Lebensdaten
1751 bis 1827
Geburtsort
Herborn
Sterbeort
Dillenburg
Beruf/Funktion
nassauischer Staatsmann ; Historiker ; Jurist ; Archivar
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 102143277 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Arnoldi, Johannes von

Orte

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Zitierweise

Arnoldi, Johannes von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102143277.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Valentin Arnoldi, Oberkonsistorialrat und Professor der Theologie in Herborn;
    M Adelgunde ( 1755), T des Orientalisten Albert Schultens in Leiden, aus niederländischer Gelehrtenfamilie;
    Gvv Kurschmied und Pferdearzt in Dillenburg;
    1) Dillenburg 1782 Sophie ( 1784), T des Oberforstmeisters Friedrich von Diepenbroick in Dillenburg, 2) ebenda 1785 Henriette ( 1829), ältere Schw der ersten Frau; 12 K, u. a. Friedrich Arnoldi, nassauischer Rechnungskammerdirektor in Wiesbaden.

  • Leben

    A. studierte Rechtswissenschaft in Herborn und Göttingen, wo er sich von Ch. W. J. Gatterer zugleich in der Diplomatik ausbilden ließ. Nach Ausübung einer Advokatur trat er 1777 in die Dillenburger Landesverwaltung (Archiv, Rentkammer, Regierung), wurde 1792 Mitglied der Landesregierung und 1796 Direktor des Landesarchivs. 1801-13 mit der Durchsetzung der oranischen Entschädigungsansprüche betraut, kam er in Wien wie in Regensburg in fördernde Verbindung mit der europäischen Diplomatie und - durch den befreundeten Friedrich Nikolai - mit der Berliner Gelehrtenwelt. Die Verwaltung des dem oranischen Erbprinzen zugeteilten Fürstentums Fulda führte er bis zur französischen Besetzung 1806. Erst nach dem Sturz der großherzoglich-bergischen Regierung 1813 kehrte er nach Dillenburg zurück, wo er die Verwaltung der oranischen Stammlande wiedereinrichtete, bis diese 1815 an Preußen und kurz darauf an das neugeschaffene Herzogtum Nassau übergingen. Verbittert über das der oranischen Dynastie zugefügte Unrecht und ihrem Rückzug aus Deutschland nachtrauernd, widmete er sich fortan seinen früh begonnenen historischen und diplomatischen Forschungen. A. ist der letzte Staatsmann der oranischen Stammlande und der Geschichtsschreiber Nassau-Oraniens.

  • Werke

    u. a. Gesch. d. oranien-nassau. Länder u. ihrer Regenten, 3 Bde., 1799-1816 (Haupt-W); Miscellaneen aus d. Diplomatik u. Gesch., 1798.

  • Literatur

    ADB I; Autobiogr., in: Zeitgenossen, Bd. 3, H. 11, 1818, S. 77-140 (Schrr.verz.); A. Nebe, Zur nassau. Schriftstellergesch., in: Nassau. Ann. 10, 1870, S. 141-52 (Schrr.verz.); E. Becker, J. v. A., in: Nass. Lb. II, 1943, S. 186-194 (P).

  • Portraits

    Ölgem. (nach Miniatur) im Mus. d. Wilhelmsturms Dillenburg.

  • Autor/in

    Otto Renkhoff
  • Empfohlene Zitierweise

    Renkhoff, Otto, "Arnoldi, Johannes von" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 390 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102143277.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Arnoldi: Johannes v. A., geb. 30. Dec. 1751 zu Herborn als jüngster Sohn des Professors der Theologie und Bibliothekars Valentin Arnoldi, zu Dillenburg 2. December 1827. Er bezog 1766 die Akademie seiner Vaterstadt, und studirte 1770—73 in Göttingen. Neben den juristischen Fachcollegien führte ihn ein gewisser Drang zur Polyhistorie zu mannigfachen sonstigen, namentlich historischen Studien. 1795 ward er Secretär beim Landesarchiv in Dillenburg, und seit 1792 war er Mitglied der dortigen Landesregierung. Seit 1796 auch Director des Landesarchivs, ward A. 1801 nach Berlin gesandt um die Oranischen Entschädigungsansprüche zu betreiben. Er stand dort mit Fr. Nicolai und vielen Gelehrten in regem Verkehr und manche Aufsätze von ihm in der „Allg. Deutschen Bibliothek“ stammen aus dieser Zeit. Im Anfang des J. 1803 trat er, als geh. Legationsrath ganz in den Dienst des früheren Erbstatthalters von Holland, nunmehrigen Fürsten von Oranien und Fulda, Wilhelm Friedrichs, der zu Fulda residirte. Bei diesem Anlaß ward er auch geadelt. Seit 1805 war er Mitglied des Geheimerathscollegs. Als aber nach der Schlacht bei Jena das Fuldaer Land von den Franzosen besetzt ward, lehnte er den Eintritt in die neugebildete Landesbehörde ab und begab sich nach erhaltenem Abschied nach Marburg. 1813 begleitete er die vordringenden Truppen der Verbündeten nach Dillenburg, übernahm hier sogleich die Regierung und trat 1814 als wirkl. Geheimerath in die oberste Landesstelle ein, deren Chef er 1815 ward. Als aber 1815 sein Vaterland an Preußen und von diesem großentheils an Nassau überging, erbat und erhielt A. den ehrenvollen Abschied mit vollem Gehalt.

    Ein Schüler Gatterer's, fand er nicht nur in dieser letzten Lebensperiode volle Muße, sondern auch in seinem früheren bewegten Leben immer die Zeit, seiner Neigung für historische und archival. Studien nachzugehen. Von vielen kleineren Arbeiten abgesehen (vgl. die unten cit. Qu.), ließ er 1798 „Miscellen aus der Diplomatik und Geschichte“ erscheinen. In den nächsten Jahren folgte darauf sein bedeutendstes Werk: „Gesch. der Oranien-Nass. Länder und ihrer Regenten“ (B. I. 1799, B. II. 1800, B. III. 1801 und III. 2 1816.) Neben vielen kleineren meist der Reformationszeit angehörenden Arbeiten verfaßte er 1817 „Historische Denkwürdigkeiten.“ Die letzten Jahre verlebte er zu Dillenburg.

    • Literatur

      Zeitgenossen, Heft 11; N. Nekrol. Jahrgang 1828, S. 8.

  • Autor/in

    v. L.
  • Empfohlene Zitierweise

    L., von, "Arnoldi, Johannes von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 591-592 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102143277.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA