Lebensdaten
1551 bis 1604
Geburtsort
Serravalle (Vittorio Veneto)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
bayerischer und päpstlicher Diplomat ; Erzbischof von Zara
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102548781 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Minutti, Minutius
  • Minucci, Minuccio
  • Minutti, Minutius
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Zitierweise

Minucci, Minuccio, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102548781.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. in Serravalle beheimateten u. mit den Porcia, Colloredo u. Brandolino verwandten Adelsfam.;
    V Geronimo;
    M Francesca Raccola;
    Ov Andrea (1511–72), EB v. Zara (seit 1567);
    B Andrea ( 1598, 1] Isabella, T d. Conte Cristoforo di Polcenigo e Fratta u. d. Contessa Emilia Brandolini di Valmareno), bayer. Agent in Venedig;
    N Minuccio, 1614 Page in M.

  • Leben

    M. gehörte zu einem kleinen Kreis humanistisch gebildeter Deutschlandexperten der röm. Kurie, die als apostolische Nuntien am Kaiserhof, in Köln und Graz oder als Mitarbeiter des Staatssekretariats für die Kontinuität päpstl. Reichspolitik sorgten und als überzeugte Reformer für die Erneuerung der kath. Kirche und die Gegenreformation von etwa 1570 bis 1623 eintraten. Seine humanistische Ausbildung erhielt M. vor allem bei seinem Onkel Andrea, dem Erzbischof von Zara. Nach dem Studium in Padua, das er mit dem Doktorgrad beider Rechte abschloß, wurde er 1573 Sekretär von Nuntius Bartolomeo Porcia in Prag und nach dessen Tod Ende 1578 von Kardinal Ludovico Madruzzo, der als Protektor der deutschen Nation und Vorsitzender der „Congregatio Germanica“ einen weitreichenden Einfluß auf die röm. Reichspolitik ausübte. 1582 begleitete M. den Kardinal auf den Reichstag in Augsburg; von dort aus wurde er zusammen mit Germanico Malaspina nach Köln geschickt, um die Wahl Ernsts von Bayern zum Erzbischof diplomatisch vorzubereiten. Als Belohnung für seine Tätigkeit zugunsten Bayerns erhielt er die Einkünfte aus den Propsteien der Kölner Stifte Mariengraden und St. Aposteln sowie von Altötting. Nach einem Aufenthalt in Madrid (Feburar 1584) trat M. am 6.6.1584 als Geh. Rat in die Dienste Hzg. Wilhelms V. von Bayern. Zugleich ernannte der Herzog M.s Bruder Andrea zum Kammerherrn, der sich 1592 in Venedig niederließ und dort bis etwa 1615 als bayer. Agent wirkte. M. wurde am 9.3.1587 in Prag von Nuntius Filippo Sega zum Priester geweiht; anschließend begab er sich nach Rom, um dort als Agent die bayer. Interessen zu vertreten. Auf Bitten Hzg. Wilhelms kam er im Juli 1590 nach Deutschland, um mit Kf. Ernst über reichspolitische Fragen zu beraten. Papst Gregor XIV. ernannte M. Anfang 1591 zum Sekretär der wiederbelebten „Congregatio Germanica“, deren Vorsitz Kardinal Madruzzo erneut innehatte. Am 30. Oktober desselben Jahres berief ihn Papst Innozenz IX. ins Staatssekretariat. Damit beendete M. die offizielle Agententätigkeit für Bayern. Er blieb jedoch weiterhin Hzg. Wilhelm V. eng verbunden und organisierte 1592/93 den Romaufenthalt der bayer. Prinzen.

    M. war auf seine Tätigkeit als Staatssekretär durch die eigene Anschauung und eine Reihe von Denkschriften, die er vor allem seit 1588 für Bayern und die Kurie verfaßt hatte, bestens vorbereitet. In diesen Memoranden legte er ausführlich und sehr konkret seine Ideen zur Realisierung der Trienter Konzilsbeschlüsse und zur Rückgewinnung Deutschlands für die kath. Kirche dar. Auch als Staatssekretär und später als Erzbischof schrieb er zahlreiche, zum Teil grundlegende Gutachten. Darüber hinaus verfaßte er eine Reihe vorwiegend historischer Werke, wie seine „Historia degli Uscocchi“, die Paolo Sarpi ergänzte und die 1676 in Venedig im Druck erschien. Nach seiner Bestätigung im Amt durch Clemens VIII. im Februar 1592 bestimmte M. in den ersten Pontifikatsjahren sehr weitgehend die päpstliche Politik im Reich und in Osteuropa. Wegen seiner engen Bindungen an Bayern wurde er jedoch von der kaiserlichen Partei am Papsthof argwöhnisch beobachtet. Nach verschiedenen Intrigen zeigte er im August 1594 erste Anzeichen von Resignation, wozu auch die wachsende Rivalität der beiden Papstnepoten beitrug. Am 7.2.1596 ernannte ihn Papst Clemens VIII. zum Erzbischof von Zara und befreite ihn damit von einem Amt, das ihm eine solche Last geworden war, daß er ernsthaft erkrankte. Durch seine engen Kontakte zu Kardinal Cinzio Aldobrandini beeinflußte M. auch weiterhin die päpstliche Politik; das Angebot, als Nuntius nach Köln zu gehen, lehnte er jedoch ab. Ärger blieb ihm auch in Zara nicht erspart; Von 1597 bis 1600 dauerte der Streit mit dem Patriarchen von Venedig über die Jurisdiktionsbefugnisse seiner Kirche. Am 19.4.1603 reiste M. von Serravalle aus mit Aufträgen der Kurie nach München. Dort erhielt er offenbar das Angebot, wieder in die Dienste der Herzöge zu treten, da Wilhelm V. den Papst um die Annahme der Resignation M.s auf sein Erzbistum bat. Ähnlich wie 1590 begab er sich dann im Winter 1603/04 nach Köln, um mit Kf. Ernst und Nuntius Coriolano Garzadoro über Reichsfragen und den niederländ. Krieg zu beraten und den Wittelsbacher zu einem würdigeren Lebenswandel zu bewegen. Kurz nach seiner Rückkehr ist M. in München gestorben.

  • Quellen

    Qu. Bayer. HSTA München, Kasten schwarz 7361-7364; Biblioteca Apostolica Vaticana, Barb. lat. 1322, Urb. lat. 839, 860. Vat. lat. 8912; Biblioteca Vallicelliana, Rom, N 19; Dt. Hist. Inst., Rom, Nachlaß Minucci.

  • Literatur

    F. Altan, Memorie intorno alla vita di mons. M. M., arcivescovo di Zara, 1767;
    J. Hansen, Der Kampf um Köln 1576-1584, Nuntiaturberr. aus Dtld. III, 1, 1892 (Nachdr. 1972);
    A. Marani, „De novo orbe“, Storia inedita dell'America in lingua latina scritta nel 1595 da M. M., areivescovo di Zara, in: Mamiani 1, 1966, S. 172-209;
    ders., Due lettere del M. a Marino Zorzi, vescovo di Brescia, e al suo segretario Alessandro Senesi, in: Brixia Sacra NF 2, 1967, S. 82-85;
    ders., Storia inedita dei Tartari scritta nel 1595 da M. M., arcivescovo di Zara, in: Mamiani|2, 1967, S. 190-217;
    ders., Storia inedita dell'Etiopia scritta nel 1598 da M. M., arcivescovo di Zara, ebd. 3, 1968, S. 184-207;
    ders., Relazione inedita sui Tartari precopensi scritta nel 1585 da M. M. poi arcivescovo di Zara, ebd. 4, 1969;
    ders., L'agricoitura degli Incas in un manoscritto di M. M., 1551-1604, in: Rivista di Storia dell'Agricoltura 1, 1968;
    ders., Gli opuscoli latini di M. M., in: La Rivista Dalmatica NF 40, 1969, S. 25-29;
    P. Schmidt, „Riordinare il Collegio Germanico …“, Eine unbek. Denkschr. d. M. M. aus d. J. 1592, in: QFIAB 60, 1980, S. 374-94;
    K. Jaitner, Instructiones Pontificum Romanorum, Die Hauptinstruktionen Clemens VIII. f. d. Nuntien u. Legaten an d. europ. Fürstenhöfen, 1592–1605, 1984, S. LII-LVI;
    ders., Il nepotismo di papa demente VIII (1592–1605): il dramma del cardinale Cinzio Aldobrandini, in: Archivio Storico Italiano 146, 1988, S. 57-93.

  • Autor/in

    Klaus Jaitner
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaitner, Klaus, "Minucci, Minuccio" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 547-549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102548781.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA