Lebensdaten
erwähnt 961, gestorben 977
Beruf/Funktion
Erzbischof von Trier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 103109986 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Theoderich I.
  • Theoderich
  • Dietrich
  • mehr

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Zitierweise

Dietrich I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103109986.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Dietrich;
    M Hildegarda; beide aus angelsächsischem Hochadel.

  • Leben

    Ursprünglich Diakon der Trierer Domkirche, wurde D. urkundlich zum ersten Male 961 als Dompropst von Mainz und Vertrauter Ottos I. genannt, dessen erste Gattin angelsächsische Königstochter war. D. erhielt damals von diesem Güter im Nahegau und ließ ein Jahr später dieselben der Ausstattung der von ihm erbauten Kirche Sankt Gangolf in Mainz zugute kommen. Nach der Rückkehr Ottos I. vom 2. Romzuge setzte ihn dieser zum Nachfolger des Trierer EB Heinrich I. ein. Bereits Anfang Juni 965 weilte D. beim Hof- und Reichstag zu Köln. 966 finden wir ihn im kaiserlichen Gefolge zu Aachen und Nijmwegen, wo er von Otto I. für die Abtei Sankt Servatius, Maastricht, das Kloster Ören, Trier, eintauschte. 969 bestätigte ihm Papst Johann XIII. alle Privilegien der Trierer Kirche, wohl kaum aber den Primat über ganz Gallien und Germanien, wie die verfälschte Urkunde besagt. 972 wirkte D. mit seinen drei Suffraganen von Metz, Toul und Verdun bei der vom Kaiser einberufenen Synode der gesamten deutschen Kirche mit. Juni 973 nahm er im Gefolge Ottos II. am Reichstag zu Worms teil und erhielt von ihm den großen Bannforst „Kyllwald“. Otto II. lohnte ihm Einladung und gastliche Aufnahme in Trier im Sommer 973 durch die Verleihung des Münzregals zu Ivoy und Longuion. Neben seiner Tätigkeit als Reichsbischof sorgte er für das Durchsetzen der von Gorze (Lothringen) ausgehenden benediktinischen Klosterreform, die in der Abtei Sankt Maximin, Trier, eines ihrer Ausstrahlungszentren fand. 975 restaurierte und reformierte D. die entvölkerten und verarmten Trierer Klöster Sankt Martin und Sankt Marien. Allerdings wurde zu seiner Zeit vom Trierer Domkapitel die vita communis aufgegeben. Mehrmals wallte er nach Rom und wurde für seine Verdienste von Papst Benedikt VII. durch die Schenkung des Klosters „Vier Gekrönte“ in Rom geehrt. Nach der Überlieferung schrieb er auch ein Buch zum Preise der Gottesmutter Maria. Die von seinem Vorgänger gegründete Trierer Marktsiedlung vor der Domfreiheit dürfte D. durch die wohl nach ihm benannte und gradlinig zur Mosel führende Dietrichstraße, sowie durch die Errichtung der Sankt Gangolf geweihten Marktkirche gefördert haben.

  • Literatur

    ADB LIV (unter Theoderich);
    , Otto I. u. II.;
    H. Beyer, Mittelrhein. UB I, 1860;
    A. Goerz, Mittelrhein. Regg. I, 1876;
    R. Köpke u. E. Dümmler, Jbb. d. dt. Reiches unter Otto I., 1876;
    K. Uhlirz, Jbb. d. dt. Reiches unter Otto II. u. Otto III., 1. Bd., 1902;
    K. Löhnert, Personal- u. Amtsdaten d. Trierer Erzbischöfe d. 10.-15. Jh., Diss. Greifswald 1907, S. 16 f.;
    Die Trierer Kf., hrsg. v. C. Stenz, 1937, S. 3;
    O. Oppermann, Rhein. Urkk.stud. II, hrsg. v. F. Ketner, Groningen 1951;
    K. Hallinger, Gorze-Kluny, Stud. z. d. monast. Lebensformen u. Gegensätzen d. HochMA, 2 Bde., 1950/51;
    Hdb. d. Bistums Trier, 1952, S. 33 (Ms. in Stadtbibl. Trier).

  • Autor/in

    Richard Laufner
  • Empfohlene Zitierweise

    Laufner, Richard, "Dietrich I." in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103109986.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Theodorich, Erzbischof von Trier (965—977), gelangte als Propst des Mainzer Domstifts auf den Trierer Bischofsstuhl, dessen Machtbereich durch ihn eine bedeutsame Erweiterung erfuhr. Beanspruchte bis dahin der Trierer Bischof nur den Primat über Gallia Belgica, so erhielt er nun den Primat über ganz Gallien und Germanien, sowie das Vicariat auf den Synoden dieser Länder, freilich nur für die Dauer weniger Jahrzehnte. Ihre Machtansprüche gründete die Trierer Kirche auf das sogenannte Sylvesterdiplom, eine Fälschung aus der Zeit Theodorich's. Ob dieser an der Fälschung betheiligt gewesen, läßt sich nicht feststellen. Der weltlichen Machtstellung des Erzbischofs kam die von Otto I. der Kirche gegenüber eingeleitete Politik zu gute. Durch Tausch ging die königliche, im Trierer Stadtgebiet gelegene und daselbst mit reichem Grundbesitz ausgestattete Abtei St. Irmin, die noch wenige Jahre vorher eine gefälschte Urkunde vergebens dem Bisthum zu unterwerfen gesucht hatte, in den Besitz des Erzbischofs über. Wie damit das Herrschaftsgebiet des Trierer Erzbischofs am Orte seiner Residenz, wenn auch vor der Hand nur vorübergehend, erweitert wurde, so wurde es im weiteren Stadtgebiet durch Schenkung des sogenannten Kyllwaldes durch Otto II. ausgedehnt und abgerundet.

    Auch auf innerkirchlichem Gebiete entfaltete der Erzbischof eine rege Thätigkeit. Die Klosterreform des 10. Jahrhunderts fand in ihm einen erfolgreichen Förderer. Fromme Gesinnung und wissenschaftliches Streben des Erzbischofs bekundete die Ueberlieferung, welche ihm ein Buch zur Verherrlichung der Jungfrau Maria und ein Leben der heiligen Lindtrudis zuschreibt. Th. starb am 5. Juni 977 und wurde in der Basilika des heiligen Gangulf zu Mainz, die er aus eigenen Mitteln erbaut und dotirt hatte, begraben.

    • Literatur

      Gesta Trevirorum (M. G. SS. VIII, 169. — Brower, Annales I, 469 ff. — Goerz, Regesten, S. 5 ff. — H. V. Sauerland, Trierer Geschichtsquellen des 11. Jahrhunderts.

  • Autor/in

    G. Kentenich.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kentenich, Gottfried, "Dietrich I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 54 (1908), S. 685 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103109986.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA