Lebensdaten
um 1410 bis 1499
Geburtsort
Exweiler bei Sankt Wendel
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Abt von Groß-St. Martin in Köln ; Benediktiner ; Klosterreformer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102516103 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Adamus Villicus
  • Adam Villicus
  • Villicus, Adam
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Zitierweise

Meyer, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102516103.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Petrus, Meier in E.;
    M Geysa.

  • Leben

    M. trat um 1430 in die Trierer Benediktinerabtei St. Matthias ein, deren Abt Johannes Rode ( 1439) seinen Blick für die Notwendigkeit einschneidender Reformen des benediktinischen Ordenslebens schärfte. Damals befanden sich viele Klöster in wirtschaftlicher und geistlicher Verwahrlosung. Die Zahl der Mönche war oft sehr klein, jeder erhielt einen Teil der Klostereinkünfte zu freier persönlicher Verfügung, die vita communis hatte zu bestehen aufgehört, der gemeinsame Gottesdienst wurde vernachlässigt. Diese Zustände waren das entscheidende Stimulans für M.s Lebenswerk. 1448 wurde er mit anderen Mönchen aus Trier in die Kölner Benediktinerabtei Groß-St. Martin versetzt mit dem Auftrag, dort eine Reform des monastischen Lebens in Gang zu setzen. 1454 wurde er zum Abt von Groß-St. Martin gewählt, und 1455 bewirkte er die Aufnahme seiner Abtei in die Bursfelder Union, einen Zusammenschluß von reformwilligen Benediktinerabteien. Als Abt konsolidierte er die ökonomischen Verhältnisse von Groß-St. Martin, baute die Bibliothek aus und errichtete ein hauseigenes Skriptorium; so festigte er die materiellen Grundlagen der spirituellen Erneuerung. Mit beachtlichem Erfolg wirkte M. für die Reform anderer Klöster, besonders im Rheinland, in Westfalen und im niederländ.-belg. Gebiet. Wichtige Plattformen seines Wirkens waren das Capitulum annale (Äbteversammlung) der Bursfelder Union und das Generalkapitel der Benediktinerprovinz Köln-Trier. Im Auftrag der Ordenskapitel, der zuständigen Bischöfe und des Papstes führte M. Visitationen in anderen Klöstern durch und entsandte Mönche aus Groß-St. Martin in reformbedürftige Abteien, z. B. nach Laach. Er gliederte das bisher dem Orden der Augustinereremiten angehörende Kölner Kloster St. Agatha in den Benediktinerorden ein und war 1474-78 als Administrator der Abtei Werden tätig. Unterstützung fand M. bei Päpsten, vor allem bei Pius II., bei den Kölner Erzbischöfen, deren Berater und Reformkommissar er war, und bei weltlichen Fürsten, u. a. bei Hzg. Johann I. von Kleve.

    Im 18. Jh. hat Oliver Legipont die Aufmerksamkeit der Historiker auf M. gelenkt und diesem zahlreiche Schriften grundlos zugeschrieben. Zweifellos echt sind neben einigen Briefen wenigstens sieben Predigten, darunter vier deutschsprachige. M.s Hauptwerk ist der „Tractatus asceticus“, ein Buch für junge Mönche über Moral und Mystik. M. erweist sich in seinen Schriften als Kenner der aszetisch-mystischen Traditionen und als Ordensmann, der monastische Strenge mit menschlichem Verständnis verbindet. Ein Bischofsspiegel (De statu episcoporum, archiepiscoporum et patriarcharum), den M. dem Kölner Erzbischof Hermann von Hessen überreicht hat, stammt nicht aus seiner Feder, sondern stellt einen Auszug aus der Summa des Antoninus Florentinus dar.

  • Werke

    Sermo capitularis sive refectoralis de sancto Benedicto abbate, gedr. um 1475;
    Adami Villici vulgo Mayer (!) Tractatus asceticus de Septem gradibus spiritualis ascensionis in deum, ed. O. Legipontius, 1753 (darin als Anhang Predigten, v. denen wenigstens zwei echt sind, nämlich d. Kapitelspredigt „Isti sunt dies“, S. 294-310, u. d. genannte Sermo de sancto Benedicto, S. 310-46).

  • Literatur

    ADB 21;
    J. Hartzheim, Bibliotheca Coloniensis, 1747 (Nachdr. 1967), S. 4-6;
    M. Ziegelbauer, O. Legipontius, Historia rei literariae Ordinis S. Benedicti III, 1754 (Nachdr. 1967), S. 204-13;
    J. H. Kessel, Antiquitates Monasterii S. Martini maioris Coloniensis, 1862, S. 154-58, 372-424;
    U. Berlière, A. M. (Villicus), in: Revue liturgique et monastique 15, 1929/30, S. 20-37;
    P. Opladen, Groß St. Martin, 1954, S. 47-56, 177-78;
    D. Schmidtke, Zur Gesch. d. Kölner Predigt im SpätMA, in: FS f. I. Schröbler z. 65. Geb.tag, 1973, S. 328-61, bes. S. 330-34, 347-50;
    R. B. Marks, A Cologne Benedictine Scriptorium ca. 1490 and Trithemius' „De laude scriptorum“, in: Mittellat. Jb. 15, 1980, S. 162-71;
    B. Neidiger, Erzbischöfe, Landesherren u. Reformkongregationen, in: Rhein. Vj.bll. 54, 1990, S. 19-77, bes. S. 23, 43-46, 51-69, 75 f.;
    LThK;
    Dictionnaire de Spiritualité X, Sp. 862 f.;
    Vf.-Lex. d. MA (W, L).

  • Portraits

    Grabmal, 1749 aus d. Klosterkirche entfernt u. verschollen;
    Beschreibung: Ziegelbauer, Legipontius (s. L), S. 211.

  • Autor/in

    Joachim Vennebusch
  • Empfohlene Zitierweise

    Vennebusch, Joachim, "Meyer, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102516103.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meyer: Adam M. (Villicus), ein sehr gelehrter Benediktiner, geb. zu St. Wendel, wurde 1430 im Seminar der Abtei St. Matthias zu Trier in den Orden aufgenommen und 1448 nebst dem Vorsteher des genannten Seminars, Johannes de Dome, zur Herstellung der alten Zucht in den Klöstern der kölnischen Provinz berufen. Unterstützt von dem päpstlichen Legaten Nicolaus Cusanus, gelang die schwierige, nicht von Widersetzlichkeit verschont gebliebene Aufgabe. Durch diese Veranlassung in das Kloster Groß-St.-Martin zu Köln eingeführt, erwarb er sich daselbst in solchem Grade Ansehen und Verehrung, daß er 1454, nach dem Ableben des Abtes Jacob Wachendorp, zu dessen Nachfolger erwählt wurde. Er verstand es, die dichteste Finsterniß, die er hier vorgefunden, in volles Licht umzuwandeln. Während er selbst mit Eifer den Studien oblag und seinen Untergebenen das Beispiel edelsten Strebens vorführte, machte er den München die heilsame Vorschrift, daß sie sich in den freien Stunden, die ihnen die klösterlichen Regeln übrig ließen, je nach ihrer Befähigung mit wissenschaftlichen, künstlerischen oder nützlichen mechanischen Arbeiten beschäftigen mußten. Sie sollen sogar bei der zwischen 1460 und 1470 in Köln beginnenden Thätigkeit der neuerfundenen Kunst der Typographie mitbetheiligt gewesen sein. Auf solche Weise war in diesem Kloster eine Pflanzstätte gebildet, aus welcher auch für entfernte Ordenshäuser geeignete Persönlichkeiten zur Hebung der Zucht und des wissenschaftlichen Sinnes ausgingen, und die späteren Zeiten haben zahlreiche Mitglieder aufzuweiten, welche als berühmte und tugendhafte Männer dem Orden zur Zierde gereichten. Im Jahre 1462 erhielt Abt Adam vom Papste das Zugeständniß, daß die neben der Abtei gelegene Pfarrkirche zu St. Brigida derselben für immer einverleibt wurde, in Folge dessen die Pfarrerstelle von einem Klostermitgliede, nicht selten von dem Abte selbst, bekleidet zu werden pflegte. Der Bursfelder Congregation, einer Reformation des Benedictinerordens um 1429, stand er als Generalpräses vor, und vom heiligen Stuhle war er zum Visitator und Reformator aller, sowol männlichen als weiblichen. Klöster des Ordens in den Provinzen Köln, Trier, Lüttich, Utrecht und Münster bestellt. Auch der Reichsabtei zu Werden und der Propstei zu Helmstadt war er eine Zeit lang vorgesetzt. Am 17. Februar 1499 ist er gestorben. Seine Grabstätte befindet sich im Chore der Abteikirche zu Köln. Mehrere zeitgenössische Schriftsteller sprechen mit höchstem Lobe von ihm. Trithemius (Chronic. Hirsaug.) sagt: „Non fuit nostra aetate similis illi cujuscumque etiam religionis alius, nec surrexit post eum quisquam usque in praesentem diem tam zelosus amator, custos et reformator disciplinae regularis in se sibique subjectis.“ Die Schriften des ausgezeichneten Mannes sind ungedruckt geblieben und wurden im Manuscripte in der Bibliothek von St. Martin aufbewahrt. Sie sind: „Commentarius amplissimus in regulam sancti Benedicti“, 1414. Am Schlusse sind einige Miscellaneen beigefügt. — „Tractatus de statuArchi- et Episcoporum et Patriarcharum ad Hermannum Coloniensem Antistitem.“ Das auf Pergament geschriebene, dem Erzbischof Hermann IV., Landgrafen von Hessen, überreichte Original war mit vielen gemalten Bildern und Initialen geschmückt und ist späterhin in die Bibliothek des Jesuitencollegiums zu Köln gelangt. — „Opusculum de statu religiosorum in titulum XVI. Decretalium." — „Tractatus de tribus votis monasticis." — „Tractatus asceticus de septem gradibus spiritualis ascensionis in Deum." — „Variae orationes capitulares." — „Sermones breves de tempore et alia quaedam analecta.“ — „Liber de Rectoribus christianis et regulis quibus respublica est gubernanda ad Hermannum Coloniensem Archiepiscopum.“ Auch dieses Manuscript kam im Original an die Kölner Jesuiten. — „Tractatus varii de modo confitendi, de instituendis visitationibus, de electione Abbatis, item processus pro reformatione monasterii Lacensis.“ Einige andere kleine Abhandlungen schließen sich diesen an. — „Ceremoniale metricum.“ In der Bibliothek des Klosters Laach. — Die Bibliothek von St. Martin hatte auch viele Schriften aufzuweisen, theils auf Pergament, theils auf Papier, welche von den Geistlichen der Abtei auf Abt Adam's Geheiß geschrieben worden sind, ohne Nennung der Verfasser.

    • Literatur

      Hartzheim, Biblioth. Colon. mit Berufung auf Notizen von Oliver Legipont.

  • Autor/in

    Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, "Meyer, Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102516103.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA