Lebensdaten
1403 bis 1445
Geburtsort
Paris
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern-Ingolstadt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102507600 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig VIII.
  • Ludwig der Höcker (Beiname)
  • Ludwig der Höckrige (Beiname)
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Zitierweise

Ludwig VIII., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507600.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Ludwig VII. d. Bärtige v. B.-I. ( 1447, s. NDB 15);
    M Anna ( 1408), Hofdame d. Kgn. Isabeau de Bavière, T d. Hzg. Johann I. v. Bourbon;
    1441 Margarete (um 1410–62), T d. Kf. Friedrich I. v. Brandenburg ( 1440, s. NDB V);
    1 T (jung †).

  • Leben

    L. wuchs die ersten 5 Jahre seines Lebens in Paris auf. Nach dem Tod seiner Mutter wurde er zur Erziehung nach Bayern gebracht. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung erhielt er später die Beinamen „der Höcker“, „der|Höckrige“, „der Buckel“, „der Bucklige“. Dem noch nicht Dreizehnjährigen übertrug sein Vater, gerade von Frankreich zurückgekehrt, 1416 die Grafschaft Graisbach mit den Herrschaften Graisbach, Monheim, Hütting und Konstein nebst eigenem Hof und eigener Verwaltung, freilich unter der Leitung eines Tutors und Gubernators. Die Grafschaft Graisbach ging bereits 1421/22 im Bayer. Krieg (1420–22) an Mgf. Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach verloren. Während des Aufenthalts seines Vaters in Österreich, Ungarn und Niederbayern in den 20er Jahren nahm er an der Seite des kgl. Landeshauptmanns Regierungsgeschäfte wahr. Gegen Ende dieser Zeit traten erstmals tiefgreifende Differenzen zutage, als L. die harte außenpolitische Linie seines Vaters gegenüber Heinrich von Niederbayern-Landshut nicht mehr voll unterstützte. Die von ihm angestrebte Heiratsverbindung 1429 mit einer Tochter des Landshuters, 1431 mit einer Tochter des Ansbachers wußte der Vater zu vereiteln. Dennoch vertrat L. loyal die Interessen seines Vaters und des Teilherzogtums Ingolstadt 1434 in Basel und in Ulm vor Hofgericht und Kaiser, um Reichsacht und Reichsexekution vom Vater abzuwenden, sowie 1436 beim Wiederausbruch des Krieges mit Heinrich v. Landshut. Die Entfremdung vertiefte sich, als der Vater in den 30er Jahren seinen unehelichen, körperlich wohlgestalteten Sohn Wieland v. Freyberg (ca. 1400–1439) dem legitimen Erben immer deutlicher vorzog. Zum Bruch kam es, als Ludwig d. Bärtige 1438 L. zwecks Wiederaufnahme eines Prozesses gegen Heinrich von Landshut nach Basel zum Konzil schickte, um währenddessen die Heirat Wielands v. Freyberg mit einer Gräfin v. Wertheim vorzubereiten und ihm den gesamten Barschatz und den Großteil der Kleinodien des Herzogtums als Heiratsgut zu verschreiben. Als dem Vater hinterbracht wurde, der Sohn wolle ihn gefangensetzen, verwies er ihn des Landes, worauf dieser, im Vertrauen auf die Unterstützung durch Adel und Bürgerschaft, den Weg des Aufstands beschritt. Er verbündete sich im September 1438 zu Pfaffenhofen mit Hzg. Albrecht III. von Bayern-München und im Oktober in Neumarkt (Oberpfalz) mit Mgf. Friedrich und dessen Söhnen, wobei die Verehelichung L.s mit Friedrichs Tochter Margarete und zugleich die Rückerstattung der 1420-22 den Ingolstädtern abgewonnenen Gebiete auf dem Nordgau sowie der Grafschaft Graisbach vereinbart wurde.

    Nachdem Ludwig d. Bärtige seine Residenzstadt verlassen und sich nach Neuburg/Donau zurückgezogen hatte, öffnete Ingolstadt Ende November 1438 unter dem Schein der Neutralität L. und Hzg. Albrecht die Tore; weitere Städte und Märkte folgten im Dezember diesem Beispiel. Die restlichen Orte und Burgen des Landesteils zwischen Donau und Lech – mit Ausnahme Neuburgs – nahm L. im folgenden Sommer trotz eines königl. Friedgebots mit Gewalt ein. Die Ingolstädter Teillandschaft beschränkte sich L. gegenüber auf eine Art wohlwollender Neutralität und griff nicht militärisch in den Konflikt ein. So mußte L. zur Bestreitung der Kriegskosten und zur Aufrechterhaltung seines Hofes eigene und väterliche Besitzungen sowie Kleinodien verpfänden und sein franz. Erbe, die Teilgrafschaft Basse-Marche, 1443 an Bernhard Gf. v. Armagnac in Pfandkauf geben. Fünf Jahre lang blieb der Hausstreit unentschieden, da auch Ludwig VII. nicht alle verfügbaren Mittel für den Krieg einsetzte, vielmehr Geld und Kleinodien seiner frommen Stiftung in Ingolstadt überschrieb, um sie dem aufständischen Sohn zu entziehen, im übrigen aber den Rechtsweg vor Kg. Friedrichs III. Hofgericht beschritt. Schließlich brach L. den gebotenen Waffenstillstand und eroberte nach viermonatiger Belagerung am 4.9.1443 mit Hilfe des Mgf. Albrecht Achilles Stadt und Feste Neuburg im Sturm. Der alte Herzog geriet in Gefangenschaft.

    Beim nächsten Reichstag in Nürnberg im Herbst 1444 konnte L. Kg. Friedrich mit dem Versprechen, ihn gegen seine aufsässige Tiroler Landschaft zu unterstützen, wegen des Friedbruchs völlig versöhnen. Daß er dabei kgl. Rat wurde und wenig später in den Mergentheimer Fürstenbund des Kurfürsten von Mainz Aufnahme fand, gab ihm auch außenpolitisches Gewicht. Die jahrzehntelange Isolation, in die das Hzgt. Bayern-Ingolstadt durch die intransigente Politik Ludwigs VII. geraten war, wurde so überwunden. Ein allzu früher Tod riß L. mitten aus dieser erfolgreichen Aufbauarbeit. Der in Neuburg noch immer gefangen gehaltene alte Herzog wurde von der Witwe L.s an 1 ihren Bruder Albrecht Achilles ausgeliefert und von diesem 1446 gegen Bezahlung von 32 000 Gulden an Heinrich von Landshut „verkauft“. Bei seinem Tod 1447 erlosch die Linie Bayern-Ingolstadt, und Heinrich d. Reiche von Landshut sicherte sich in raschem Zugriff das Erbe.

  • Literatur

    ADB 19;
    Mon. Boica 34, 1, 1844, S. 352-56;
    C. H. v. Lang, Gesch. d. Bair. Hzg. Ludwig d. Bärtigen zu Ingolstadt, 1821;
    J. Turmair's Sämmtl. Werke V, hrsg. v. M. v. Lexer, 1886;
    S. v. Riezler, Gesch. Baierns III, 1889;
    Ch. Haeutle, Vom Tode u. Begräbnis Hzg. Ludwig d. Bärtigen v. B.-Ingolstadt, in: Oberbayer. Archiv 47, 1891/92, S. 1-17;
    V. Arnpeck, Sämtl. Chroniken, hrsg. v. G. Leidinger, 1915;
    K. Stechele, Zur Gesch. d. Haft Ludwigs d. „Gebarteten“ in Burghausen, in: Altbayer. Mschr. 13, 1915/16, S. 32-42;
    Th. Straub, Wann starb L. d. Bucklige?, in: Ingolstädter Heimatbll., Beil. z. Donau-Kurier, 23. Jg., Nr. 12, 1960, S. 51 f.;
    ders., Bayern im Zeichen d. Teilungen u. d. Teilherzogtümer (1347–1450), in: Hdb. d. bayer. Gesch. II, hrsg. v. M. Spindler, 21974, S. 182-267.

  • Autor/in

    Ludwig Hüttl
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüttl, Ludwig, "Ludwig VIII." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 363-365 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507600.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA