Lebensdaten
unbekannt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1020756675 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schrattenbach, von (bis 1598)
  • Schrottenbach, von (bis 1598)
  • Schrattenbach zu Heggenberg und Osterwitz, Freiherren und Grafen von
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Zitierweise

Schrattenbach, Freiherren und Grafen von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020756675.html [20.11.2018].

CC0

  • Leben

    Die Stammreihe der aus der Steiermark stammenden Familie beginnt urkundlich 1473 mit Hans Schrotenpach ( 1496), Judenrichter und Geschworener des Rates zu Marburg/Drau. Maximilian, Rat des Ehzg. Karl und Obersthofmeister der Ehzgn. Marie, wurde 1587 mit seinem Bruder Johann Balthasar (1547–1618), 1589-1615 Obersthofmeister des Ehzg. Ferdinand, in den innerösterr. Adelsstand und 1598 in den Freiherrenstand (v. S. Frhr. zu Heggenberg u. Osterwitz) erhoben, nachdem sie im Vorjahr mit dem Erblandvorschneideramt in der Steiermark belehnt worden waren. Johann Friedrich Gf. und Maximilian, Söhne des Felix, Hofkriegsrat und Oberst, dem 1624 der Titel „v. S. Frhr. zu Heggenberg, Herr auf Pragwalt“ verliehen wurde, begründeten die mähr. bzw. steir. Linie der Familie, deren Mitglieder 1649 bzw. 1690 zu österr.-erbländ.|Grafen ernannt wurden. Zahlreiche Mitglieder der Familie standen im österr. Verwaltungs- und Militärdienst, einige erlangten hohe kirchliche Würden oder gehörten den Domkapiteln von Salzburg und Olmütz an. Bernhard ( 1660, s. Wurzbach; Gatz II), Dr. iur. utr. , Bruder des Johann Friedrich, lehrte als Zisterzienser im Kloster Salmansweiler (Schwaben) Kirchenrecht. 1641 bestellte ihn Ks. Ferdinand III. zum Abt von Neuzelle (Niederlausitz), wo er eine neue Kirche baute und die wirtschaftlichen Verhältnisse ordnete. 1655 wurde er zum Administrator des Bistums Meißen bestellt, dessen böhm. Pfarreien im selben Jahr dem neugegründeten Bistum Leitmeritz einverleibt wurden. Ernst (* um 1661, s. Wurzbach) wurde nach Teilnahme an einer ksl. Gesandtschaft nach Konstantinopel zur Befreiung von Christen Abt von St. Emmaus in Prag, Generalvisitator der böhm. Benediktinerklöster der Kongregation von Montserrat sowie Rat seines Bruders Wolfgang Hannibal (1660–1738, s. L). Dieser studierte 1677-83 in Rom Philosophie und Theologie (Dr. phil. et theol.) und wurde 1688 zum Priester geweiht. Seit 1682 Domherr in Olmütz und Salzburg (1699 Domdekan), wurde er 1711 zum Fürstbischof von Olmütz gewählt und im folgenden Jahr in das Kardinalskollegium berufen. 1714 ging er als ksl. Gesandter an den päpstl. Hof und 1719 als Vizekönig, Statthalter und Generalkapitän nach Neapel, das nach dem Span. Erbfolgekrieg an Habsburg gefallen war. 1722 kehrte er in sein Bistum zurück, in dem während seines Episkopats zahlreiche Barockdenkmäler entstanden, u. a. in Kremsier die Marienkirche (1724–36) und die Marienkapelle bei St. Moritz (1733), in der er beigesetzt wurde. Sein Bruder Sigismund Felix (1679–1742, s. L), der 1696 Domherr (1718 Domdechant) in Salzburg wurde und ebenfalls Theologie in Rom studierte (1698-1701), wurde 1703 zum Priester geweiht und 1728 zum Bischof von Laibach ernannt. Hier führte er regelmäßige Visitationen durch, veranlaßte die Herausgabe katechetischer und liturgischer Werke und übte eine rege Bautätigkeit aus. Sein Neffe Siegmund Christoph (1698–1771, s. L), Sohn des Otto Heinrich ( 1733), Land- und Kriegskommissar in Cilli, wurde 1716 Domherr in Augsburg und Eichstätt sowie 1731 in Salzburg (1750 Domdechant), studierte Theologie in Salzburg und Rom, wurde 1723 zum Priester geweiht und 1753 zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Persönlich sehr fromm, sparsam und leutselig, förderte er die Künste und widmete sich mehr seinen geistlichen als seinen weltlichen Aufgaben. Außenpolitisch lehnte er sich an Österreich an, innenpolitisch zielten seine zahlreichen Verordnungen v. a. auf Festigung von Sittsamkeit und Glauben. Während seines Episkopats blühte die Bautätigkeit, u. a. wurde ein 123 m langer Tunnel durch den Mönchsberg geschaffen (Siegmundstor 1766). Als Musikliebhaber förderte er die Familie Mozart; Leopold ernannte er 1757 zum „Hof- und Cammer-Componisten“, 1763 zum Vizekapellmeister, den dreizehnjährigen Wolfgang Amadeus 1769 zum Konzertmeister. Sein Neffe Vinzenz Joseph (1744–1816, s. L), Sohn des Franz Anton (1712–83), Landeshauptmann von Mähren, studierte Theologie in Salzburg, wo er 1762 Domherr und 1771 Hofratspräsident wurde, wurde 1768 zum Priester geweiht und 1777 zum Fürstbischof des Salzburger Eigenbistums Lavant mit Sitz in St. Andrä ernannt. Dazu erhielt er später die Propsteien St. Moritz in Friesach und Maria Saal, das Generalvikariat über Ober- und Unterkärnten sowie die Salzburger Statthalterei in Friesach. In seiner Amtszeit kam es zu einer Neueinteilung der Diözesen, wonach Lavant u. a. die untere Steiermark zugesprochen bekam und 1786 zu einer eigenständigen Diözese innerhalb der Salzburger Kirchenprovinz erhoben wurde. 1790-95 kam es zu einer Unterbrechung des Episkopats, da Vinzenz 1788 zum Dompropst von Salzburg gewählt worden war. Im selben Jahr in den Reichsfürstenstand erhoben, wurde er, nachdem ihn sein Bruder Otto Wolfgang (1739–83, s. Wurzbach 31), Rat und Beisitzer beim Landesgubernium zu Brünn sowie seit 1771 Protektor des Lehramts der politischen Wissenschaften zu Graz, 1783 zum Alleinerben seiner mähr. Besitzungen eingesetzt hatte, 1800 auf eigenen Wunsch Bischof von Brünn, wo er u. a. 1807 ein Priesterseminar errichtete. Seine Großnichte Isabella (1809–75), letzte des Geschlechts, heiratete 1827 in Brünn Gustav Gf. Kálnoky (1799–1884), Fideikommißherr auf Lettowitz bei Brünn. Von ihren Söhnen waren Alexander (1830–1905) und Hugo (1844–1928) k. u. k. Generalmajor, Gustav (1832–98, s. NDB XI) General der Kavallerie und 1881-95 Minister des k. u. k. Hauses und des Äußeren.

  • Literatur

    Ch. d'Elvert, Die Grafen v. S., in: Notizen-Bl. 1877;
    H. W. Höfflinger, Eine Chronik d. Grafen S., in: Jb. d. Ges. Adler NF, 1913, S. 145-78;
    J. Loseth, Zur Gesch. d. Hauses S., in: Zs. d. Hist. Ver. f. Steiermark 26, 1932;
    R. Frhr. v. Procházka, Geneal. Hdb. erloschener böhm. Herrenstandsfam., 1973 (Erg.bd. 1990);
    GHdA 128 (Adels-Lex. 13), 2002;
    zu Wolfgang:
    J. Matzke, Die Olmützer Fürstbischöfe, 1974, S. 63-67;
    Wurzbach;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    Gatz II (L, P); – zu Sigismund:
    Wurzbach;
    Gatz II (L,|P); – zu Siegmund: F. Martin, Salzburgs Fürsten in d. Barockzeit 1587 bis 1812, 4
    1982, S. 217-26;
    U. Salzmann, Der Salzburger Ebf. S. Ch. Gf. v. S. (1753-1771) u. sein Domkap., in: Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskunde 124, 1984, S. 9-240;
    G. Ammerer, in: H. Dopsch u. H. Spatzenegger (Hg.), Gesch. Salzburgs, II/1, 1988, S. 306-23;
    Wurzbach;
    Gatz II (L, P); – zu Vinzenz:
    U. Salzmann, Der Ebf. Siegmund Christoph Gf. v. S. (1753-1771) u. sein Domkap., Diss. Salzburg 1975;
    P. Hersche, Der Spätjansenismus in Österr., 1977;
    B. Reisp, in: Österr. z. Zt. Ks. Josephs II., Ausst.kat. Wien 1980, S. 110-12;
    Wurzbach;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    ÖBL;
    Gatz I (L, P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Schrattenbach, Freiherren und Grafen von" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 520-522 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020756675.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA