seit 1610 im Besitz eines Breve eligibilitatis) als Nachfolger Julius Echters zum Bischof von Würzburg gewählt und vereinigte so die beiden fränk. Bistümer erstmals in einer Hand. Zur Niederwerfung des böhm. Aufstandes stellte er für beide Stifte seine Ligakontingente zur Verfügung, verstand es aber, den Krieg selbst von seinen Ländern fernzuhalten. Er starb, nachdem er in Regensburg zum Fürstentag eingetroffen war.

  • Literatur

    ADB 14;
    J. Saller, Lpr., 1623;
    I. Gropp, Collectio novissima scriptorum et rerum Wirceburgensium II, 1744, S. 214-78;
    ders., Wirtzburg. Chronick I. 1748, S. 387-401;
    Slg. d. wirzburg. Landesverordnungen I, 1776, S. 45-219;
    M. v. Deinlein, J. G. v. A., in: 39. Ber. … d. hist. Ver. … Bamberg, 1877;
    Des Bamberger Fürstbischofs J. G. v. A. Gesandtschafts-Reise nach Italien u. Rom, hrsg. v. Ch. Häutle, 1881;
    H. Weber. J. G. v. A., 1889;
    J. Looshorn, Die Gesch. d. Bisthums Bamberg V, 1903;
    J. Setterl, Die Ligapol, d Bamberger Fürstbischofs J, G. v. A. in d. J. 1609-17, in: 72. Ber. … d. Hist. Ver. … Bamberg, 1915, u. 73. Ber., 1916;
    L. Bauer, Die Rolle Hzg. Maximilians v. Bayern b. d. Wahl d. Bamberger Fürstbischofs J. G. v. A. 1609, in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 25, 1962;
    J. Kist, Fürst- u. Erzbistum Bamberg, 31962 (P);
    Fränk. Bibliogr., hrsg. v. G. Pfeiffer, I, 1965.

  • Portraits

    Kenotaph v. M. Kern (Würzburg, Dom), Abb. in: F. Mader. Die Stadt Würzburg, 1915;
    J. Salver, Imperialis Cathedralis Ecclesia Bambergensis in iconibus episcoporum suorum, 1717.

  • Autor/in

    Alfred Wendehorst
  • Empfohlene Zitierweise

    Wendehorst, Alfred, "Johann Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 467 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104047631.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johann Gottfried I. von Aschhausen, Fürstbischof von Bamberg (1609—1622) und Würzburg (1617—1622), geb. am 12. August 1575 zu Lauda. Seine im südlichen Franken angesessene Familie gehörte zur Ritterschaft des Cantons Odenwald. Nach einem mit besonderer Auszeichnung in Fulda, Würzburg, Pont-à-Mousson und Mainz zurückgelegten Studiengang erlangte er durch Resignation eines älteren Bruders im J. 1593 eine Domherrenpfründe in|Bamberg, 1596 eine solche in Würzburg und 1604 das Decanat des Ritterstifts Komburg. Als dann im J. 1609 der Bamberger Fürstbischof Johann Philipp von Gebsattel starb, wurde J. G. am 21. Juli d. J. zum Nachfolger gewählt. Man darf diese Wahl unzweifelhaft als eine sehr bedeutsame betrachten, denn zu einer Zeit, wo das Reich sich immer mehr in zwei große feindliche Heerlager zu scheiden begann, hing von dem Schicksal der reichen im Herzen Deutschlands gelegenen fränkischen Bisthümer nicht wenig ab. Was man nun von dem Neugewählten erwarten zu dürfen glaubte, geht am besten hervor aus der lebhaften Befriedigung, der man darüber in Rom wie am Münchener Hof Ausdruck gab; wird doch eine Persönlichkeit, wie Cardinal Bellarmin, nicht müde, ihn wiederholt mit den höchsten Lobsprüchen auszuzeichnen, gleichwie auch später der päpstliche Nuntius Caraffa voll der Anerkennung für ihn ist. Daß man sich in diesen Kreisen über J. G. in der That nicht getäuscht hatte, beweist seine ganze weitere Wirksamkeit. Bereits sein vorletzter Vorgänger Neithard v. Thüngen war eifrigst bestrebt gewesen, den im Bamberg'schen sehr verbreiteten Protestantismus wieder zu verdrängen, und dieses Beginnen fand nun durch J. G. seine erfolgreiche Vollendung; er hat zu diesem Zweck die Jesuiten in sein Stift berufen und ihnen das Unterrichtswesen übergeben. Entscheidend war ferner seine Erhebung für den Eintritt Bambergs in die Liga. Dem Vorgänger Johann Philipp von Gebsattel hatten die Gründer dieses Bundes mißtraut, jedoch der Regierungswechsel schaffte sofort volle Klarheit; Bamberg zählt mit dem Nachbarstift Würzburg von da an zu den wichtigsten und leistungsfähigsten Bundesgliedern. Ebenso ist es nach vorübergehender Auflösung der Liga in Folge der Spannung zwischen den Höfen von München und Wien der Initiative Johann Gottfrieds mit zuzuschreiben, daß 1607 eine Wiederherstellung des Bündnisses unter Leitung Maximilians von Baiern zu Stande kam. Ein solches fortgesetzt eifriges Eintreten für die katholische Sache macht es dann auch um so leichter erklärlich, daß man J. G. am 5. November 1617 in Würzburg zum Nachfolger eines Julius Echter wählte. Zum ersten Mal erscheinen hier die beiden Nachbarbisthümer in einer Hand vereinigt. Gerne wurde in Rom die für solche Fälle nöthige Zustimmung ertheilt, denn man fühlte hier wol eben so sehr wie am betreffenden Orte selbst, wie wichtig es für die Behauptung dieser von mehr als einer Seite bedrohten Stifter sei, wenn in so bewährter Hand die Zügel vereinigt würden. J. G. hatte übrigens schon 1609 in Würzburg die Propstei des Stiftes Haug und 1610 die gleiche Würde im Domstift erhalten. Mit also vereinigten Kräften konnte er dann beim Ausbruch des 30jährigen Krieges mit um so größerem Nachdruck handelnd auftreten. Das stattliche Contingent an Fußtruppen und Reiterei, welches Bamberg und Würzburg unter der Leitung tüchtiger Führer, der Obersten Bauer v. Eiseneck und Herzelles zum ligistischen Heere stellten, nahm an den Feldzügen der Jahre 1620—1622 hervorragenden Antheil, allerdings unter nicht geringen Verlusten. Auch als Ernst v. Mansfeld wiederholt mit einem Einfall in die Stifter drohen ließ, änderte J. G. die einmal eingenommene Stellung in keiner Weise. Uebrigens nicht nur in dem engeren Kreise der Liga, sondern auch am kaiserlichen Hofe genoß J. G. fortgesetzt großes Ansehen. So bestellte ihn Kaiser Rudolf II. zu seinem Commissar für den Nürnberger Kurfürstentag 1611. Ferner nahm er erheblichen Antheil an dem Regensburger Reichstag des Jahres 1613, worauf ihn Kaiser Matthias mit mehreren diplomatischen Sendungen nach Italien betraute; Papst Paul V. trug ihm bei dieser Gelegenheit den Cardinalshut an, was er aber ausschlug. Als Kaiser Ferdinand II. von der Krönung zu Frankfurt zurückkehrte, empfing ihn J. G. mit besonderem Gepränge in Würzburg. Es war der letzte Akt in seinem Leben, daß er einer dringenden Einladung jenes Kaisers zu dem wichtigen Regensburger Reichstag im October 1622 Folge leistete, wo ihn dann eine|heftige Krankheit äußerst schnell am 29. December 1622 im besten Mannesalter hinwegraffte. Seine Leiche wurde im Dom zu Bamberg beigesetzt. Persönlich war J. G. ein Mann von großem Wohlthätigkeitssinn und tadellosem Wandel, ja von ascetischer Strenge. Wenn er in seinen beiden Stiftern die völlige Wiederherstellung des alten Kirchenwesens, jedoch zugleich mit den nöthigen Reformen, sich zur wichtigsten Aufgabe setzte, so hat er selbst keine Mühe gescheut, durch eigenes eifriges Umherreisen, Visitiren, Predigen, wie durch strenge Ueberwachung der Sitten beim Klerus wie in den Klöstern mit dem eigenen Beispiel voranzugehen. Alles das berechtigt wol zu dem Schlußurtheil, daß J. G. in der Geschichte der Restauration des Katholicismus in Deutschland eine bedeutsame Stellung beanspruchen darf. Erwähnung mag noch finden, daß 1618 von ihm eine reformirte Ordnung des sogenannten kaiserlichen Landgerichts des Herzogthums zu Franken erlassen wurde.

    • Literatur

      Gropp, Collectio noviss. script. et rer. Wirceb. Tom. II u. III. Ussermann, Episcopatus Bambergensis. Dess. Episcopatus Wirceburgensis.

  • Autor/in

    Henner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Henner, Theodor, "Johann Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 451-453 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104047631.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA