• Genealogie

    V Anton ( 1823), S d. Matthias in Laubendorf;
    M Veronika ( 1830), T d. Wenzel Martinu u. d. Katharina Jakele; 9 Geschw.; - ledig.

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters besuchte H. das Piaristengymnasium in Leitomischl. Seinen Lebensunterhalt mußte er durch Unterricht selbst verdienen. Anschließend studierte er an der Universität Olmütz Philosophie und Rechte. Seit 1833 war er in Wien, wo er das Studium der Rechte abschloß. Während er als Praktikant im Verwaltungs- und Justizdienst arbeitete, erlernte er die geometrischen Kurzschriftsysteme von Danzer und Nowak; letzteres suchte er zu verbessern. 1839 lernte er das System Gabelsberger kennen, in dem er eigene Vorstellungen von einem idealen Kurzschriftsystem verwirklicht fand. Er gab seine Beamtenlaufbahn auf und widmete sich fortan begeistert und selbstlos der Verbreitung der Gabelsbergerschen Stenographie. Von 1841 an stand er mit Gabelsberger in reger brieflicher Verbindung. Dieser schätzte H. sehr und nannte ihn seinen österreichischen Apostel. – 1842 eröffnete H. die erste stenographische Lehranstalt in Wien. Die Kurse waren zunächst schwach besucht, und H. hatte um seinen Lebensunterhalt schwer zu kämpfen. 1843 wurde er zum außerordentlichen Professor der Stenographie an der Polytechnischen Schule in Wien ernannt. Seit 1844 arbeitete er an einer Übertragung des Systems Gabelsberger auf die tschechische Sprache und unterrichtete diese an den Universitäten Wien und Prag nach einem selbstverfaßten Lehrbuch. 1849 erschien seine „Kurze Anleitung zur Stenographie für die vier slawischen Hauptsprachen“, böhmisch, polnisch, illyrisch und russisch. Durch die Einführung der Verfassung 1848 entstand große Nachfrage nach Stenographen, wodurch sich H.s finanzielle Situation besserte. Er wurde mit der Leitung des ersten österreichischen parlamentarischen Stenographenbüros betraut, das mit der Einberufung des Reichstags nach Kremsier dorthin übersiedelte. Nach Auflösung dieses Reichstags kehrte H. nach Wien zurück, wo er sich wieder dem Stenographieunterricht widmete. 1849 gründete er den „Centralverein der Stenographen des Österreichischen Kaiserstaates in Wien“; damit hat er die Weiterbildung und Pflege der Stenographie in Österreich gesichert. Er hat wertvolle Vorarbeiten für die bei der Staatsdruckerei in Wien hergestellten stenographischen Drucktypen geleistet.

  • Werke

    Weitere W Bemerkenswerthes üb. d. Stenogr. od. Geschwindschr., 1841;
    Prakt. Hdb. d. Stenotachygraphie, 1846;
    Kurze Grammatik d. Stenotachygr. u. Pract. Hdb. als Stenographiertes Lesebuch mit e. gedr. Übers. als Leitfaden f. d. öffentl. u. Selbstunterricht, 1846.

  • Literatur

    ADB XI;
    Stenograph. Bll., 1854, Nr. 3, S. 45, Nr. 4, S. 49 (P);
    Briefe Gabelsbergers an H., Posener u. Anders, hrsg. v. R. Fischer, 1890;
    Wiener Schule, Zs. f. Gabelsberger. Stenogr., 1888, Nr. 2;
    K. Heck, Gesch. d. Schule Gabelsberger I, 1901;
    A. R. Legàt, H.s Leben u. Streben, in: Stenografielehrer 16, 1962, S. 241, 271, 17, 1963, S. 247, 273, 18, 1964, S. 32, 97, 173 (nicht abgeschlossene Biogr.).

  • Autor/in

    Anny Schwarz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarz, Anny, "Heger, Ignaz Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 229 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102573263.html#ndbcontent

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  • Leben

    Heger: Ignaz Jacob H., der „Apostel der Stenographie in Oesterreich“ und erster Uebertrager des Gabelsberger'schen Stenographiesystems auf die slavischen Sprachen, wurde am 5. Juli 1808 zu Poličzka bei Leitomischl in Böhmen als Sohn armer Bürgersleute geboren. Durch Freunde der Familie wurde ihm nach Absolvirung des Gymnasiums der Besuch der Universität ermöglicht. Er studirte zuerst in Olmütz, dann in Wien die Rechte und wurde 1838 in letzterer Stadt als Rechtspraktikant angestellt. Als fleißiger Arbeiter frühzeitig auf die Stenographie gelenkt, schuf sich H. ein eigenes Schnellschriftsystem unter Anlehnung an die verschiedenen Bearbeiter der englisch-französischen Methode von Taylor-Bertin und an Nowak. Ohne von seiner Arbeit besonders befriedigt zu sein, war er doch so von der Wichtigkeit der Stenographie für das öffentliche Leben durchdrungen, daß er den Gedanken faßte und durchführte, die juristische Laufbahn aufzugeben und sich ausschließlich der liebgewordenen Kunst zu widmen. Im Jahre|1838 erhielt er die staatliche Genehmigung, in Wien öffentlichen Unterricht zu ertheilen. Er hatte kaum mit seinen Lectionen begonnen, als ihm das kürzlich veröffentlichte Werk Gabelsberger's (s. d.) in die Hände kam. Von dem Werthe der neuen Schrift nach eingehender Prüfung überzeugt, gab er sein System auf, trat mit Gabelsberger in Verbindung und unterrichtete nun nach dessen Methode. Nachdem er im J. 1841 in Brünn auf einer Versammlung von Land- und Forstwirthen die erste Probe seiner praktischen Fertigkeit abgelegt, widmete er sich neben ferneren praktischen Arbeiten mit solchem Eifer der Ausbreitung der Gabelsberger'schen Schrift, daß er 1842 zum außerordentlichen Professor der Stenographie an der Wiener polytechnischen Akademie ernannt und im folgenden Jahre auch zu Vorlesungen an der Universität ermächtigt wurde. Schon 1841 war ihm die Einrichtung einer stenographischen Lehranstalt für Wien übertragen worden. In jene Zeit fällt auch Heger's litterarische Thätigkeit. Sein Werk: „Bemerkenswerthes über die Stenographie oder Geschwindschrift", sollte das Publikum für die neue Schrift empfänglich machen. Es folgten 1845 das „System der böhmischen Stenographie“ und 1849 die „Kurze Anleitung zur Steno-Tachygraphie für die 4 slavischen Hauptsprachen“ (böhmisch, illyrisch, russisch, polnisch). Die Vollendung eines umgearbeiteten ausführlichen Lehrganges der böhmischen Stenographie sollte der Verfasser nicht erleben; er starb mitten in der Arbeit zu Wien am 11. Mai 1854. — Die Gabelsberger'sche Schule der Stenographie hat alle Ursache, dem unermüdlichen Manne dankbar zu sein, der es zu seiner Lebensaufgabe machte, die Redezeichenkunst in Oesterreich zur Geltung zu bringen. Sie mag ihn auch als einen der Ersten feiern, die es unternahmen, die Gabelsberger'sche Schrift auf eine fremde Sprache zu übertragen. Jene oben erwähnten Arbeiten haben freilich nur einen geringen Werth, da H. sich zu streng an den Aufbau des Originals gehalten und die Lautverhältnisse des fremden Idioms zu wenig berücksichtigt hatte. Der „Erste Prager Stenographen-Verein“ gab Anfang der sechziger Jahre mit Benutzung der Heger'schen Vorarbeiten ein Lehrbuch der böhmischen Stenographie (Těsnopis český) heraus, welches seitdem dem Unterrichte in Böhmen zu Grunde gelegt wird. — Böhmische und deutsche Stenographen haben im J. 1876 dem verstorbenen Lehrer den Zoll der Dankbarkeit entrichtet. Am 14. Mai des genannten Jahres wurde unter entsprechenden Feierlichkeiten am Geburtshause Heger's zu Poličzka eine Gedenktafel angebracht und die zu dem Hause führende Straße nach ihm benannt.

    • Literatur

      Fischer, Journ. für Stenographie 1854. Oesterreichische Blätter für Stenographie 1876. Engelhard, Gabelsberger und Heger (Tiroler Stenogr. Kalender 1876).

  • Autor/in

    E. Bauer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bauer, E., "Heger, Ignaz Jacob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 275-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102573263.html#adbcontent

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