Lebensdaten
1848 bis 1919
Geburtsort
Biedenkopf/Lahn
Beruf/Funktion
Tiefbauingenieur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1037209850 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Steuernagel, Carl
  • Steuernagel, Karl Wilhelm Johann
  • Steuernagel, Karl
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Zitierweise

Steuernagel, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1037209850.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1817–97), 1843–64 Bauaufseher, zunächst in B., 1849 in Oberweidbach b. Bad Endbach, 1864 ghzgl. Kr.-Bauaufseher in Erbach (Odenwald), 1871 in Mainz, S d. Conrad, Bürger u. Schuhmacher in Schotten (Oberhessen), u. d. Catharina Groß;
    M Friederike (* 1825), T d. Carl Beisenherz (1793–1868), Steuereinnehmer in Breidenbach b. B., 1834 Geometer ebd., u. d. Charlotte Bergen (1797–1856);
    1885 Katharina (* 1862), T d. Wilhelm Willmeroth, Steuerinsp., u. d. Elisabeth Bechem;
    S Karl (* 1886, ⚭ Paula Kümpers, T d. August Kümpers, 1839–1912, - u. Webereibes. in Rheine, Westf., Ehrenbürger ebd., Mitgl. d. westfäl. Prov.-LT, GKR, s. Wi. 1912, S d. Karl Kümpers, 1808–86, Textilindustr., s. NDB 13), Dr.-Ing., 1933 Präs. d. Reichsbahndirektion Frankfurt/M. (s. Wi. 1935).

  • Leben

    Nach Besuch der Realschule in Biedenkopf und zweijährigem Aufenthalt an der höheren Gewerbeschule in Darmstadt studierte S. 1864–69 Bauwesen an der Univ. Gießen. Zu seinen Lehrern zählte Friedrich Heinzerling (1824–1906), ein Wegbereiter des Stahlbaues. Nach Bestehen der Prüfung zum Baukandidaten unterzog sich S. einer praktischen Ausbildung in der Bauverwaltung des Ghzgt. Hessen, nahm während dieser Zeit am dt.-franz. Krieg 1870/71 teil und legte nach vorübergehender Tätigkeit beim Kreisbauamt Mainz im Frühjahr 1873 das Staatsexamen ab. Er wechselte in den Dienst der Stadt Mainz und wurde Mitarbeiter des Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig (1830–97). Seit 1875 leitete er den Bau der von Kreyßig entworfenen Altstadtkanalisation. Nach Abschluß der Arbeiten wurde er Anfang 1881 technischer Mitarbeiter der Stadt Barmen, ging aber noch im selben Jahr nach Köln, um an der Seite des kurz zuvor berufenen Stadtbaumeisters und späteren Stadtbaurats Hermann Josef Stübben (1845–1936) zu arbeiten.

    In Köln war S. mit der Umwandlung der städtischen Wallanlagen, der Bildung eines neuartigen Ringstraßensystems und v. a. dem Bau einer ordnungsgemäßen Stadtentwässerung befaßt. Dabei konnte er auf die in Mainz gesammelten Erfahrungen zurückgreifen, auch was den Umgang mit baulichen Überresten aus der röm. Besatzungszeit betraf. S. veranlaßte deren systematische Erfassung, wobei er von Rudolf Schultze (1854–1935), dem späteren Bonner Stadtbaumeister, unterstützt wurde. Als Ergebnis ihrer Arbeit erschien 1895 das Werk „Colonia Agrippinensis“. S. verstand es, einen Teil des antiken Kanalsystems in das neue Entwässerungsnetz einzubeziehen. Unter seiner Leitung entstand bis zur Jahrhundertwende das Grundgerüst der Kölner Kanalisation, das sich bis in die Gegenwart bewährt hat. Einer breiten Fachöffentlichkeit bekannt wurde er durch wegweisende Arbeiten auf dem Gebiet der mechanischen Abwasserreinigung. In zahlreichen Versuchen gelang es ihm, die wiss. Grundlage für die Absetzvorgänge in längs durchströmten flachen Rechteckbecken zu schaffen und damit einen wesentlichen Anstoß zur Weiterentwicklung der Abwassertechnik zu geben. Als Gutachter stellte er seine Erfahrungen auch anderen Städten wie Leipzig (1893) und Lübeck (1910) zur Verfügung. Als S. 1898 aus dem Amt schied, wurde er zum Stadtbaurat berufen, erhielt aber lediglich das Tiefbauwesen zugeteilt. 1901 wurde er zum technischen Beigeordneten der Stadt Köln ernannt. S. war zeitweilig auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Stadtbauräte von Rheinland und Westfalen sowie Vorstandsmitglied der Vereinigung der technischen Oberbeamten dt. Städte und des „Niederrheinischen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege“. Durch sein Wirken trug er maßgeblich zum Ansehen des Ingenieurstandes in Deutschland bei.

  • Auszeichnungen

    A Geh. Baurat; Dr.-Ing. E. h. (Darmstadt 1918).

  • Werke

    Die Entwässerungsanlagen d. Stadt Köln, in: Köln in hygien. Beziehung, 1898, S. 128 ff., geändert in: Die Stadt Cöln im ersten Jh. unter preuß. Herrschaft, Bd. 3, 1915, S. 270 ff.;
    Die Probekläranlage zu Köln-Niehl u. d. daselbst angestellten Unterss. u. endgültigen Ergebnisse, 1904.

  • Literatur

    Zbl. d. Bauverw. 39, 1919, S. 95;
    H. Vries, in: Aqua Colonia, d. Gesch. d. Stadtentwässerung in Köln, 2000, S. 7 ff.;
    A. Hoffmann in: Hess. Lb. z. Kulturgesch. d. Wassers, 2005, S. 280.

  • Autor/in

    Albrecht Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Albrecht, "Steuernagel, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 311-312 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1037209850.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA