Lebensdaten
um 1500 bis vermutlich vor 1539
Beruf/Funktion
Meistersinger
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 102558752 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Beckmesser, Sixt
  • Peckmesser, Six
  • Peckmesser, Sixt
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Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Beckmesser, Six, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102558752.html [17.12.2018].

CC0

  • Leben

    B. wird 1527 in H. Sachs' Meistergesang „Ich kam vür einen garten wolgezirt“ (Dichtungen, herausgegeben von K. Goedeke, I, 1870, S. 12-14) als einer der zwölf alten Nürnberger Meistersingermeister gepriesen. Näheres über sein Leben ist nicht bekannt. Da weder er selbst in den alten Nürnberger Archivalien genannt wird noch jemals eine Familie B. in Nürnberg gelebt hat oder anderwärts nachgewiesen wurde, dürfte die übliche Namenansetzung unrichtig sein. Der Name B. ist seinem Typ nach eine zum Familiennamen gewordene Berufsbezeichnung, vereinigt aber zwei widersprechende Berufe, nämlich Beck (alte Bezeichnung des Bäckers) und Messer (entweder das Amt des Bier-, Holz-, Getreide-Messers, das älteren vertrauenswürdigen Bürgern anvertraut wurde, oder wahrscheinlicher die Kurzform von Messerer „Messerschmied“). Offensichtlich ist, mit appositioneller Nachstellung der Berufsbezeichnung, „Sixt Beck, Messer(er)“ zu lesen, worauf die Form „Becksmessers Ton“ in Puschmans Singebuch (mit doppeltem Genitiv-S) die Schreibung „Bek meserer“ in der Steierischen Meisterliederhandschrift und „Beck messerer“ in den verschiedenen Liederbüchern von Georg Hager hindeutet. Diese Schreibungen machen auch wahrscheinlich, daß B. Messerschmied war. Da ein Sixt Beck weder in den Bürger- und Handwerkerlisten noch anderen Nürnberger Archivalien vorkommt, wohl aber eine Messererfamilie namens Beck, ist anzunehmen, daß B. Verwandte in Nürnberg hatte, sich selbst aber nur vorübergehend hier aufhielt und dabei (wie Hans Sachs in München) sich den Meistertitel der Nürnberger Singeschule erworben hat. Im Jahre 1539 wird (Stadtarchiv, libri litt. 43, 58) die Witwe des Sixt Beck erwähnt: vermutlich ist sie nach seinem Tode zu den Nürnberger Verwandten gezogen. Der in einem Schreiben des Nürnberger Rates vom 15.9.1549 erwähnte Bürger Sixt Beck in Windsheim/Aisch dürfte eher ein Sohn als B. selbst sein.

    Von B.s Gedichten hat sich nur ein Neujahrsgedicht auf Maria „Freut euch, ir werden cristenleut“ im Naglerschen Meisterliedercodex (Berlin, Cod. germ. quart. 414, Bl. 268/69) erhalten (Textabdruck bei H. Rosenfeld, Der hist. Meistersinger S. B. u. d. Meistergesang, s. L), jedoch erfreuten sich seine Melodien bei den Meistersingern noch lange großer Beliebtheit („Gulden Ton“, „Neuer Ton“, „Langer Ton“, „Überzarter Ton“, „Corweise“). Noch der 1594 nach Nürnberg gekommene Dramatiker Jakob Ayrer dichtete in B.s „Gulden Ton“. Besonders beliebt war sein „Neuer Ton“ (Notenabdruck bei Genée und Mey, s. L), dem melodischer Fluß nachzurühmen ist; musikalisch am wertvollsten dürfte seine „Corweise“ sein. B. gehört zu der von Hans Folz inspirierten Meistersingergeneration nach 1480 und ist in seiner Formkunst moderner als Hans Sachs' Lehrer Lienhard Nunnenpeck; er gehört aber seinem Neujahrsgesang zufolge durchaus der Zeit vor der Glaubensspaltung an und faßt den Meistersang noch ganz als kirchlich-kultische Kunst, die er mit Andacht und nicht ohne Geschick handhabt.

    In Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ (1862-69) trägt ein als kleinlicher Merker und schlechter Meistersinger fungierender Stadtschreiber den Namen B.. Im Entwurf von 1861 hieß diese Figur jedoch „Hans Lick“ und sollte einen erbitterten Wagnergegner, den Wiener Musikkritiker Dr. Hanslick, als kleinlichen Kritikaster verewigen. Die Umbenennung in B. ist willkürlich und hat den Namen des einst angesehenen Meistersingers in Verruf gebracht. Im Gefolge von Wagners Oper wurde das Verbum „B.n“ sprichwörtlich für philiströse, nörgelnde Kritik.

  • Literatur

    K. J. Schröer, Meistersinger in Österr., in: Germanist. Stud. 2, 1875, S. 221 f.;
    Goedeke I, 1884, S. 317;
    R. Genée, H. Sachs u. seine Zeit, 1894, S. 403 f.;
    C. Mey, Der Meistergesang in Gesch. u. Kunst, 1901, S. 197 f.;
    G. Münzer, Das Singebuch d. A. Puschmann, 1906, S. 23 f.;
    C. H. Bell, Georg Hager, a Meistersinger of Nürnberg 1552-1634, Berkeley 1947, S. 243, 1519, 1550, 1579;
    H. Rosenfeld, Der hist. Meistersinger S. B. u. d. Meistergesang, in: Euphorion 47, 1953;
    W. Stammler, in: Vf.-Lex. d. MA I, 1933, Sp. 182.

  • Autor/in

    Hellmut Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hellmut, "Beckmesser, Six" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 729 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102558752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA